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Brandenburg Dietmar Woidke kopiert die "Methode Platzeck“
Brandenburg Dietmar Woidke kopiert die "Methode Platzeck“
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21:47 28.04.2014
In der Küchenkulisse von Brandenburg/Havel: Dietmar Woidke (l.) mit Moderator Detlef Olle vom RBB. Quelle: Jacqueline Steiner
Brandenburg an der Havel

Dietmar Woidke steht am Saaleingang des Theaters in Brandenburg an der Havel und wartet auf seinen Auftritt. Die Regie hat ihm ein Ohrbügelmikro verpasst. Woidke spannt sich, macht sich locker. Gut 100 Zuschauer haben bereits ihre Plätze eingenommen. Dann wird es laut im Saal. Es geht los. Dietmar Woidke wird wie ein Boxer in den Ring gerufen. Mit langen Schritten nimmt der knapp Zwei-Meter-Mann Anlauf und unter Beifall geht es auf die Bühne.

Dort hat ihm seine Partei eine rot-weiße Küchenkulisse aufgebaut. Auf dem Tisch steht eine Schale mit Grünzeug und Gemüse, in der Ecke ein roter Kühlschrank, daneben der Werbeaufsteller eines örtlichen Spargelhofs. Und schon beginnt ein freundlicher Moderator mit dem Frage-Antwort-Spiel. Ein Format, das sich die SPD-Wahlkampfstrategen ausgedacht haben: ein unverfängliches Wohlfühlprogramm für ihre neue Nummer eins. Woidke mal ganz privat, nur nicht zu viel Politik. Handverlesen sind lokale Entscheidungsträger eingeladen, die den Mann aus dem südbrandenburgischen Forst kennenlernen sollen. Auf jedem Stuhl liegt ein Heftchen mit bunten Werbefotos: „Mensch Woidke“.

„Küchenkabinett“ wird die Talk-Tour genannt, mit der Dietmar Woidke derzeit durchs ganze Land zieht. Küchenkabinett? Nicht jedem im Saal erschließt sich die feine Ironie. Nur engste Vertrauten um einen Regierenden gehören dazu. Vorgänger Matthias Plat zeck hatte einen solchen berühmten Beraterzirkel. Woidke gehörte damals nicht dazu. Nun ist er selbst Chef. Einige Platzeck-Vertraute gehören nun zu seinem „Küchenkabinett“. Die Erfinder des Begriffs finden das amüsant.

Woidke spielt mit, lacht viel und scheint an seiner neuen Rolle als Entertainer Spaß zu haben. Kocht er eigentlich gern, wird er gleich zu Anfang gefragt. „Ich sage immer, ich kann gut kochen. Meine Frau sagt, ich kann kochen“ – und schon sind die ersten Lacher zu hören. Dann verrät er, dass er „hervorragend“ Kartoffelpuffer backen kann. Aber in seiner kleinen Potsdamer Zweitwohnung spätabends isst er am liebsten Eberswalder Würstchen. „Das geht am schnellsten.“

An diesem Sonnabend wird Dietmar Woidke offiziell zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl seiner Partei gekürt. Außerdem wird auf dem Parteitag in Schönwalde-Glien (Havelland) das Wahlprogramm verabschiedet. Der Doppel-Parteitag ist als „Woidke-Festspiele“ geplant. Wie damals bei Platzeck werden sich ab sofort alle Scheinwerfer der SPD auf den Mann aus Forst richten, der im vorigen August als Nachfolger auserwählt wurde. Seine Mission: Woidke soll den seit 24 Jahren andauernden Machterhalt der SPD in Brandenburg sichern helfen. Dazu muss die Partei wieder stärkste Kraft sowie CDU und Linke auf Abstand gehalten werden. Die „Marke Woidke“, so schätzen es die SPD-Strategen ein, funktioniert am besten, wenn die „Methode Platzeck“ kopiert wird, jedenfalls weitgehend.
Beispiel Wahlkampf: Der wird allein auf die Person Woidke zugeschnitten. Multiplikatoren-Runden gab es auch schon unter Plat zeck. Sie nannten sich nur „Sommergespräche“ in Zelten. Typisch auch die hochglanzigen Werbebroschüren mit netten Bildern, die scheinbar mit der Hand signiert sind. Woidkes Plauderei im „Küchenkabinett“ über seine Schulzeit („Ich war ein Querulant“) und die „Fahne“, über seine Leidenschaft für Rockmusik und englische Sprache sowie seine ersten Schritte in die Politik nach der Wende ist derzeit auch eine Art Testlauf. Die SPD will herausfinden, wie sie den Lausitzer am besten in Szene setzen kann.

  • Beispiel Ämter: Woidke ist zugleich Ministerpräsident und Parteichef. Alles in einer Hand – darauf baute sich schon Platzecks Macht auf. Dies wird in der Partei akzeptiert, wenn der Erfolg stimmt. Die SPD nannte sich in Brandenburg „Platzeck-SPD“. Auch diesen Platz soll Woidke einnehmen.
  • Beispiel Inhalte: Woidke setzt die Politik seines Vorgängers auch thematisch nahtlos fort. Der Fokus liegt auf Bildung und Sozialpolitik. Wie Platzeck betont er stets, wie wichtig „das Miteinander und der Zusammenhalt“ im Land seien.
  • Beispiel Vorbilder: Woidke hebt gern auf die märkische SPD-Ikone Regine Hildebrandt ab. Auch Platzeck hat die 2001 verstorbene einstige Sozialministerin oft zitiert.
  • Beispiel Koalitionspartner: Plat zeck wechselte 2009 zu Rot-Rot. Woidke macht derzeit keine Anstalten, daran etwas zu ändern. Die Zusammenarbeit mit den Linken läuft – bis auf kleine Ausnahmen – konfliktfrei. Offiziell wird die SPD im Wahlkampf wie immer keine Koalitionsaussage treffen.

Noch mehr als bei Platzeck soll Woidke seine brandenburgische Verwurzelung hervorheben. Vermittelt werden soll das Bild des bodenständigen Lausitzers, der es ganz nach oben geschafft hat. In Umfragen liegen Woidke und die SPD derzeit vorn. Es gibt aber Risiken, wie die Debatte um den Pannen-Flughafen BER oder bundespolitische Unsicherheiten. Woidke hielt sich anfangs beim Flughafen heraus, lehnte einen Aufsichtsratsposten ab. Doch nun holt ihn die Debatte immer häufiger ein – vermutlich auch am Sonnabend auf dem SPD-Parteitag. Innerhalb der Partei, gerade in den Anrainerkreisen, ist der Ärger groß. Woidke wird übel genommen, dass er beim Nachtflugverbot gegenüber Berlin und dem Bund nichts erreicht hat. Sorgen bereitet der SPD auch der mäßige Bundestrend. Wie in der Platzeck-Zeit hofft man, sich vom Bundestrend abzukoppeln. Allerdings liegen zwischen der Merkel-CDU und der Gabriel-SPD im Bund 16 Prozent. Das könnte auch bei Landtagswahlen abfärben.
In Woidkes Küche ist inzwischen der Überraschungsgast eingetroffen – ein fester Block der Reihe. Im Brandenburger Theater ist es Kanu-Legende Birgit Fischer, die aber nicht so genau weiß, warum sie die ganze Zeit vor der Tür warten musste. „Ich habe ja die ganze Veranstaltung verpasst“, sagt sie. Dafür erfährt sie noch die Lieblingssendung Woidkes im Fernsehen. Er schaue fast jeden Sonntag „Tatort“ und bekennt, dass er alte „Polizeirufe“ liebt – „eine Zeitreise in die DDR“. Nur gekocht wird in dieser Reihe nicht.

Das Flughafen-Thema wird auch noch angesprochen, aber nur kurz. Da wird Woidke einsilbig, spricht von der Brandschutzanlage, die noch nicht funktioniere. Das war’s, dann lächelt er in die Runde. Auch das hat er sich von Platzeck abgeschaut. Der konnte politische Problemberge einfach weglächeln. Nur zum Ende seiner Amtszeit fiel ihm das merklich schwerer. Aber Woidke ist ja erst am Anfang.

Landtagswahlen in Brandenburg und die SPD im Fokus

Landtagswahl am 19. September 2004: In den Monaten davor geriet Brandenburgs SPD mit ihrem neuen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (seit Juni 2002) erstmals seit 1990 in eine ernste Zustimmungskrise. In Umfragen liegt sie erst hinter der CDU, deren Spitzenkandidat Jörg Schönbohm schon vom Chefsessel in der Staatskanzlei träumte. Dann zieht, fünf Wochen vor der Wahl, die Linke an der SPD vorbei. Die Debatte um die von SPD-Kanzler Gerhard Schröder initiierte Hartz-IV-Reform überschattet den Wahlkampf, sorgt für emotional aufgeladene Proteste. Die SPD, die ihren Wahlkampf allein auf Matthias Platzeck zuschneidet, gerät in die Defensive. Platzeck, von allen Seiten heftig attackiert, hält trotzig dagegen („Ohne Reformen geht es nicht.“), geht auf die großen Marktplätze. Die Stimmung kippt auf der Zielgeraden – zugunsten der SPD. Strahlender Sieger wird Platzeck. Er gewinnt seine erste Landtagswahl (31,9 Prozent), vor Linke (28,0) und CDU (19,4).
Landtags- und Bundestagswahl am 27. September 2009: Die SPD setzt auf die ungebrochene Popularität von Matthias Platzeck. Er führt souverän die Umfragen an. Spannend ist nur: Wer wird Zweiter? Die Spitzenkandidatinnen Johanna Wanka (CDU) und Kerstin Kaiser (Linke) haben längst die Führungsrolle der SPD akzeptiert. Wieder macht eine Hochglanzbroschüre und die Rede von der „Ein-Mann-Partei“ die Runde. Platzeck wird seinen „Landeskindern“ nur als „Der Brandenburger“ präsentiert. Er gewinnt die Wahl mit 33 Prozent vor Linke (27,2) und CDU (19,8) – gegen den Bundestrend. Die SPD stürzt im Bund auf einen Tiefpunkt: nur 23,0 Prozent.
Landtagswahl am 14. September 2014: Die SPD tauscht ein Jahr vor der Wahl ihren Spitzenmann aus. Platzeck tritt Ende August 2013 gesundheitlich angeschlagen zurück, übergibt an seinen Innenminister und Ex-Fraktions chef Dietmar Woidke. Im September liegt die CDU bei der Bundestagswahl auch in Brandenburg überraschend deutlich vorn. Sie gewinnt, bis auf einen, alle zehn Wahlkreise und hofft auf einen ähnlichen Triumph zur Landtagswahl.

Von Igor Göldner

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