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Brandenburg Café, Oder, Aue: Botschafter für den Nationalpark Unteres Odertal
Brandenburg Café, Oder, Aue: Botschafter für den Nationalpark Unteres Odertal
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14:18 26.10.2019
Jennifer Clarke und Mike Nass in ihrer Küche neben dem Schild Partner vom Nationalpark Unteres Odertal. Quelle: Patrick Pleul/dpa
Criewen

Wo sich Fuchs und Hase sprichwörtlich „Gute Nacht“ sagen, betreiben Jennifer Clarke und Mike Nass seit zwei Jahren ihr Fahrradcafé mit Werkstatt und Verleih. Darum heißt es auch so. Unweit des Oder-Neiße-Radweges mitten im Nationalpark Unteres Odertal ist „Fuchs und Hase“ auf einem alten Betonwerksgelände in Stolpe (Uckermark) ein Treffpunkt für Wochen­end-Ausflügler, Wandergruppen und Radtouristen. Von der großen Terrasse aus bietet sich ein weiter Blick in die charakteristische Auenlandschaft, um die Clarke und Nass von vielen beneidet werden. Doch sie tun auch etwas dafür.

„Partner des Nationalparks“ steht seit kurzem in blauer Schrift auf einer Emailleplakette am Eingang des Cafés. „Wo Nationalpark drauf steht, sollte auch Nationalpark drin sein“, erklärt Fahrradmechaniker Nass als Reaktion auf fragende Blicke von Besuchern. Der gebürtige Schwedter hat auf den Polderwiesen der Oder seine Kindheit verbracht. „Ich erinnere mich an die Artenvielfalt, die ich als Junge schon bestaunte, bin mit der Natur hier verbunden und die bringt uns Besucher und Kundschaft“, sagt er.

Blick vom polnischen Ufer des Grenzflusses Oder auf den herbstlichen Nationalpark Unteres Odertal nahe Schwedt. Quelle: Patrick Pleul/dpa

Kulinarisches aus regionalen Zutaten

Die gelernte irische Köchin Clarke, die er in Berlin kennen und lieben gelernt hat, verwöhnt ihre Gäste mit Selbstgebackenem und selbst gemachten Desserts sowie Herzhaftem. Sie verwendet dafür Zutaten lokaler Produzenten: Der Käse stammt vom Ökohof „Stolze Kuh“, das Fleisch für die Bratwurst von Auerochsen, die auf den Nationalparkwiesen weiden.

„Zum Lifestyle der Radfahrer gehört eben auch gesundes Essen“, sagt die 28-Jährige. Für beide war es selbstverständlich, sich als Partner des Nationalparks zu bewerben, da sie von der einmaligen Landschaft des Unteren Odertals profitieren und sie schützen wollen.

Mehr als 30 naturtouristische Partner

„Gastronomen und Landschaftsführer sind die ersten Kontakte, die Gäste hier haben. Insofern ist unser Interesse, dass die Touristiker die Philosophie des Nationalparks mittragen sowie nachhaltig weiterentwickeln und sie Besuchern vermitteln“, erklärt Ulf Zimmermann, Tourismusreferent der Nationalparkverwaltung. Wer Partner werde, sei somit eine Art Botschafter der schützenswerten Auenlandschaft, profitiere auf der anderen Seite vom Marketing und Weiterbildungsangeboten der Verwaltung. „Wir haben gemeinsame Sichtweisen, wie Natur funktionieren sollte“, bringt es Nass auf den Punkt.

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Mehr als 30 dieser naturtouristischen Partner hat die Nationalparkverwaltung bereits. Die Vereinbarung gilt zunächst für drei Jahre, dann wird neu zertifiziert. Noch sei in Sachen Service Luft nach oben, sagt Zimmermann. „Uns fehlt beispielsweise noch ein einheitliches Beschilderungskonzept mit Wiedererkennungswert als Orientierung für Gäste im Nationalpark.“ Und auch der Blick über die Oder sei ausbaufähig. „Da schlummert jede Menge touristisches Potenzial“, sagt Zimmermann.

Ein Nationalparkpartner auch in Polen

Der bisher einzige touristische Nationalparkpartner in Polen ist bereits seit 2014 das urige „Café Kocur“ (deutsch: Café Kater) im Örtchen Zaton Dolna, direkt an der Oder gelegen und als Tor zum „Tal der Liebe“ bekannt. Dabei handelt es sich um einen etwa 80 Hektar großen Landschaftspark mit 13 Kilometer langen Wegen, der mit EU-Fördermitteln 2011 umfassend saniert worden war.

Eine Katze sitzt am Schild vom Café Kocur (deutsch Café Kater), das direkt an der Oder liegt und als Tor zum «Tal der Liebe» im Nationalpark Unteres Odertal gilt. Quelle: Patrick Pleul/dpa

„Die Leute kommen gezielt deswegen und wegen der Romantik“, sagt Café-Besitzerin Gosia Matecka. Anna Sophie von Humpert hatte den Park um 1850 anlegen und immer wieder erweitern lassen, aus Liebe zu ihrem Mann Carl Phillipp, der damals Landrat im ehemaligen Bezirk Königsberg/Neumark war. „Die Bekanntheit endete auch nach 1945 nicht“, erzählt die Wirtin, die schon Gäste aus aller Welt bei sich begrüßen konnte. Wer ins „Café Kater“ findet, kommt meist über Mundpropaganda oder über Empfehlungen aus der Nationalparkverwaltung. Denn das wie ein Hexenhäuschen anmutende Café mit den vielen Katzen ist nicht ausgeschildert. Von den Hügeln über dem Örtchen bietet sich ein Panoramablick über die Oder.

Interesse an touristischer Entwicklung fehlt

Wer neugierig geworden ist, bekommt von Matecka jede Menge Tipps und Informationen über das Untere Odertal. Gleichzeitig kann sie mit dem Nationalpark für sich werben – das sei eine Imagefrage. „Wir könnten von der deutschen Seite viel lernen, wie man Natur schützt und gleichzeitig touristisch nutzt“, sagt die Polin, die vor 16 Jahre nach Zaton Dolna kam, nebenbei auch töpfert und malt sowie in ihrem Café Künstlern eine Plattform bietet. Leider seien die Einheimischen nicht an einer touristischen Entwicklung interessiert, sagt sie. „Ihnen ist einfach nicht klarzumachen, dass sie mit einer Pension oder Kremserfahrten ins Tal der Liebe ein neues berufliches Standbein aufbauen könnten“, bedauert Matecka.

Von Jeanette Bederke

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