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Brandenburg Chef der Arbeitsagentur Berlin-Brandenburg rechnet mit gut bezahlten Jobs bei Tesla
Brandenburg Chef der Arbeitsagentur Berlin-Brandenburg rechnet mit gut bezahlten Jobs bei Tesla
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11:52 24.02.2020
Bernd Becking, Leiter der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit. Quelle: dpa
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Potsdam

Bernd Becking ist seit 2017 Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit (BA). Der 60-Jährige war vorher in gleicher Funktion in Passau, Berlin-Süd und München tätig. Der ehemalige Bundeswehr-Offizier hat an der Münchner Bundeswehr-Universität studiert.

Herr Becking, der E-Autobauer Tesla will bereits Mitte des kommenden Jahres im neuen Werk in Grünheide mit der Produktion beginnen und plant in einer ersten Phase mit 3000 Beschäftigten. Im weiteren Ausbau sollen es einmal 10.000 sein. Der Fachkräftemarkt ist aber so gut wie leer gefegt. Wo sollen die neuen Mitarbeiter herkommen?

Bernd Becking: Ich bin zuversichtlich und nicht in Sorge. Schließlich dürfte es sich um gut bezahlte und sehr gefragte Arbeitsplätze handeln. Ich sehe mehrere Einzugsbereiche für Tesla-Beschäftigte. In erster Linie ist das Berlin und natürlich Brandenburg. Aber auch deutschlandweit dürften Fachkräfte angelockt werden, um zu Tesla nach Grünheide zu kommen. Ausstrahlung sehe ich auch nach Polen. Die Autofabrik wird insgesamt in der Region einen Wettbewerb um attraktive Arbeitsplätze in Gang setzen und auch weitere neue Arbeitsplätze schaffen. Für unsere Region ein großer Gewinn.

Kleine und mittelständische Firmen in Brandenburg könnten Beschäftigte an Tesla verlieren. Wie groß sehen Sie diese Gefahr?

Die Sorge besteht natürlich. Da müssen sich viele Unternehmen etwas einfallen lassen, um ihre Angestellten zu binden. Erzwungene Teilzeit, geringe Entlohnung, keine Weiterbildung werden im Ringen um gute Köpfe zum Nachteil.

„Wir haben Tesla zu einem Treffen im März eingeladen“

Sind Sie als Chef der Berlin-Brandenburger Arbeitsagentur bei der Suche nach Fachkräften für Tesla mit eingebunden?

Wir sind dabei, müssen allerdings von Tesla noch genau wissen, welche Profile von Beschäftigten benötigt werden, um passende Bewerber vorzuschlagen. Wir haben Tesla für März zu einem ersten Treffen bei uns eingeladen, an dem nehmen auch Landesvertreter von Brandenburg und Berlin teil.

Auch der BER in Schönefeld braucht Fach- und Arbeitskräfte. Sind die ausreichend vorhanden?

Das wird kein Selbstläufer. Wir gehen davon aus, dass ein Teil der Beschäftigten von Tegel nicht mit zum BER wechseln wird. Und dort ist aufgrund der größeren Dimension von einem Zusatzbedarf auszugehen. Derzeit arbeiten an den beiden Flughäfen ca. 20.000 Beschäftigte.

Warum ziehen nicht alle mit um?

Einigen wird sicher der neue Fahrweg zu lang sein. Weitere werden sich beruflich anders orientieren. Ich kann nur an die Unternehmen appellieren, die noch verbleibende Zeit zu nutzen. Es sollten zum Start qualifizierte Mitarbeiter in ausreichender Zahl vor Ort sein, um Risiken für den Flugbetrieb auszuschließen.

„Mir bereitet die hohe Teilzeitbeschäftigung in Brandenburg zunehmend Sorge“

Der Mangel an Fachkräften in der Region wird zunehmend zur Belastung für Unternehmen. Wie lässt sich das passende Personal finden?

Die vielen offenen Stellen für qualifizierte Kräfte werden jetzt schon zum Risiko – Aufträge werden nicht angenommen, Pflegestationen schließen. Firmen werden sich künftig bei Fachkräften mit guten Arbeitsbedingungen bewerben müssen. Auf vielen Kanälen gilt es, Personal zu rekrutieren. Mir bereitet die hohe Teilzeitbeschäftigung in Brandenburg zunehmend Sorge. Etwa ein Drittel der 854.000 Beschäftigten im Land arbeitet in Teilzeit und die Zahl steigt.

Ein Teil macht das aber freiwillig.

Die meine ich nicht. Es gibt aber Firmen, die fast nur Teilzeit anbieten, vor allem im Hotel- und Gaststättengewerbe, im Handel oder der Gebäudereinigung. Das schadet der Attraktivität von Arbeitsplätzen in bestimmten Branchen und in der Region. Unternehmen sollten umdenken und versuchen, mehr Menschen in Vollzeit zu beschäftigen.

„Das Problem lässt sich also allein mit inländischen Beschäftigten nicht lösen“

Es heißt stets, ohne Beschäftigte aus dem Ausland lässt sich der Fachkräftemangel nicht lösen. Was passiert aber, wenn die nicht kommen?

In Brandenburg werden aufgrund der Demografie mehr als 180.000 Menschen in weniger als zehn Jahren aus dem Arbeitsleben ausscheiden. Das Problem lässt sich also allein mit inländischen Beschäftigten nicht lösen. Bedenken Sie auch noch die vielen neu entstehenden Arbeitsplätze! Zuwanderung von qualifizierten Arbeitskräften aus dem Ausland ist zwingend. Nur so lässt sich Beschäftigung absichern und das Wachstum dynamisch halten.

Wie ist Ihre Prognose für dieses Jahr?

Ich gehe davon aus, dass der Zuwachs anhält. Im letzten Jahr kamen in Brandenburg über 5000 neue Jobs dazu. Davon wurden übrigens 4000 von Ausländern besetzt. Diese positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt ist aber keine Selbstverständlichkeit. Wir sehen es in Sachsen-Anhalt und Thüringen, dort gibt es Stagnation beziehungsweise einen Rückgang an Beschäftigung.

Könnte das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz Abhilfe schaffen, das zum 1. März in Kraft tritt? Zuwanderung in den Arbeitsmarkt soll dann zumindest leichter werden.

Das ist eine große Herausforderung für Flächenländer wie Brandenburg, in denen es diverse zuständige Behörden gibt, aber nicht ein Kompetenzzentrum. Die Bundesregierung geht davon aus, dass nach der Anlaufphase mindestens 25.000 neue Fachkräfte pro Jahr nach Deutschland kommen – und da stehen die Bundesländer im Wettbewerb. Wir brauchen aber auch Wertschätzung in der Bevölkerung für diese Menschen und ihre Familien. Wohlstand und soziale Sicherungssysteme sind nur von Dauer, wenn wir das heutige Niveau an Beschäftigung halten. Fachkräfte – egal woher – helfen und verdrängen niemanden.

58.000 Beschäftigte sind Ausländer

Wie hoch ist derzeit der Anteil an Ausländern an allen Beschäftigten?

Der hat sich in Brandenburg innerhalb der letzten fünf Jahre auf fast sieben Prozent verdoppelt. Derzeit sind 58.000 Beschäftigte Ausländer. Den größten Anteil nehmen polnische Staatsbürger mit rund 26.000 ein. Es folgen Beschäftigte aus Rumänien (3700), der Türkei (2200), Syrien (2000), Russland (1600) und Bulgarien (1400).

Wie sieht es mit der Qualifikation der ausländischen Beschäftigten aus?

35.000 arbeiten als Fachkräfte, davon 10.000 als Hochqualifizierte. 23.000 sind als Helfer tätig. Die große Aufgabe besteht darin, möglichst viele der Un- oder Angelernten zu qualifizieren. Das trifft übrigens auch für deutschen Arbeitnehmer zu. In Brandenburg arbeiten aktuell 139.000 Menschen ohne Berufsabschluss, das sind 28.000 mehr als noch vor fünf Jahren. Dies ist auch ein Reservoir für Fachkräfte.

Und die wollen Sie alle in Qualifizierungskurse schicken?

Warum nicht? Es ist das Gebot der Stunde, alle Potenziale zu erschließen. Wir haben neue Möglichkeiten der Unterstützung gerade für kleine und mittlere Unternehmen. Wir bezahlen Weiterbildung und Arbeitsausfall in dieser Zeit. Gerade diese Gruppe der Unqualifizierten ist bei Strukturwandel, Digitalisierung oder Konjunktureinbrüchen am stärksten von Arbeitslosigkeit betroffen. Diese Menschen haben auch die größten Abstiegsängste. Es wäre unverzeihlich, sie nicht durch Qualifizierung in Arbeit zu halten.

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