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Brandenburg Das waren die größten Kriminalfälle des Jahres in Brandenburg – Teil 1
Brandenburg Das waren die größten Kriminalfälle des Jahres in Brandenburg – Teil 1
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16:58 25.12.2019
Die Brandenburger Justiz musste sich im Laufe des Jahres 2019 mit ganz unterschiedlichen Straftaten befassen. (Archivbild) Quelle: Julian Stähle
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Potsdam

Die Brandenburger Justiz musste sich im Laufe des Jahres 2019 mit ganz unterschiedlichen Straftaten befassen. Manche Täter beschäftigen Polizei, Staatsanwaltschaft und Gerichte schon seit Jahren, andere Taten haben sich erst in diesem Jahr ereignet. Wir haben die wichtigsten Fälle für Sie zusammengefasst, sortiert nach Region:

Rekord-Drogenfund auf der A12

Es war der wohl größte Drogenfund in Deutschland überhaupt: Fahnder stellten im Juni auf der A12 zwischen polnischer Grenze und Berlin 670 Kilogramm Heroin sicher.Sie hatten die Drogen auf einem Lkw aus Kirgistan entdeckt, der auf dem Weg nach Belgien war. Der Fahrer kam in Untersuchungshaft.

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Potsdam und Umgebung

Vermisstenfall Britney aus Potsdam

Gedenkstätte für tote Britney. Quelle: Rainer Schüler

Die 15-jährige Schülerin Britney verschwand im Oktober spurlos. Tagelang suchten Polizisten nach ihr mit Tauchern, einem Helikopter, einer Drohne und einem Spürhund an der Neuen Fahrt, einem Arm der Havel, wo Passanten persönliche Sachen des Mädchens auf einer kleinen Ufermauer gefunden hatten.

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Eine Woche nach ihrem Verschwinden entdeckte ein Angler dann eine tote Frau in der Havel. Wenig später stand fest: Bei der Toten handelt es sich um Britney. Die Todesursache ist bis heute unbekannt, offenbar ist die 15-Jährige aber nicht Opfer einer Straftat geworden.

Mann aus Werder erschießt Nachbar mit Schrotflinte

Der Angeklagte und sein Verteidiger beim Prozessauftakt im August. Quelle: Bernd Gartenschläger

Andreas E. (60) aus Werder hat im Februar seinen Nachbarn (58) mit einer Schrotflinte erschossen. Die beiden Männer waren zuvor immer wieder aneinander geraten. Am Tattag stritten sie über die beiden Hunde, die E.s Lebensgefährtin mit in die Nachbarschaft gebracht hatte, die dort aber nicht erwünscht waren.

In der Gerichtsverhandlung ging es vor allem um die Frage, ob es sich bei der Tat um Mord oder Totschlag handelt. Die Staatsanwaltschaft klagte Mord an, forderte lebenslange Haft, die Verteidigung plädierte auf Totschlag.

Das Gericht sah einen minderschweren Fall des Totschlags und verurteilte Andreas E. im November zu sechs Jahren Gefängnis. Zudem kommt der seit Jahren alkoholkranke Mann in eine Suchtklinik. Gegen dieses Urteil hat die Staatsanwaltschaft Revision eingelegt.

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Brutaler Überfall auf eine Familie am Jungfernsee

Im April 2019 fiel am Potsdamer Landgericht das Urteil gegen vier Berliner, die in einer Sommernacht 2017 eine Familie in ihrem Haus am Jungfernsee überfallen hatten. Auf der Suche nach Bargeld schreckten sie die schlafende Familie auf – und gingen brutal gegen die Eltern und ihre Kinder vor.

Die 2. Große Strafkammer des Landgerichts verurteilte die beiden Haupttäter Jorge H. (23) und John R. (26) zu langen FreiheitsstrafenH. zu neun Jahren und sechs Monaten, R. zu acht Jahren und sechs Monaten. Sie haben sich laut Gericht der besonders schweren räuberischen Erpressung in Tateinheit mit erpresserischem Menschenraub und gefährlicher Körperverletzung schuldig gemacht.

Der Drahtzieher des Überfalls, Florian G. (32), kassierte fünf Jahre wegen räuberischer Erpressung. Der vierte im Bunde, Nico N. (25), wurde – wie von allen Prozessbeteiligten beantragt – freigesprochen. Die drei Männer, die zu Haftstrafen verurteilt wurden, haben Revision beantragt.

Lesen Sie dazu auch: Täter schieben sich einander die Schuld zu

Spezialkräfte überwältigen Mann in Michendorf

Wegen des Polizeieinsatzes auf dem Rastplatz war die A10 vollgesperrt. Quelle: Julian Stähle

Ein Mann drohte in einer Oktobernacht auf dem Rastplatz Michendorf an der A 10, eine Waffe und Sprengstoff einzusetzen. Spezialkräfte der Polizei haben ihn schließlich angeschossen, um ihn zu überwältigen.

Der 23 Jahre alte Mann wurde in eine Psychatrie gebracht, da er laut Staatsanwaltschaft eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellte. Ein politisches Motiv schlossen die Ermittler aus.

Mann bei Fahrzeugkontrolle auf der A10 erschossen

Polizisten an der Anschlussstelle Hellersdorf auf der A10 nordöstlich von Berlin. Bei einer Fahrzeugkontrolle war am 11. September ein Mann durch Schüsse von Beamten tödlich verletzt worden. Quelle: Christopher Harms/dpa

Bei einer Kontrolle haben Polizisten im September auf der Autobahn 10 nordöstlich von Berlin einen Mann erschossen, der kurz zuvor in Polen eine junge Frau getötet haben soll.

Die Polizisten waren auf das Fahrzeug des Mannes aufmerksam geworden, weil das Kennzeichen zur Fahndung ausgeschrieben war. Sie stoppten den Wagen. Der Fahrer habe dann nach Polizeiangaben mit einer Waffe auf die Beamten gezielt. Beide Beamte hätten daraufhin mehrfach auf den Mann geschossen und ihn tödlich verletzt. Ein Behördensprecher sagte, man gehe von „einer gerechtfertigten Schussabgabe durch die Polizei aus“.

Lesen Sie dazu auch: Nach tödlichen Schüssen auf A10: Beamte noch nicht wieder im Dienst

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Brandenburg/Havel

Ein Mädchen verhindert mit Notruf den Mord an der Mutter

Marco F. hat in einer April-Nacht im gemeinsamen Haus auf seine schlafende Partnerin eingestochen – mit mehren Messern, immer wieder. Sie hatte ihm zuvor eröffnet, dass sie sich von ihm trennen will. Zum Tatzeitpunkt ebenfalls im Haus: die beiden Kinder des Paares. die neunjährige Tochter wird Zeugin des brutalen Angriffs, ruft die Polizei.

Das schnelle Eintreffen der Beamten und sofortige Erste Hilfe sowie eine zehnstündige Notoperation retteten der Frau das Leben. Marco F. steht seit dem 9. Dezember wegen versuchten Mordes vor dem Potsdamer Landgericht. Das Urteil wird im Februar erwartet.

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Eltern finden Tochter tot in deren Wohnung

Eine 26-Jährige wurde Anfang August tot in ihrer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus in Brandenburg/Havel gefunden. Die Mutter und der Stiefvater haben die Leiche in der Küche der Wohnung entdeckt. Der Freund der jungen Frau war indes nicht auffindbar. Die Polizei leitete Fahndungsmaßnahmen ein.

Wenige Tage später meldete die Polizei: Maximilian B., hat gestanden, seine Freundin getötet zu haben. Er habe dabei unter dem Einfluss von Drogen gestanden.

Paketbote unterschlägt knapp 1000 Pakete

Versandbote unterschlägt hunderte Pakete und Warensendungen. Polizei pakete Bote So fand die Polizei die unterschlagenen Pakete in einem der Verstecke vor. Quelle: Polizei Brandenburg

Sein Job war es, Pakete auszuliefern. Stattdessen hortete er Hunderte von ihnen. Ein Hermes-Bote musste sich im Sommer unter anderem Wegen Verletzung des Post- und Fernmeldegeheimnisses vor dem Amtsgericht in Brandenburg/Havel verantworten. Die Anklage ging von 929 Paketen aus. Das sei laut Gericht allerdings „nur die Spitze des Eisbergs“. Zudem war ihm vorgeworfen worden, seine Freundin verprügelt und reichlich Drogen besessen zu haben.

Das alles führte unterm Strich zu einer Gefängnisstrafe ohne Bewährung für den 36-Jährigen. Mit diesem Urteil wollte er sich aber nicht zufrieden geben. Die Berufungsverhandlung fand am Landgericht Potsdam statt. Mitte Dezember wurde das Urteil des Brandenburger Schöffenberichts bestätigt.

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Notorischer Brandstifter muss erneut ins Gefängnis

Marcus E. aus Brandenburg/Havel muss acht Jahre ins Gefängnis. Das Potsdamer Landgericht schickte den notorischen Brandstifter Ende November für acht Jahre in Haft. Für den 37-Jährigen ist es nicht die erste Gefängnisstrafe. Dieses Mal wechselt er nach Ende der Haftzeit allerdings in Sicherungsverwahrung.

Erst im Dezember 2017 war Marcus E. freigekommen, nachdem er seine jüngste Haftstrafe wegen Brandstiftung abgesessen hatte. Im Jahr 2018 hat er nach Überzeugung des Gerichts dann jedoch weiter gezündelt.

Noch mehr Kriminalfälle des Jahres lesen Sie in Kürze auf MAZ Online.

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Von Stephanie Philipp