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Brandenburg Brandenburgerinnen basteln an ihrer Existenz
Brandenburg Brandenburgerinnen basteln an ihrer Existenz
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09:24 21.12.2016
Die Designerin Jeannine Schnörr aus Potsdam-Mittelmark entwirft für ihr Label „Ninis“ Kinderbettwäsche, die sie auch auf dem virtuellen Ladentisch verkauft.  Quelle: Diana Bade
Potsdam

 Früher klapperte die Tastatur, heute klackert die Nähmaschine. „Ich hab‘ alles auf eine Karte gesetzt“, sagt Jeannine Schnörr. Die Brandenburgerin sitzt in ihrem neuen Arbeitszimmer in ihrem Zuhause in Borkwalde, (Potsdam-Mittelmark), ein Kuschelparadies aus bunten Kissen, Bettdecken und Stoffen. Mehr als 27 Jahre hat die gelernte Bauzeichnerin als Bürokauffrau gearbeitet, dann stand für sie fest: „Ich wollte etwas anderes.“

Im März hat die 50-Jährige ihr eigenes Label „Ninis“ gegründet und dafür ihren früheren Job aufgegeben. Ihr Portfolio: Baby- und Kinderbettwäsche mit innenliegenden Knöpfen, Kissen und Taschen aus hochwertiger Baumwolle. Anfangs hat Schnörr ihre Modelle im Familien- und Freundeskreis verkauft. Inzwischen vermarktet sie ihre Produkte auf dem virtuellen Ladentisch über DaWanda. Das Selbstmach-Portal für Kreative sei eine „gute Plattform“, um im Internet zu starten.

DaWanda-Hochburg Brandenburg

Damit ist Jeannine Schnörr nicht allein. Immer mehr Brandenburgerinnen machen sich mit Filzen, Häkeln, Stricken, Nähen selbstständig und vertreiben ihre Produkte auf Online-Marktplätzen wie DaWanda oder Etsy. 500 Hobbydesigner aus Brandenburg bieten nach Unternehmensangaben bei DaWanda, Deutschlands größtem Online-Marktplatz für Selbstgefertigtes, ihre Waren an.

Dieser ist vor allem für Frauen attraktiv. „90 Prozent unserer Käufer und Verkäufer sind weiblich“, sagt Claudia Helming, Gründerin und Geschäftsführerin von DaWanda. Rund 20 Prozent der international 380 000 registrierten Verkäufer können sich nach Schätzung von Helming ihren Lebensunterhalt ausschließlich mit den Handarbeiten verdienen. Eine Gruppe sei dabei besonders kreativ: „Viele Mütter aber auch einige Väter entdecken in der Elternzeit ihre kreative Ader.“

Jung-Mamas und -Papas handeln aus dem Home-Office

Auch Berit Pürschel, 45, studierte Biologin aus Potsdam, setzt sich an die Nähmaschine wenn ihre zwei und vier Jahre alten Kinder schlafen oder in der Kita sind. Seit ihrer Jugend näht sie leidenschaftlich gern. Die Idee, damit Geld zu verdienen, kam ihr in der Elternzeit. „Ich wollte einfach mal gucken, wie das anläuft und wie den Leuten meine Sachen gefallen.“ Vor einem halben Jahr hat die Potsdamerin ihre ersten Strandtaschen und Schlüsselbänder in ihrem Shop bei DaWanda hochgeladen und sich damit auch ohne eigene Internetseite einen Namen im Netz gemacht. In sechs Monaten hat sie mit ihrem Label „Fischers Fru“ bereits 43 Produkte über DaWanda verkauft und ihr Angebot erweitert. „Die Schultertaschen kamen gut an“, sagt Pürschel, immer noch überrascht über den eigenen Erfolg. „Ich bin hochzufrieden, vor allem, weil ich keine Werbung für meine Sachen mache.“

Der Onlinehandel sei für die zweifache Mutter attraktiv, weil sie komfortabel von zu Hause aus arbeiten könne. „Es wäre toll, einen eigenen Laden zu haben, aber aus familiären Gründen passt es einfach gerade nicht“, erklärt sie. Durch den Handel auf Online-Marktplätzen erreicht die Potsdamerin einen Markt über die eigene Region hinaus und spart sich zudem die Miete für ein Ladengeschäft. „Aber DaWanda hat auch Tücken“, sagt Berit Pürschel.

Geschick ist beim Handeln auf den Bastelportalen gefragt

Zwar sind die Verkaufsgebühren und Provisionen gering, doch die Designer und Bastler müssen mit ihren Produkten erstmal gefunden werden. „Man rutscht mit seinen Sachen schnell auf die hinteren Seiten, wenn sie nicht neu eingestellt sind und wird nicht mehr gesehen“, erklärt Pürschel.

Eine Erfahrung, die auch Jeannine Schnörr beim Hochladen ihrer Kuschelprodukte gemacht hat. „DaWanda ist gut, um auszuprobieren, was läuft und was nicht, aber es ist schwierig, sich dort mit wenigen Artikeln zu behaupten.“ Parallel werkelt die Designerin daher an ihrer eigenen Internetseite, auf der sie ab Februar ihre Waren anbieten will. „Aber mein Traum ist es, eines Tages meine Kinderbettwäsche in Berliner und Potsdamer Geschäften zu verkaufen.“ Das Handeln übers Internet hatte sich die Gründerin insgesamt einfacher vorgestellt.

Wer mit Herzblut bastelt, hat gute Chancen auf beruflichen Erfolg

Auch Berit Schuchmann, 48, aus Zeuthen (Dahme-Spreewald) will ihre Mode über digitale Bastelportale noch bekannter machen. Die Zeuthenerin entwirft Kleidung „für Kinder, die sich selbst anziehen können“ in Größen von 86 bis 140. „Mein Ziel ist es, online noch besser zu verkaufen und geschickter mit Werbewerkzeugen umzugehen“, sagt die Designerin. Vor zwei Jahren gründete sie gemeinsam mit ihrer damaligen Geschäftspartnerin das Brandenburger Label „Any Pin“. „Gut strukturiert zu sein, hilft am Anfang“, sagt Schuchmann. „DaWanda ist eine tolle Plattform, auf der einen viele Leute sehen und man günstig den Markt erobern kann“, sagt die studierte Wirtschaftsingenieurin. Trotzdem sei es ihr bislang nicht gelungen, viele Produkte über das Portal zu verkaufen. Erfolgreicher läuft es hingegen auf Märkten und Messen.

„Bei selbst produzierten Waren ist, aufgrund der kleinen Margen, hohen Versandkosten und selbst abzuführenden Sozialversicherungsbeiträge, der Gewinn relativ klein“, erklärt Dennis Hoffmann, stellvertretender Sprecher der Arbeitsagentur Berlin-Brandenburg. Dort verzeichnet man einen regelrechten Gründer-Trend mit dem EtikettHandarbeit“, weg vom industriellen Massenprodukt hin zum mit Liebe gemachten Einzelstück. „Wer seine Ideen mit Herzblut bastelt, näht und strickt, hat gute Chancen mit einer Existenzgründung glücklich zu werden“, sagt Hoffman,. Allerdings sollte der Schritt, sein Hobby zum Beruf zu machen, genau durchdacht werden. „In jedem Fall sollte man sich Gedanken über seine Geschäftsidee und einen Businessplan machen.“

Von Diana Bade

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