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Brandenburg Brandenburgs CDU setzt alles auf eine Karte
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21:29 11.02.2014
Dieter Dombrowski hat am Dienstag seinen Rücktritt erklärt. Quelle: Klaus-Dietmar Gabbert
Potsdam

Für den Anlass ein wenig zu gut gelaunt erscheint CDU-Fraktionschef Dieter Dombrowski im Landtag. Gleich wird er mitteilten, dass er seinen Posten als Fraktionschef im Landtag räumen wird. Nach knapp eineinhalb Jahren an der Spitze der 19-köpfigen Oppositionsfraktion soll jetzt schon Schluss sein. Es ist ein Posten, der dem 62-jährigen Havelländer viel Prestige einbrachte und den er stets sichtbar genoss. Er war das Gesicht der märkischen CDU, er war im Parlament und den Medien omnipräsent, er setzte die Themen seiner Partei. Es gab in dieser Zeit kaum ein politisches Feld, das Dombrowski nicht kommentierte.

Michael Schierack soll Dombrowskis Nachfolger werden. Quelle: Julian Stähle

Diesen Part soll nun Michael Schierack übernehmen. Alle Macht im Wahljahr in einer Hand, so lautet das neue Motto in der CDU. Vorbei die bisher beschworene Arbeitsteilung: Schierack lenkt die Partei, Dombrowski die Fraktion.

Dass dies nicht immer glatt lief und sich beide im Landtag öfter im Wege standen, war spürbar. Zu unterschiedlich sind beide. Dombrowski, immer für eine Überraschung gut, kann frontal angreifen, aber auch plötzlich geschmeidig nach Kompromissen suchen. Schierack ist der ausgleichende, freundliche Politiker-Typ, der sich jede Attacke zweimal überlegt. Zuletzt auf der Sondersitzung des Landtags zu den Förderaffären im Wirtschaftsministerium hielt die Hauptrede Schierack, der Fraktionsvize. Die anderen Fraktionen schickten ihre Chefs. Prompt musste sich Schierack von der SPD verspotten lassen, ob er als gesundheitspolitischer Sprecher rede, was Schierack auch noch ist.

Diese Sondersitzung muss den Ausschlag für den Wechsel gegeben haben, auch wenn Dombrowski betont, dass seine Entscheidung „nicht von heute auf morgen“ gereift sei. Mit einem Lächeln  verkündet er, dass er „ohne Reue, ohne jeden Vorwurf“ Platz mache. „Der Anstoß dafür, „kommt von mir.“ Das ist Dombrowski wohl wichtig, auch wenn es in der Fraktion dazu gegenteilige Stimmen gibt. Zur Begründung sagt er: „Ich möchte, dass die CDU nach außen geschlossen als eine Kraft gesehen wird.“ Mit Pathos hebt er dann seine Rolle als Diener seiner Partei hervor. „Jeder in der CDU hat seinen Beitrag zu leisten.

Schierack, der in seiner Partei schon länger gedrängt wird, Dombrowski endlich den Fraktionsvorsitz zu entreißen, stört dessen Interpretation des Wechsels nicht. Er hat sein Ziel erreicht: Dombrowski verzichtet freiwillig. „Der Wechsel erfolgte auf Augenhöhe und freundschaftlich“, gibt Schierack noch pflichtgemäß zu Protokoll. Im Gegenzug darf Dombrowski einer von drei Stellvertretern in der Fraktion sein. So ist er nach wie vor vorn mit dabei – auch, was die Zeit nach der Wahl und mögliche neue Posten angeht. Überdies gibt es für den Vize auch finanzielle Zulagen, so dass sich die Einbußen in Grenzen halten. Fraktions chefs erhalten die doppelte gut 4500-Euro-Diät.

Schierack wirkt zufrieden. Der Lausitzer mit Orthopädie-Praxis in Cottbus will sich nun voll in den Wahlkampf stürzen. „Ich bin jetzt das Gesicht der CDU“, sagt er. Und lacht.

Immer für eine Überraschung gut: Dieter Dombrowski

  • Dieter Dombrowski gilt als streitbarer Christdemokrat - oft schwer einzuschätzen und immer für eine Überraschung gut. So protestierte er 2009 bei der Vereidigung von Matthias Platzeck (SPD) als erstem Ministerpräsidenten einer rot-roten Landesregierung medienwirksam in einem Häftlingsanzug gegen die Beteiligung früherer Stasi-Mitarbeiter aufseiten der Linken.
  • Der 62-Jährige setzt sich für die Opfer von Stasi- und DDR-Diktatur ein und prangert - seiner Ansicht nach noch bestehende - Seilschaften im Land an. In der Enquetekommission des Landtages zur Aufarbeitung der SED-Diktatur hat er immer wieder eine mangelnde Auseinandersetzung mit der DDR-Vergangenheit kritisiert.
  • Dombrowski hatte nach einem 1974 gescheiterten Fluchtversuch in der DDR im Gefängnis gesessen. 1975 hatte ihn die Bundesregierung freigekauft. Im Westen ließ sich der gelernte Maler zum Zahntechniker umschulen.
  • Der Wahl-Havelländer und verheiratete Vater von zwei Töchtern ist seit 1977 Mitglied der CDU. Brandenburgs Landtag gehört er seit 1999 an. Er kennt Partei und Fraktion seit Jahren. Von 2009 bis November 2012 war er CDU-Generalsekretär sowie Vize-Fraktionschef. Im September 2012 rückte Dombrowski nach dem überraschenden Rücktritt von Vorgängerin Saskia Ludwig mit knapper Mehrheit an die Spitze der Fraktion. Zuvor hatte er Ludwig während der Geburt ihrer Kinder schon zweimal vertreten.

Neuer starker Mann der CDU: Michael Schierack

  • Brandenburgs CDU-Chef Michael Schierack ist mit Leib und Seele Arzt, aber auch gern Politiker. Nun soll der der 47-Jährige auch die Fraktion im Landtag anführen - und die Partei als starker Mann durch das Superwahljahr 2014 führen.
  • Der CDU-Spitzenkandidat gilt als ausgleichend, kann gut zuhören und setzt auf Einsicht beim Gegenüber. Für Entscheidungen nutzt der Wander- und Basketballfan gern die Erfahrungen eines ganzen Teams, Alleingänge sind ihm eher fremd.
  • Schierack konnte sich schon länger in Führungsämtern bewähren. So ist der gebürtige Lausitzer seit zwölf Jahren CDU-Kreischef in Cottbus. Im brandenburgischen Landtag war er bislang Stellvertreter von Fraktionschef Dieter Dombrowski. Im November 2012 wurde er zum CDU-Landesvorsitzenden gewählt, nachdem seine Vorgängerin Saskia Ludwig Saskia nach heftiger innerparteilicher Kritik zurückgetreten war.
  • Der verheiratete Vater zweier Kinder und gläubige Katholik sitzt seit 2009 im Landtag. Er beschäftigt sich gern mit gesundheits- und wissenschaftspolitischen Themen. An der Fachhochschule Lausitz hat er seit 2008 eine Honorarprofessur für Rehabilitationsmedizin.
  • Trotz politischer Arbeit würden seine Patienten in der Gemeinschaftspraxis weiter versorgt, versichert Schierack. Seine Arbeit als Orthopäde und Unfallchirurg ist ihm wichtig. In den kommenden Monaten stehe allerdings der Wahlkampf im Fokus, so der Mediziner. Seine Arzttasche hat er nichtsdestotrotz immer dabei, um im Notfall schnell helfen zu können.

Von Igor Göldner

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