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Brandenburg „Die Landwirtschaft ernährt uns alle“
Brandenburg „Die Landwirtschaft ernährt uns alle“
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00:20 25.04.2019
Ein Landwirt fährt am späten Abend mit einer Pestizid- und Düngerspritze über ein Feld bei Petersdorf (Märkisch-Oderland). Quelle: Foto: Patrick Pleul/DPA
Potsdam.

Reinhard Jung (53) ist Geschäftsführer des Bauernbunds Brandenburg. Dieser versteht sich im Gegensatz zum Landesbauernverband als Interessenvertretung kleinerer landwirtschaftlicher Betriebe in Familienbesitz. Jung hat einen Biobauernhof in Lennewitz in der Prignitz, ist verheiratet und hat vier Kinder.

Herr Jung, Sie haben als Gast auf der Hauptversammlung des Imkerverbands kürzlich eine kämpferische Rede gehalten und dort gesagt: „Die Insektenlüge ist die größte Agrarlüge seit BSE.“ Wie meinen Sie das?

Reinhard Jung: Es lagen wissenschaftliche Erkenntnisse zugrunde, die, angeblich eindeutig, die Landwirtschaft als Ursache eines großen Unheils ansahen: damals der Rinderwahn, heute das Insektensterben. In beiden Fällen haben interessierte Kreise, vor allem die so genannten Naturschutzverbände, darauf ihr Süppchen gekocht. Und in beiden Fällen sieht die Wirklichkeit ganz anders aus. Naturschutzbund (Nabu) und Bund für Umwelt und Naturschutz (Bund) malen mit ihrer gestarteten Volksinitiative „Artenvielfalt retten“ ein völlig irreales Horrorszenario an die Wand.

Der Nabu beruft sich auf die sogenannte Krefeld-Studie, wonach die Lebendmasse der Insekten in den vergangenen 25 Jahren um mehr als 70 Prozent zurückgegangen ist. Zweifeln Sie diese Zahl an?

Ich kann sie nicht anzweifeln, so lange ich nicht über sichere eigene Erkenntnisse verfüge. Ich weiß nur: Sollte der Rückgang tatsächlich so gravierend sein, kann er nichts mit der Landwirtschaft in Brandenburg zu tun haben.

Der Nabu unterstellt eine Intensivierung der Landwirtschaft in den letzten 25 Jahren in Brandenburg

Die Zahlen beweisen das Gegenteil: Der Anteil der Flächen, auf denen Insektizide eingesetzt werden, ist gleich geblieben, aber die Mittel sind milder und bienenfreundlicher geworden. Grünlandnutzung wird deutlich extensiver genutzt. Der ökologische Landbau hat sich flächenmäßig mehr als verdoppelt, die Naturschutzgebiete fast vervierfacht. Hecken und Baumreihen wurden in den letzten 25 Jahren nicht gerodet, sondern neu gepflanzt – woran sollen die ganzen Insekten denn gestorben sein?

Sie werfen den Naturschutz-Verbänden vor, mit ihrer Volksinitiative Wahlkampf für die Grünen zu machen. Warum?

Ich habe große Sympathie für Menschen, die sich politisch und praktisch für Natur- und Umweltschutz engagieren. Aber mich widert die Heuchelei derjenigen an, die daraus ein Geschäftsmodell entwickelt haben: Keine Kritik mehr am aufgeblasenen Konsumverhalten in unserer Gesellschaft. Man möchte ja die Spender oder Wähler nicht verprellen, die mehrfach in den Urlaub fliegen, dicke Autos fahren, riesige Häuser bewohnen, ständig neue Möbel, Klamotten und Handys brauchen. Um denen ein gutes Umweltgewissen zu verkaufen, schießt man sich auf die Landwirtschaft ein. Die Landwirtschaft ernährt uns alle, aber sie wird zum Sündenbock abgestempelt.

Machen Sie es sich da nicht zu einfach? Nicht jeder, der für eine der beiden Volksinitiativen zum Insektenschutz unterschrieben hat, ist ein Salon-Grüner mit SUV unterm Carport.

Das Problem ist, dass viele Menschen, die eigentlich etwas Gutes bewirken wollen, aber wenig über die Landwirtschaft wissen, auf diese Strategie hereinfallen.

Welche Ursachen könnte das Insektensterben denn sonst haben, wenn es nicht an den Bauern liegt?

Darüber kann ich wie gesagt nur spekulieren. Am Berliner Rand haben wir ein immenses Wachstum von Siedlungen und Straßen, immer mehr Fläche wird zubetoniert. Die Gärten werden steriler, vom englischen Rasen bis zu Stein- oder Splitflächen. Selbst bei uns auf dem Land sind die Omas mit den Kittelschürzen verschwunden, die Kohlgarten und Hühnerhof unter Obstbäumen bewirtschaftet haben. Und dann die ganze Beleuchtung: In manchen Orten gibt es mehr Straßenlaternen als Einwohner. Es ist augenscheinlich, dass da die Lebensbedingungen für Insekten nicht besser geworden sind.

Von Thorsten Keller

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