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Brandenburg Lehrergewerkschaft: Brandenburg braucht einen Bildungsplan
Brandenburg Lehrergewerkschaft: Brandenburg braucht einen Bildungsplan
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16:42 19.11.2018
Die Gewerkschaft fordert die Einstellung von mehr als 1000 Lehrern für den Vertretungsdienst.
Die Gewerkschaft fordert die Einstellung von mehr als 1000 Lehrern für den Vertretungsdienst. Quelle: Mohssen Assanimoghaddam/dpa
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Potsdam

Mehr Personal, mehr Geld für Schulen, weniger Experimente: Die Lehrergewerkschaft GEW will mit weitreichenden bildungspolitischen Forderungen in das Superwahljahr 2019 ziehen. Der Landesvorsitzende Günther Fuchs forderte die Schaffung einer Bildungskommission, die einen „Bildungsgesamtplan“ für Brandenburg entwickeln soll, der eine kostenlose Bildung von der Kita bis zur Weiterbildung im Erwachsenenalter umfasst. „Die Politik darf nicht immer nur in Zyklen von Legislaturperioden denken, sondern muss längerfristig planen“, sagte er.

Es sei nötig, sich auf eine pädagogische Grundversorgung zu besinnen, so Fuchs. „Wenn die Schüler nicht mehr Lesen, Schreiben und Rechnen lernen, weil die Lehrer fehlen und neue ständig Experimente stattfinden, dann passt irgendwas nicht mehr zusammen.“ Fuchs war am Wochenende bei der Landesvertreterversammlung von der Gewerkschaft einstimmig wiedergewählt worden. Er steht seit 1994 an der Spitze des Landesverbands.

Zehn Prozent der Lehrer sollen Vertretungsreserve bilden

Unter anderem fordert die Gewerkschaft eine deutliche Erhöhung der Vertretungsreserve auf 10 Prozent. Das sei angesichts eines hohen Krankenstands in der Lehrerschaft dringend notwendig, so Fuchs. Derzeit liegt der Anteil des Vertretungspools an der Gesamtlehrerschaft bei drei Prozent. Das heißt: Wenn an einer Schule 100 Lehrer unterrichten, erhalten sie drei Lehrerstellen zusätzlich finanziert, um im Krankheitsfall reagieren zu können. Brandenburg müsste nach Willen der GEW also rund 1400 Lehrer zusätzlich einstellen, um den Pool aufzustocken.

Außerdem sollen Horte künftig von den Grundschulen betrieben und damit vom Land finanziert werden. Bisher sind die Kommunen für dafür zuständig. „Wenn wir Ganztagsschulen wollen, brauchen wir auch ganztägige Betreuungsangebote im Grundschulbereich“, sagte Fuchs. Es sei außerdem widersprüchlich, dass Grundschulbesuch kostenfrei sei, die Betreuung der Kinder in Horten aber über Gebühren finanziert werde.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Brandenburg, Günther Fuchs, ist seit 1994 im Amt. Quelle: Ralf Hirschberger/dpa

Dazu soll Brandenburg die Bildungsausgaben weiter erhöhen. Dabei sind die Bildungsausgaben schon heute der größte Block im Brandenburger Landeshaushalt. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) weise immer wieder darauf hin, dass die Bildungsausgaben in Deutschland zu niedrig seien.

Bildungsausgaben steigen deutlich an

Hart ins Gericht ging Fuchs auch mit dem Bildungsföderalismus, in dem Schulangelegenheiten von jedem Land unterschiedlich behandelt werden. „Diese Kleinstaaterei muss endlich aufhören“, so Fuchs. Dazu gehört für Fuchs auch eine Angleichung der Gehälter, andernfalls würden ärmere Bundesländer im Kampf um neue Lehrer das Nachsehen haben.

Das Bildungsministerium verwies darauf, dass die Bildungsausgaben in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen seien. Außerdem sei ein weiterer Ausgabenanstieg geplant: 2019 seien 2,31 Milliarden Euro, 2020 2,36 Milliarden Euro vorgesehen. 2014 waren es noch 1,58 Milliarden Euro.

Eine Erhöhung der Vertretungsreserve lehnt das Ministerium ab. Das würde zu einem erheblichen Mehrbedarf an Lehrkräften führen, hieß es. „Mit unserer Vertretungsreserve von 3 Prozent gelingt es uns, den ersatzlosen Unterrichtsausfall seit Jahren auf einem niedrigen Niveau von 1,6 bis 2,2 Prozent zu halten“, sagte Ministeriumssprecher Ralf Kotsch. „Im Schuljahr 2017/18 lag er bei 2,1 Prozent. Das ist nicht viel im Vergleich zu anderen Bundesländern.“

Brandenburg buhlt auf virtueller Messe um Lehrer

Bei der Lehrergewinnung geht das Land neue Wege: Am 20. und 21. November beteiligt sich das Bildungsministerium an der zweiten Virtuellen Karrieremesse Brandenburg. Sie wird von der Wirtschaftsförderung Brandenburg organisiert. Das Ministerium buhlt mit einem virtuellen Messestand um neue Pädagogen. Bewerber können dabei per Chat mit Vertretern des Ministeriums sprechen und ihre Bewerbungsunterlagen direkt hochladen.

„Wir brauchen engagierte Lehrkräfte besonders für Grund- und Oberschulen sowie Sonderpädagogik.“, sagte Bildungsministerin Britta Ernst (SPD). „Für Gesamtschulen und Gymnasien werden insbesondere Lehrkräfte für die Fächer Mathematik, Physik, Chemie, Informatik, Kunst und Musik gesucht.“

Von Torsten Gellner