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Brandenburg CDU-Spitzenkandidat ohne Rückendeckung
Brandenburg CDU-Spitzenkandidat ohne Rückendeckung
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00:21 19.06.2019
15.06.2019, Berlin: Ingo Senftleben (CDU), Fraktionsvorsitzender im Landtag von Brandenburg, hat die Wahl zum Listenplatz 1 als Spitzenkandidat gewonnen. Foto: Annette Riedl/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Quelle: Annette Riedl/dpa
Potsdam

Beim Start in diesen Parteitag war alles noch im Lot. Die Stuhlreihen in der Metropolis-Halle in Potsdam waren tipptopp ausgerichtet. Ingo Senftleben wartete mit seinem Gast schon am Eingang auf den Einmarsch. Dann setzte die Musik ein: „Ich liebe jede Stunde“ sang Senftlebens Lieblings-Ostrock-Band Karat. Fast untergehakt schritten Senftleben und Daniel Günther, der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, unter herzlichem Beifall in den Saal.

Es sollte ein Zeichen an die Delegierten sein, dass das, was Günther 2017 gelang, auch in Brandenburg möglich ist: In schier unmöglicher Lage gegen einen scheinbar übermächtigen Gegner das Ruder im letzten Moment noch herumzureißen.

„Bock auf Brandenburg

Diesen Schwung nutzte Senftleben für seine Rede, die er frei vortrug. Nicht am Pult, sondern locker auf der Bühne auf- und abgehend. „Ich habe Bock auf Brandenburg und ich habe Bock auf unsere Mannschaft“, rief der 44-Jährige, der vor vier Jahren den Vorsitz der einst so zerstrittenen Partei übernommen hatte. Und er warb für seine Mannschaft auf der Landesliste, eine „bunte Truppe“, wie er sagte, schließlich sei die CDU ja auch eine bunte Volkspartei.

Da ahnte Senftleben noch nicht, dass im Saal viele saßen, die so viel Buntes nicht wollten und denen ein solcher Kurs suspekt ist. Die diesen Ansatz, zu dem auch mehr Frauen für die neue Fraktion und eine gleichberechtigte Präsenz aller Kreisverbände gehört, ob groß oder klein, vom Grundsatz nicht mittragen wollten. Intern hatten sich Kreisverbände längst verabredet, Senftlebens Liste – seine Liste, wie er immer betonte – so nicht mittragen zu wollen.

Die zerpflückte Liste

Senftleben erlebte dann die wohl bittersten Stunden seiner Amtszeit. Seine Partei, die er hinter sich wähnte und von der er sich im besten Fall Festspiele bei seiner Kür zum Woidke-Herausforderer erhoffte, erteilte ihm eine Ohrfeige nach der anderen und zerpflückte seine mit äußerster Sorgfalt geschmiedete Landesliste. Die hatte er vor einer Woche den Kreisvorsitzenden zwar präsentiert, aber sie nicht vorher abgestimmt.

Ingo Senftleben (l.), Fraktionsvorsitzender der Brandenburger CDU, und Daniel Günther (CDU), Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, bei der Landesvertreterversammlung zur Aufstellung der Landesliste für den Landtag. Quelle: Annette Riedl/dpa

Die Junge Union rebelliert

Als dann über die einzelnen Listenplätze abgestimmt wurden, breitete sich eine seltsame Stimmung im Saal aus. Die einen saßen kopfschüttelnd da, da sie niemals geglaubt hätten, dass sich die Partei eine solche Selbstdemontage leisten würde, die an alte, überwunden geglaubte Zeiten erinnerte. Andere triumphierten, weil sie erneut Senftlebens Liste erfolgreich torpediert hatten. Und am Rande machte sich ein ganzer Trupp von Jungen Unionisten (JU) mit einheitlichen schwarzen T-Shirts lautstark gegen Senftleben bemerkbar.

Als JU-Landeschef Julian Brüning – von Senftleben auf einen hinteren Listenplatz gesetzt – ausgerechnet den Platz 7 attackierte, auf dem CDU-Urgestein Dieter Dombrowski vorgesehen war, trauten einige im Saal ihren Augen nicht. Was zuvor schon auf Platz 4 und 6 gelang, ging auch bei Brüning auf. Der 24-Jährige setzte sich gegen den 67-jährigen Dombrowski klar durch und schickte ihn unsanft in den politischen Ruhestand. Später versuchte es der Landtagsvizepräsident noch einmal auf Platz 20, doch auch da scheiterte er – ein Spitzenpolitiker, der seit 1990 in der CDU alle Höhen und vor allem Tiefen an vorderster Front miterlebt hatte. „Das Zeichen nach außen ist fatal“, sagte er nach seiner Niederlage nur und versuchte, sich die Enttäuschung nicht anmerken zu lassen.

Ein Entmachteter sammelt seine Truppen

Im Nachhinein erwies sich die Personalie Frank Bommert als ausschlaggebend für vieles, was dann passierte. Der altgediente Landtagsabgeordnete aus Oberhavel, bisher für Mittelstand und Handwerk zuständig, wurde auf den aussichtslosen Platz 25 gesetzt. Senftleben wollte einen Wechsel, andere Akzente setzen und das Themenfeld Wirtschaft einer Neueinsteigerin übertragen: Annett Polle, Chefin der Mittelbrandenburgischen Sparkasse in Fürstenberg. Doch Bommert sammelte seine Truppen. Und griff den Platz 4 der Liste an – mit Erfolg. In seiner Rede griff Bommert Senftleben direkt an, kritisierte dessen Aussage, eine Koalition mit den Linken nicht auszuschließen. „Ich kämpfe für diese CDU mit aller Kraft, aber nicht zusammen mit der Linkspartei“, rief Bommert und gewann gegen die Vize-Landeschefin Karin Lehmann, die Kreissportchefin in Fürstenwalde ist. Nach ihr scheiterten auch Annett Polle auf Platz 6 (gegen den Rüdersdorfer Bürgermeister André Schaller) und Anja Schmollack auf Platz 19 (gegen Franz Herbert Schäfer aus Groß Kreutz).

CDU-Chef: „Habe Partei viel zugemutet“

Keine Probleme hatten dagegen derzeitige Abgeordnete auf der Liste, die keine Gegenkandidaten hatten oder sich wie der Rechtspolitiker Danny Eichelbaum (Platz 14) gegen Konkurrenten durchsetzten. Aufsteigerin ist Kristy Augustin aus Märkisch-Oderland, die auf Platz 2 kam. Unter den ersten 15 sind auch Generalsekretär Steeven Bretz (3), Gordon Hoffmann (5), Saskia Ludwig (8), Jan Redmann (9), Barbara Richstein (10), Rainer Genilke (11), Ex-Landeschefin Michael Schierack (12) und Innenpolitiker Björn Lakenmacher (15).

Senftleben war zwar enttäuscht über den Verlauf des Parteitags, der so gut begann, wirkte aber nicht gänzlich niedergeschlagen. „Ja, ich hätte wohl mit einem anderen Votum mehr Rückenwind. Aber das ist jetzt so.“ Er habe der Partei ja auch einiges zugemutet, räumte er ein. Er akzeptiere die Wahlergebnisse und werde weiter für mehr Frauen in der CDU kämpfen.

Von Igor Göldner

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