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Wahlkreis 61 U-18-Wahl in Potsdam
Brandenburg Bundestagswahl 2017 Wahlkreis 61 U-18-Wahl in Potsdam
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10:30 18.09.2013
Zweitstimmen in Prozent (Ungültig: 2,7%)
Zweitstimmen in Prozent (Ungültig: 2,7%) Quelle: Bleinagel/ Stadtjugendring Potsam
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Der Stadtjugendring hat am Montag die offiziellen Ergebnisse der U-18-Wahl in Potsdam präsentiert. Der Stadtjugendring hatte die fiktive Bundestagswahl für Kinder und Jugendliche in der Landeshauptstadt seit Jahresbeginn koordiniert und am vergangenen Freitag durchgeführt. Die Besonderheit in Potsdam: Auch die Direktkandidaten standen auf den Stimmzetteln. „Das finden wir spannender und echter als nur die Parteien abzufragen, weil es die Leute sind, die vor Ort für ihre Ideen kämpfen und die Jugendlichen kennen sie von den Plakaten“, sagte Manuela Neels vom Kinder- und Jugendbüro der MAZ. Die Wahlergebnisse erstaunten die Pädagogin.

Die Kreuze der 1317 jungen Wählern verteilten sich auf die Zweitstimmen wie folgt: Klarer Sieger war die CDU mit 430 Stimmen (32,65 Prozent), vor den Grünen mit 217 Stimmen (16,48 Prozent), der SPD mit 211 Stimmen (16,02 Prozent), den Piraten mit 144 Stimmen (10,93 Prozent) und den Linken mit 137 Stimmen (10,40 Prozent). Die FDP hätte mit 57 Stimmen und 4,33 Prozent Zustimmung die Fünfprozenthürde verfehlt. 37 Stimmen (2,81 Prozent) entfielen auf die AfD, 24 Kreuze (1,82 Prozent) erhielt die NPD; insgesamt 36 Wahlzettel (2,73 Prozent) waren ungültig.
 

DIE MAZ-JUGENDREPORTER FRAGTEN DIE DIREKTKANDIDATEN: WAS WÜRDEN SIE FÜR JUGENDLICHE TUN?

Katherina Reiche (CDU) : „Wir brauchen gute Schulen, vergleichbare Abschlüsse, mehr Lehrer in Brandenburg und ein deutschlandweites Abitur. Die große Beteiligung an der U-18-Wahl hat gezeigt, dass junge Menschen politisch interessiert sind. Ich bedanke mich für eine Zustimmung von 41 Prozent. Das hat mich sehr gefreut.“
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 Andrea Wicklein (SPD) : „Ich will, dass mehr Geld für Bildung und für Jugendprojekte zur Verfügung gestellt wird. Jetzt ist dem Bund untersagt, den Ländern Geld für Bildung und Hochschulen zu geben. Das kann nicht sein! Denn gute und gleichberechtigte Bildung ist das Fundament für Teilhabe an Gesellschaft und Demokratie. Das Wahlalter bei Bundestagswahlen sollte auf 16 gesenkt werden. “
 Annalena Baerbock (Grüne) : „Wir müssen Jugendliche stärker direkt beteiligen. Ich finde wichtig, dass junge Menschen schon mit 16 Jahren ihre Stimme bei Bundestagswahlen abgeben können. Ein gesetzlicher Mindestlohn ist auch für junge Leute wichtig. Ich will mehr Geld für gute Schulen bereitstellen, insbesondere für Ganztagsschulen.“
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Norbert Müller (Linke) : „ Wir wollen als Erstes aus dem Grundgesetz streichen, dass es dem Bund verbietet auch armen Bundesländern bei der Bildung finanziell zu helfen. Für gute Schulen und Hochschulen braucht es deutlich mehr Mittel für Personal. Wir wollen Leiharbeit verbieten und Werkverträge für reguläre Arbeit ausschließen. Und längst überfällig: Das BaFöG soll erhöht werden.“
 Cornelius Everding (Piraten) : „Eine Forderung von mir persönlich sind Debattierclubs. Zu lernen, wie man für seine eigene Meinung mit Argumenten einsteht. Der Bundespräsident könnte einmal im Jahr einen Preis verleihen. Inklusion muss weiter vorangebracht werden. Da wir nicht wissen, wer morgen der Schwache ist.“
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Jacqueline Krüger (FDP) : „Jede Schulform sollte ihre Berechtigung haben, da Kinder alle unterschiedliche praktische Veranlagungen haben. Manchen liegt die Theorie mehr. Jeder sollte die Förderung bekommen, die er braucht, egal durch welche Schulform. Bildung liegt jedem im Blut, ich kenne keinen, der sich nicht ständig weiterbilden möchte. “

Die Stimmen auf die Wahlkreiskandidaten verteilen sich anders als auf ihre Parteien, auch wenn Katherina Reiche (CDU) mit 450 Stimmen 40,50 Prozent Zuspruch erhielt – die deutliche Mehrheit. Die zweitmeisten Stimmen bekam mit 17,28 Prozent Andrea Wicklein (SPD) vor Annalena Baerbock (Grüne) mit 13,59 Prozent, Norbert Müller (Linke) mit 10,53 Prozent, Cornelius Everding (Piraten) mit 8,01 Prozent und Jacqueline Krüger (FDP) mit 3,42 Prozent.

Erstimmen in Prozent (Ungültig: 3,4 Prozent) Quelle: Bleinagel/ Stadtjugendring Potsdam

„Ich war selbst überrascht, dass Jugendliche so konservativ wählen“, sagte Manuela Neels. Ihre Kollegin Katja Altenburg sagte, dass Werte wie Heimat, Sicherheit und Ordnung derzeit sehr hoch im Kurs stünden. „Das lässt sich erklären, weil sich Jugendliche gegenüber den Eltern nicht mehr so stark abgrenzen müssen. Auch, weil viele verschiedene Lebensentwürfe inzwischen gesellschaftlich akzeptiert sind“, so Altenburg.

Bei den vielen Unsicherheitsfaktoren, wie etwa der großen Auswahl an Möglichkeiten und dem daraus resultierenden Druck für die Zeit nach der Schule, hätten junge Menschen den „Wunsch nach einfachen Erklärungsmodellen“. Acht Jahre mit der CDU würden sie schon kennen, genau wie die Kanzlerin Angela Merkel – und deshalb wiederwählen. Politisch, so die Mitarbeiterin des Stadtjugendrings Potsdam, informieren sich Jugendliche in erster Linie übers Fernsehen. Erst dann übers Internet.

Wählen wie die Großen

  • Die U-18 -Wahl ist ein Projekt der politischen Bildung. Es wird bundesweit durchgeführt vom Netzwerk U18, dem unter anderem das Deutsche Kinderhilfswerk und viele Jugendverbände angehören.
  • Die Idee zur U-18-Wahl entstand 1996. Dieses Jahr findet der Urnengang zum achten Mal statt.
  • Wählen dürfen alle Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Ein Mindestalter existiert nicht.
  • Die Stimmzettel sehen aus wie die der offiziellen Bundestagswahl.
  • Bundesweit gibt es 1515 Wahllokale.

Die bundesweite U-18-Wahl, das ist Manuela Neels wichtig zu sagen, „ist und bleibt eine fiktive Wahl“. Die Ergebnisse seien nicht repräsentativ, die Aktion aber ein „gutes pädagogisches Mittel“, um Jugendlichen Politik nahezubringen und sie dafür zu interessieren. Manuela Neels sagt: „Den Wahlkreis 61 erklären ist auch für Erwachsene kompliziert.“ Mit bunten Schautafeln und Infomaterial tourte der Jugendhilfeträger in den letzten Wochen mit acht Helfern zu Jugendorten in der Stadt. Katja Altenburg ist ein Siebtklässler in Erinnerung geblieben, der energisch über Mindestlöhne diskutierte. Das Vorwissen der Schüler sei sehr verschieden gewesen.

Elf Wahllokale hatte der Stadtjugendring in der Landeshauptstadt eingerichtet, unter anderem in einer Grundschule, vier weiterführenden Schulen und den Jugendclubs RibbeckEck, j.w.d Lindenpark, HEK, clubmitte und dem Projektladen Drewitz „Oskar“. Außerdem waren die Wildwuchs-Streetworker mit einem umgebauten Bus als mobilem Wahllokal in Potsdam unterwegs. „U18 heißt für uns, dass wählen eine Form der Beteiligung ist“, sagt Manuela Neels. Die Wahlsimulation soll angehenden Erstwählern zeigen, was in der Wahlkabine passiert.

Die Direktkandidaten im Wahlkreis 61

Wie binden die Direktkandidaten junge Menschen politisch ein? Waren sie schon als Jugendliche politisch?

Ausführliche Interviews mit ihnen gibt es unter www.maz-online.de/wahl2013

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