Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg Gesundheitsministerin: Berliner können weiter in Brandenburg übernachten – vorerst
Brandenburg

Brandenburgs Gesundheitsministerin: Berliner können weiter in Brandenburg übernachten – vorerst

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:21 05.10.2020
Ursula Nonnemacher (Bündnis 90/Die Grünen), Ministerin für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz. Quelle: Soeren Stache/dpa
Anzeige
Potsdam

Berliner dürfen trotz der stark ansteigenden Corona-Infektionszahlen in der Hauptstadt weiter in Brandenburg übernachten. Das stellte Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) am Montagnachmittag klar. Erst beim Überschreiten der Marke von 50 Neuinfektionen in einer Woche auf 100.000 Einwohner für die Gesamtstadt Berlin gelte ein Beherbergungsverbot.

„Der drastische Anstieg der Corona-Neuinfektionen in Berlin ist besorgniserregend“, sagte die Gesundheitsministerin. In der Bundeshauptstadt gebe es „mehrere Hotspots“. Wegen der engen Verflechtungen zwischen Berlin und Brandenburg und dem täglichen Ortswechsel Tausender Pendler „müssen wir jetzt sehr aufpassen, dass diese drastische Entwicklung nicht auf Brandenburg überschwappt“, warnte die Grünen-Politikerin. Trotzdem könne Brandenburg nicht für einzelne Bezirke Beherbergungsverbote aussprechen. „Berlin ist eine dichtbesiedelte Millionenmetropole und muss deshalb als Einheitsgemeinde betrachtet werden“, sagte Nonnemacher. Allein die Pendlerbewegungen sprächen gegen ein bezirksscharfes Vorgehen.

Anzeige

Die Brandenburger Corona-Umgangsverordnung regelt im Moment, dass Betreiber von Herbergen, Campingplätzen oder Wohnmobilstellplätzen sowie private und gewerbliche Vermieter oder Verpächter von Ferienwohnungen und Ferienhäusern und vergleichbaren Räumlichkeiten keine Gäste aufnehmen dürfen, wenn in ihrem Heimatlandkreis oder der kreisfreien Stadt ihrer Herkunft der Wert von 50 Neuinfektionen pro Woche auf 100.000 Einwohner überschritten ist.

Berliner Hot-Spots

Laut dem Robert Koch-Institut überschreiten mehrere Berliner Bezirke die kritische 50er-Marke: Friedrichshain-Kreuzberg (59,0), Mitte (57,2), Neukölln (54,2) und Tempelhof-Schöneberg (52,3). Berlins 7-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner liegt insgesamt bei 37,8.

Brandenburgs 7-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner dagegen liegt landesweit aktuell bei 8,6. Den höchsten Wert in Brandenburg hat der an Berlin grenzende Landkreis Potsdam-Mittelmark mit 17,2, den niedrigsten Wert der Landkreis Prignitz an der Elbe mit 0,0.

In Berlin und Brandenburg beginnen kommende Woche die zweiwöchigen Herbstferien.

„Ich hoffe sehr inständig, dass die Kolleginnen und Kollegen in Berlin das in den Griff bekommen“, hatte die Ministerin am Morgen im RBB-Inforadio geäußert. Sie blicke besorgt auf Berlin, sagte Nonnemacher.

Kommt die Obergrenze für private Feiern?

Die Gesundheitsministerin sieht das Risiko, dass Berliner nach den Verschärfungen der Corona-Maßnahmen in der Hauptstadt und einer neuen Obergrenze für private Feiern nach Brandenburg ausweichen könnten. „Das sollten wir auf jeden Fall verhindern, deshalb hat letzte Woche der Ministerpräsident angekündigt, dass wir diese strengeren Regeln für private Feiern auch für eine Inzidenz von 35 pro 100 000 einführen werden“, sagte Nonnemacher.

„Werte um 40 Neuinfektionen. Das ist für Brandenburg schon eine Zahl“

Auch die Entwicklung in Brandenburg gibt aus Nonnemachers Sicht Grund zur Sorge: „Im Moment haben wir ja immer noch Neuinfektionsinzidenzen im einstelligen Bereich, obwohl ich sagen muss, ich bin doch einigermaßen beunruhigt, denn auch bei uns steigt das in den letzten Tagen kräftig an“, sagte die Ministerin.

„Wir hatten jetzt Freitag, Samstag und Sonntag jedes Mal Werte um 40 Neuinfektionen. Das ist für Brandenburg schon eine Zahl, und wir merken, auch bei uns tut sich da was.“ Die Entwicklung sei auch nicht auf einzelne Städte beschränkt. „Es geht auch bei uns im ganzen Land diffus jetzt stärker zur Sache. Wir haben auch in ländlich geprägten Gebieten eine ganze Menge Fälle zu verzeichnen“, sagte Nonnemacher. „Es ist Aufmerksamkeit dringend geboten.“

Von RND/dpa und Ulrich Wangemann