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Brandenburg Landestierarzt: Die Schweinepest kann jeden Tag ausbrechen
Brandenburg Landestierarzt: Die Schweinepest kann jeden Tag ausbrechen
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13:59 26.10.2018
Wildschweine sind in Brandenburgs Wäldern weit verbreitet. Quelle: Carsten Rehder/dpa
Potsdam

Die Gefahr, dass in Brandenburg die Tierseuche Afrikanische Schweinepest (ASP) ausbricht, ist unverändert hoch: „Wir müssen jederzeit mit dem Ausbruch rechnen, das kann jeden Tag passieren“, sagte Landestierarzt Stephan Nickisch am Freitag in Potsdam. „Man kann nicht sagen, wann Brandenburg, Deutschland oder ein anderes Bundesland betroffen sein wird. Wir wissen es nicht. Das hängt von sehr vielen Faktoren ab.“

Brandenburg habe verschiedene Maßnahmen geplant, um im Falle eines Ausbruchs rasch reagieren zu können, sagte Verbraucherminister Stefan Ludwig (Linke). „Wir haben die Landkreise und Städte mit Übungen sensibilisiert. Brandenburg ist vorbereitet.“

So habe das Land gemeinsam mit dem Landesforstbetrieb Zäune und Kadavertonnen angeschafft, um bei einem Fund eines verseuchten Tieres eine Kernzone abriegeln zu können. Dadurch soll die Ausbreitung und vor allem das Übergreifen auf Hausschweinbestände verhindert werden. In der sogenannten Kernzone müsse der Schwarzwildbestand „auf Null reduziert werden“, erklärte Nickisch. Jäger sollten dann eine Prämie erhalten, um die Jagd in der betroffenen Zone zu intensivieren. Wie hoch der finanzielle Anreiz im Fall des Falles sein soll, wollte Nickisch auf Nachfrage nicht sagen.

Hohe Wildschweinpopulation

„Wir haben eine sehr hohe Schwarzwildpopulation“, erklärte der Veterinär. In der vergangenen Saison seien sehr viel mehr Wildschweine geschossen worden. „Das heißt aber nicht, dass wir die Population nachhaltig reduziert hätten.“ Die Futterbedingungen seien durch große Eichelvorkommen in den Wäldern derzeit sehr hoch.

Um eine Kernzone mit einem Radius von drei bis vier Kilometer um den Fundort soll desweiteren eine sogenannte Restriktionszone geschaffen werden, die unter intensiver Beobachtung stehen soll. Dazu hat das Land auch Drohnen angeschafft, die mit Hilfe von Wärmebildkameras Tiere ausfindig machen soll. Schließlich sieht der Maßnahmeplan im Fall eines Ausbruchs noch eine sogenannte Pufferzone vor – also Übergang zwischen einem gefährdeten und ungefährdeten Gebiet.

Übertragung über Essensabfälle

Vor allem in Osteuropa ist die Tierseuche wiederholt aufgetreten, so etwa rund um das Donaudelta in Rumänien. Aber auch auf bulgarischer Seite wurde das Virus Anfang September nachgewiesen. Ende Juli hatte die bulgarische Regierung mit der Errichtung eines mehr als 130 Kilometer langen Schutzzaunes entlang der Grenze zu Rumänien begonnen.

Vor wenigen Wochen hatte auch Belgien den Fund eines infizierten Wildschweines gemeldet. Es war in der Nähe eines Rastplatzes tot aufgefunden worden. Das legt die Vermutung nahe, dass das Tier sich über kontaminierte Essensreste angesteckt hat. In Rohwurstwaren wie Salami oder Schinken könne der Erreger, der für Menschen und andere Tiere ungefährlich ist, über weite Strecken transportiert werden, warnte Nickisch. Derlei kontaminierte Wurst stamme wahrscheinlich aus einer traditionellen Hausschlachtung, die in Osteuropa noch häufig verbreitet sei und keinen strengen Lebensmittelkontrollen unterliege. Die Bundesregierung warnt derzeit auch Reisende, mitgebrachte Wurstwaren aus der Region nicht unachtsam am Straßenrand wegzuwerfen.

Exportwirtschaft wäre in Gefahr

Ein Ausbruch der Krankheit würde insbesondere die Landwirtschafts- und Fleischindustrie hart treffen. 2017 lag der Selbstversorgungsgrad beim Schweinefleisch bei 120,4 Prozent. Das heißt: Deutschland produziert deutlich mehr Fleisch als die Verbraucher hierzulande konsumieren. Der Überschuss wuchs in den vergangenen Jahren stetig an. Entsprechend hoch ist die Exportquote. Laut dem Fleischatlas, der vom Bund für Umwelt und Naturschutz erstellt wird, hat sich der Export von Milch- und Fleischprodukten nach China seit der Jahrtausendwende verdreißigfacht.

Dieser Markt würde schlagartig wegbrechen, wenn in Deutschland der Erreger ausbrechen würde. Denn China importiert nur Schweinefleisch aus Märkten, die ASP-frei sind. Selbst wenn der Erreger nur ganz lokal aufträte und gar nicht auf Hausschweinbestände übergegangen wäre, träte der Exportstopp in Kraft. „Wir können nur mit Fleischwaren handeln, die definitiv nicht im Risikobereich sind. Deutsches Schweinefleisch wäre nach einem Ausbruch in Deutschland nicht mehr verkehrsfähig“, sagte Verbraucherminister Ludwig. Sollte es soweit kommen, müsse man über „marktstützende Maßnahmen“ seitens der EU nachdenken. Innerhalb der Europäischen Union wäre ein Handel mit Schweinefleisch allerdings weiter erlaubt.

Von Torsten Gellner

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