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Brandenburg Land Brandenburg plant erstmals eigene Mediziner-Ausbildung
Brandenburg Land Brandenburg plant erstmals eigene Mediziner-Ausbildung
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00:23 28.04.2019
Bekommt Konkurrenz: die Medizinische Hochschule Brandenburg (MHB) in Neuruppin Quelle: Steiner
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Potsdam

Bislang hat das Land Brandenburg auf eine eigene Ausbildung von Ärzten verzichtet und dabei auf die Kooperation mit Berlin verwiesen – das soll sich nun ändern. Die Landesregierung plant, eine medizinische Fakultät in Cottbus aufzubauen. Das bestätigte am Donnerstag die Potsdamer Staatskanzlei.

Offiziell ist es das Ziel, mit einer weiteren Einrichtung die Lausitz zu stärken und zugleich etwas gegen den akuten Ärztemangel im Land zu tun. Die neue Fakultät für angehende Mediziner soll danach direkt an der Brandenburgisch-Technischen Universität (BTU) in Cottbus angebunden sein.

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Der Aufbau soll gemeinsam mit dem Bund erfolgen. Das Projekt ist Teil eines Strukturgesetzes des Bundes für die Lausitz im Zusammenhang mit dem geplanten Ausstieg aus der Braunkohle. Das ganze Paket für den Strukturwandel in der Lausitz hat ein Volumen von 18 Milliarden Euro und soll, wie es hieß, im Mai beschlossen werden.

Bislang gibt es in Brandenburg die private Medizinische Hochschule (MHB) „Theodor Fontane“ in Neuruppin und Brandenburg/Havel, die sich in kommunaler und gemeinnütziger Trägerschaft befindet und 2014 eröffnet wurde. Dort wird nun befürchtet, dass die neue Einrichtung der Hochschule Konkurrenz machen könnte.

Die Kosten für die neue Fakultät in Höhe von rund 200 Millionen Euro für den Aufbau der Einrichtung soll der Bund tragen. Die laufenden Kosten von jährlich 40 bis 50 Millionen Euro solle das Land zur Verfügung stellen. Diese Zahlen nannte am Donnerstag der Fraktionschef der Linken im Landtag, Ralf Christoffers.

Der Ärger bei Linken-Fraktionschef ist groß

Er übte wegen der Art und Weise, wie die Pläne bekannt wurden, Kritik. „Das ist schlicht und ergreifend unprofessionell“, sagte Christoffers. Er forderte, die betroffenen Parteien, Fraktionen und den Landtagsausschuss vorher darüber zu informieren. Eine solche Entscheidung habe eine Änderung der bestehenden Haushaltslandschaft zur Folge. Der Ärger bei Christoffers ist derzeit groß: Auch in die umstrittene Entscheidung des Kabinetts, das Wissenschaftsministerium 2023 nach Cottbus zu verlagern, war er nicht eingebunden und spät informiert worden.

Die neue Fakultät soll in das Konzept Gesundheitscampus Brandenburg eingebettet werden, zu dem die Universität Potsdam, die BTU und die MHB gehören. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) versicherte in einer Erklärung, dass die geplante Fakultät nicht zum Nachteil der bestehenden Medizinischen Hochschule Brandenburg (MHB) seine solle. „Im Gegenteil: Es soll alles ineinandergreifen im Interesse der medizinischen Versorgung der Bevölkerung“, so Woidke.

Unverständnis bei Kommunalpolitikern

Kritik den Plänen kommt von der kommunalen Seite und der Opposition im Landtag. Der parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Fraktion, Jan Redmann, sagte, diese Ankündigung des Ministerpräsidenten gefährde die Entwicklung der Medizinischen Hochschule Brandenburg und schwäche die Standorte Neuruppin und Brandenburg/Havel. Redmann, der auch CDU-Chef in Ostprignitz-Ruppin ist, hielt Woidke vor, diese Pläne aus wahltaktischen Erwägungen vorzunehmen. Zunächst müsse ein Konzept vorliegen, wie der Standort der MBH auf solide Füße gestellt werden könne.

Unverständnis über die Pläne äußerten auch der Landrat von Ostprignitz-Ruppin Ralf Reinhardt (SPD), der Bürgermeister von Brandenburg/Havel, Steffen Scheller (CDU) und der Bürgermeister von Neuruppin, Jens-Peter Golde (parteilos). Die Überlegung erwecke den Eindruck „eines kurzfristigen politischen Manövers unmittelbar vor der Landtagswahl“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung. Anstatt politisch kurzlebiger und durchsichtiger Versprechungen sollte die Landesregierung das Gespräch mit den Kommunen suchen, hieß es weiter. Diese würden schließlich „die erfolgreiche Ausbildung von Medizinern im Land Brandenburg betreiben“.

Gemeint ist die Medizinische Hochschule Brandenburg, an der sich aktuell rund 400 Studenten eingeschrieben haben. Das Studium ist mit hohen Studiengebühren verbunden. Die Höhe reduziert sich, wenn Studenten bereit sind, ihre Weiterbildung zum Facharzt in Partnerkliniken zu absolvieren. Zur MHB gehören drei Hochschul-Kliniken: die Ruppiner Kliniken in Neuruppin, das Städtische Klinikum Brandenburg und das Immanuel Klinikum Bernau sowie das Herzzentrum Brandenburg in Bernau.

Von Igor Göldner

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