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Brandenburg Hochschulen bekommen so viel Geld wie nie zuvor
Brandenburg Hochschulen bekommen so viel Geld wie nie zuvor
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01:16 24.03.2019
Bekommt dieses Jahr das meiste Geld: Universität Potsdam. Quelle: MAZ/Bernd Gartenschläger
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Potsdam

 Die acht staatlichen Hochschulen des Landes Brandenburg bekommen so viel Geld wie nie zuvor. Von 2019 bis 2023 sind es insgesamt rund 1,76 Milliarden Euro. Die Präsidenten haben am Donnerstagmorgen zusammen mit Wissenschaftsministerin Martina Münch (SPD) entsprechende Hochschulverträge unterschrieben. Die Unterschrift der amtierenden Präsidentin der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg, Christiane Hipp, muss allerdings noch nachgeholt werden.

Das Instrument der Hochschulverträge wendet das Land Brandenburg erst zum zweiten Mal an. Die ersten Hochschulverträge waren 2014 unterschrieben worden und galten bis 2018. Grundlage der Verträge, die mit jeder Hochschule einzeln geschlossen werden, ist die Hochschulrahmenvereinbarung des Landes. In ihr formuliert das Land seine Erwartungen an die Hochschulen. Die Höhe des Betrags, den eine Hochschule im Jahr erwarten kann, wird mit dem Mittelverteilungsmodell errechnet. Hier spielten zum Beispiel Studierendenzahlen, eingeworbene Forschungsprojekte und die Frauenpolitik eine Rolle. bra

Die weitaus höchste Summe wird auch dieses Jahr die größte Hochschule des Landes, die Universität Potsdam, mit rund 138,3 Millionen Euro bekommen. Die BTU Cottbus-Senftenberg darf 84, 8 Millionen Euro erwarten. Die kleinste Hochschule, die Hochschule für nachhaltige Entwicklung (HNE) in Eberswalde (Barnim), erhält 2019 nur 13,7 Millionen Euro.

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Wichtige Grundlage für eigene Projekte

Die neuen Verträge seien „eine ganz wichtige Grundlage“, die Entwicklungsziele der Hochschulen zu erfüllen, sagte Brandenburgs Wissenschaftsministerin Martina Münch (SPD) nach der Unterzeichnung. Den Einrichtungen selbst gäben sie Planungssicherheit und die Möglichkeit, eigene Projekte längerfristig zu verfolgen. Unter anderem nannte Münch den Ausbau der Weiterbildung, neue duale Studienangebote, für die alleine es jedes Jahr 1,8 Millionen Euro geben soll. Der Ausbau der Lehrerbildung an der Universität Potsdam wird das Land dieses Jahr 5,5 Millionen Euro und dann bis 2023 jährlich elf Millionen Euro kosten.

Dass die Zahl der Studienanfänger in den vergangenen Jahren eher zurückgegangen ist, obwohl zu den erklärten Zielen der Verträge auch die Stabilisierung der Studierendenzahlen gehört, beunruhigt Münch nicht. „Es ist ein relativ moderater Rückgang. Er bewegt sich im Rahmen dessen, was erwartbar ist.“ Das Land gehe davon aus, dass sich die Zahl aller Studierenden an staatlichen Einrichtungen mittelfristig bei etwa 50000 einpendeln werde. Im vergangenen Wintersemester gab es rund 47000 Studierende. Sinkende Studierendenzahlen wirken sich aber auch auf zusätzliches Geld für die Hochschulen aus dem Hochschulpakt von Bund und Ländern aus. So sollen es dieses und das kommende Jahr nur 44,6 Millionen Euro sein – 33 Millionen Euro weniger als erwartet. Das geht aus einer Antwort der Regierung auf eine Anfrage des CDU-Abgeordneten Michael Schierack hervor.

Die Hochschulvertreter wiesen darauf hin, dass die Nachfrage jeweils von den Fächern abhänge. Die Universität Potsdam muss zum Beispiel neun von zehn Bewerbern auf die knappen Studienplätze im Fach Psychologie abweisen, die Potsdamer Filmuniversität bekommt jährlich 100 Bewerbungen auf jeden einzelnen Platz im Fach Schauspiel. Dagegen könnten die Brandenburgische Technische Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg und die Technische Hochschule Brandenburg (THB) in den Naturwissenschaften oder technischen Fächern wie Informatik oft noch viel mehr Studierende aufnehmen. Gerade Frauen meiden aber solche Studiengänge, obwohl die Berufsaussichten sehr gut sind.

Die BTU Cottbus-Senftenberg, hier das Zentrum für Energietechnologie könnte gerade in technischen Fächern noch mehr Studierende vertragen. Quelle: dpa-Zentralbild

Für die Universitäten lobte der Präsident der Potsdamer Universität, Oliver Günther die Verträge. Gegenüber der katastrophalen Unterfinanzierung im Jahr 2012 habe man seit 2014 mit einer stetigen Steigerung der Ausgaben „ein deutlich erhöhtes Plateau“ erreicht. Dafür habe die Universität etwa durch Transfer von Forschungsergebnissen in die Wirtschaft dem Land auch viel zurückgegeben. „Entscheidend ist, was die nächste Landesregierung macht“, so Günther. Würde auch diese sich entscheiden, die Hochschulmittel jedes Jahr durchschnittlich um zwei Prozent zu steigern, ließen sich „neue interessante Dinge gemeinsam machen. Darauf hoffen wir“.

Auch Digitalisierung kostet Geld

„Wir sind auch sehr froh, dass wir die Hochschulverträge unterzeichnen konnten“, sagte die Präsidentin der Technischen Hochschule Brandenburg, Burghilde Wieneke-Toutaoui, stellvertretend für die Fachhochschulen. „Es ist tatsächlich eine Stabilisierung unserer Hochschulen.“ Natürlich bleibe auch noch viel zu tun. Gerade in Brandenburg an der Havel müssten zum Beispiel Labore modernisiert werden. Die Digitalisierung schließlich stelle alle Hochschulen vor finanzielle Herausforderung. Bei der Zusammenarbeit mit Unternehmen würden die Hochschulverträge aber helfen, die bisherige Strategie der THB weiter zu verfolgen. Die THB hat zum Beispiel gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsprojekte mit Firmen auch aus der Region.

Die Präsidentin der Filmuniversität Babelsberg, Susanne Stürmer, betonte, dass schon die bisherigen Steigerung der Mittel Früchte gezeitigt hätten. Sie verwies auf die neu geschaffene Kinderfilmuniversität oder die verstärkte Beschäftigung mit Ökologie auch beim Medienschaffen. Fachhochschulleiter mussten dagegen einräumen, dass sich die Möglichkeit einer Promotion auch an den Fachhochschulen doch nicht so schnell umsetzen lässt wie geplant.

Von Rüdiger Braun