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Brandenburg Darum müssen Brandenburger elf Wochen auf Handwerker warten
Brandenburg Darum müssen Brandenburger elf Wochen auf Handwerker warten
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01:15 02.01.2019
Die Nachfrage nach Handwerkseistungen wird sich 2019 in Brandenburg noch weiter steigern. Quelle: Pleul/dpa/Archiv
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Potsdam

Die Börsenkurse spielen verrückt, Brexit und Handelskriege sorgen für Verunsicherung – aber die Konjunkturaussichten für Brandenburg im Jahr 2019 bleiben ausgezeichnet. Zu diesem Ergebnis kommt eine MAZ-Umfrage bei Verbänden, Politikern und Forschern.

„Kurzfristig sieht für Brandenburg alles gut aus“, sagt Oliver Holtemöller, Vize-Chef des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Die im Bundesvergleich überdurchschnittlich wachsende Berliner Wirtschaft werde „weiter eine Sogwirkung auf Brandenburg haben, denn Berlin wird als Hauptstadt auch weiterhin überdurchschnittlich zulegen.“ Vom Zuzug in den Berliner Speckgürtel werde Brandenburg ebenfalls weiter profitieren. Handwerksdienstleistungen dürften laut Holtemöller 2019 in Brandenburg noch deutlich teurer werden.

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Eine Ursache: Die Lohnerhöhung

Eine Ursache: Die Löhne auf dem Bau stiegen laut Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam von Januar bis September 2018 um 5,5 Prozent. Um mehr als sechs Prozent verteuerten sich deshalb Neubauten in diesem Jahr.

Inzwischen müssen Kunden in Brandenburg im Schnitt elf Wochen auf den Handwerker warten. Anfang des Jahres waren es noch neun Wochen, hieß es bei der Handwerkskammer, die für ganz Westbrandenburg zuständig ist. „Das konjunkturelle Hoch wird uns erhalten bleiben“, sagt Kammer-Sprecherin Ines Weitermann. Die Nachfrage sei ungebrochen. Es gebe keine Anzeichen für ein Ende des Baubooms.

Laut Industrie- und Handelskammer Potsdam will ein Drittel der Firmen Leute einstellen. Ebenfalls ein Drittel der mehr als 70.000 Mitgliedsunternehmen habe zuletzt steigende Exporte verzeichnet. Noch nie sei die Investitionbereitschaft so hoch gewesen wie jetzt, sagt IHK-Sprecher Detlef Gottschling. Allerdings nehme der Optimismus geringfügig ab. Grund seien unter anderem außenpolitische Unsicherheitsfaktoren. Die Aufträge der märkischen Bauunternehmen etwa sanken von Januar bis September 2018 um 1,3 Prozent.

Langfristige Risiken

„Die gute Situation auf dem Arbeitsmarkt wird sich weiter festigen, das wird die Sozialsysteme entlasten“, sagt Brandenburgs Finanzminister Christian Görke (Linke). Bei 5,8 Prozent lag im November die Arbeitslosenquote im Land – damit waren 8100 Menschen weniger arbeitslos als im November 2017. Laut Görke sei zwar eine Abschwächung der konjunkturellen Dynamik, aber keine Trendumkehr erkennbar.

Deutlich skeptischer blickt Volkswirtschaftler Holtemöller aus Halle auf die langfristigen Risiken für die Brandenburger Wirtschaft. Arbeitskräfteschwund und eine überdurchschnittlich alte Bevölkerung werden nach Prognosen des Instituts auf längere Sicht die Wachstumsaussichten im Bundesland bremsen. „Wegen des Kohleausstiegs in der Lausitz ist dort eine Welle der Abwanderung zu erwarten – vor allem gut ausgebildete jüngere Arbeitskräfte dürften leicht woanders eine Arbeit finden“, so Holtemöller.

Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) hebte im MAZ-Gespräch hervor, dass große Firmen wie Rolls-Royce in Dahlewitz (Teltow-Fläming), BASF in Schwarzheide (Oberspreewald-Lausitz) oder MTU in Ludwigsfelde (Teltow-Fläming) sich klar zu ihren Standorten in Brandenburg bekannt hätten. Sie würden jetzt ihre Produktionsverfahren digitalisieren. „Auch die mittelständisch geprägte Industrie stellt sich mehr und mehr den neuen Herausforderungen“, sagte Steinbach.

Von Ulrich Wangemann