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Brandenburg Verbände unterstützen Charta für Schwerstkranke
Brandenburg Verbände unterstützen Charta für Schwerstkranke
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18:10 29.04.2019
Licht in der letzten Lebensphase: Zimmer im Hospiz. Quelle: dpa
Potsdam

„Sterben ist unsexy“, bringt es die Leiterin der Koordinierungsstelle für Hospiz- und Palliativversorgung in Deutschland, Franziska Kopitzsch, gegenüber der MAZ auf den Punkt. Das erklärt vielleicht auch, warum selbst Ärzteverbände in Brandenburg jahrelang zögerten, einen Aufruf zur Umsetzung der seit 2015 in zweiter Auflage bestehenden „Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland“ zu unterschreiben.

Großer Schritt zur Umsetzung einer Charta

Krankenhausverbände zum Beispiel sorgten sich um die öffentliche Wirkung. Patienten könnten abgeschreckt werden, wenn der Verband durch eine Unterschrift das eigentlich Offenkundige bestätigen würde: dass es in Kliniken auch oft darum geht, Sterbenden die letzte Phase ihres Lebens zu erleichtern. In Potsdam wurde jetzt ein großer Schritt zur Umsetzung der deutschen Charta unternommen. Am Montag unterschrieben 16 gesellschaft- und gesundheitspolitischen Verbände des Landes Brandenburg den Aufruf. An ihrer Spitze: Gesundheitsministerin Susanna Karawanskij (Linke).

„Das Thema gehört zu uns und zum Menschsein dazu“, sagte Karawanskij bei der Veranstaltung im Nikolaisaal. Aus den in der Charta formulierten Grundsätzen müsse jetzt politisches Handeln folgen. Die fünf Leitsätze der Charta sagen zum Beispiel auch, dass jeder schwerstkranke und sterbende Mensch ein Recht auf umfassende medizinische, pflegerische psychosoziale und spirituelle Betreuung hat. „Im Flächenland Brandenburg ist das eine Besondere Herausforderung“, so Karawanskij. Die schon bestehenden Angebote müssten bekannter werden, forderte die Ministerin. Mit ihrer Unterschrift bestätigte Brandenburg den bereits 2010 erfolgten Beitritt zur ersten Fassung der Charta.

Potsdam unterzeichnet als erste Kommune

Die Landeshauptstadt Potsdam war am Montag die erste Brandenburgische Kommune, die unterzeichnete. Bürgermeister Burkhard Exner (SPD) sagte, in Potsdam sei schon jetzt eine gute Vernetzung verschiedener Akteure erreicht. In Potsdam gibt es zum Beispiel ein von der Hoffbauer-Stiftung getragenes Hospiz. Außerdem hat das Ernst-von-Bergmann-Klinikum eine Palliativstation.

Zu den Unterzeichnern gehört auch Katharina Graffmann-Weschke, die als Leiterin der AOK Pflegeakademie für die AOK Nordost unterschrieben hat. Das Thema sei auch für die AOK nicht neu. „Wir haben an der Pflegeakademie schon vor zwei Jahren zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin ein Curriculum für die Mitarbeiter von Pflegestützpunkten entwickelt“ sagt sie. Gerade werde ein neuer Kurs für pflegende Angehörige mit dem Titel „Abschied nehmen“ vorbereitet. Graffmann-Weschke sieht in ihrer Unterschrift vor allem eine Bestätigung, wie wichtig die Begleitung Sterbender ist. „Die Dinge bekommen ein Ausrufezeichen.“

Derzeit gibt es in Brandenburg 27 Hospizdienste, sechs Kinder- und Jugendhospizdienste und neun stationäre Hospize. Sie werden von der Landesarbeitsgruppe (LAG) Hospiz Brandenburg getragen. Dessen Vorstandsmitglied Christian Schirmer machte in seiner Ansprache deutlich, dass der Bedarf damit längst nicht gedeckt ist. Der demografische Wandel mit den vielen alten Menschen sei eine besondere Herausforderung. Gerade im ländlichen Raum sei es oftmals Glücksfall, als Schwerstkranker angemessen versorgt zu werden. Noch schwerer wiege ein anderer Aspekt: „Die Kinder- und Jugendpalliativversorgung existiert praktisch bis auf wenige Ausnahmen nicht“, so Schirmer. So gibt es in Brandenburg kein Kinderhospiz. Auch die Zahl der 1500 Ehrenamtllichen, die für die Hospiz in Brandenburg tätig sind, sei im Ländervergleich ein relativ geringer Anteil.

Von Rüdiger Braun

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