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Brandenburg Brandenburger Einzelhandel kritisiert 2G-Regel scharf – Weihnachtsmarktbetreiber frustriert
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Corona: Brandenburger Einzelhandel kritisiert 2G-Regel scharf – Weihnachtsmarktbetreiber frustriert

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17:03 24.11.2021
Zettel mit Informationen zur geltenden 2G-Regel hängt an der Tür von einem Bekleidungsladen in der Potsdamer Innenstadt. In Brandenburg gilt seit heute auch im Einzelhandel, mit Ausnahme von unter anderem Drogerien und Lebensmittelgeschäften, die 2G-Regel, nach der nur Geimpfte und Getestete die Geschäfte betreten dürfen.
Zettel mit Informationen zur geltenden 2G-Regel hängt an der Tür von einem Bekleidungsladen in der Potsdamer Innenstadt. In Brandenburg gilt seit heute auch im Einzelhandel, mit Ausnahme von unter anderem Drogerien und Lebensmittelgeschäften, die 2G-Regel, nach der nur Geimpfte und Getestete die Geschäfte betreten dürfen. Quelle: Monika Skolimowska/dpa
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Potsdam

Die Einführung der 2G-Regel im Brandenburger Einzelhandel sorgt bei Branchenvertretern für Unmut. Sie sehen große Probleme für Ladenbetreiber und Beschäftigte. Es entstünden „wahnsinnige“ Zusatzkosten, da die Geschäfte es gar nicht schafften, zu beraten, zu verkaufen und gleichzeitig zu kontrollieren, sagte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg, Nils Busch-Petersen, der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch. Die Kunden würden künftig draußen Schlange stehen und dann zum Online-Kauf übergehen. „Als Hilfspolizei des Staates bleiben wir auf den Kosten sitzen und müssen die ganzen Konfrontationen mit Kunden aushalten“, kritisierte er.

Seit diesem Mittwoch gelten verschärfte Corona-Regeln - darunter ein Teil-Lockdown für Ungeimpfte. Hintergrund sind steigende Infektionszahlen und die zunehmend schwierige Lage in den Krankenhäusern. So wird der Zutritt nur für Geimpfte und Genesene auf den gesamten Einzelhandel sowie Friseurläden, Sportanlagen, Schwimmbäder, Museen, Freizeitparks und Zoos ausgeweitet. Es gibt aber auch einige Ausnahmen: Supermärkte, Apotheken, Drogerien, Banken und Sparkassen, Bibliotheken, Blumenläden, der Zeitungshandel und Tankstellen sind von 2G (nur Genesene und Geimpfte) ausgenommen.

Weihnachtsmärkte seit Mittwoch zu

Die Landesregierung müsse aus ihrer „Komfortzone“ kommen und sich zu den Kaufleuten bekennen, forderte Busch-Petersen. Ansonsten brauche man Bündnisse wie „Lebendige Innenstädte“ in Brandenburg nicht mehr. „Wir prüfen, ob das überhaupt noch Sinn hat.“

Das Bündnis für lebendige Innenstädte wurde im April dieses Jahres gegründet und ist ein Zusammenschluss der drei Brandenburgischen Industrie- und Handelskammern, des Handelsverband Berlin- Brandenburg e.V., des Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen, des Städte- und Gemeindebund Brandenburg sowie des Städteforums.

Ab diesem Mittwoch haben auch die Weihnachtsmärkte wieder zu. Das Kabinett hatte entschieden, dass bereits geöffnete Weihnachtsmärkte wieder dicht machen müssen, andere Märkte bleiben gleich zu. Schausteller sind frustriert. „Es war komplett unvorbereitet, damit haben wir nicht gerechnet“, sagte Christoph Meyer vom Brandenburgischen Schaustellerverband Sanssouci. „Es gab vorab strenge Vorschriften, die haben wir alle erfüllt.“ Nun sei schon viel Ware gekauft worden, zum Beispiel Glühwein. „Der ist in 1000-Liter-Fässern abgefüllt, den kann man nicht zurückgeben.“

Hoffnung auf finanzielle Hilfen?

Der Einzelhandelsverband bezeichnete die Schließung der Weihnachtsmärkte als „katastrophal“. Hauptgeschäftsführer Busch-Petersen forderte, den Händlern wenigstens die Möglichkeit für verkaufsoffene Sonntage zu lassen, um noch mehr Umsatzeinbußen zu vermeiden.

Der Schaustellerverband wies darauf hin, dass der Weihnachtsmarkt so wichtig für Händler sei, da der Dezember normalerweise der einkommensstärkste Monat sei. „Mit den Einnahmen müssen wir uns ein Polster anlegen, um über den Winter zu kommen“, sagte Meyer.

Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) hatte am Dienstag Hoffnung auf finanzielle Hilfen für die Veranstalter gemacht. Marktkaufleute, Standbetreiber und Schausteller könnten die Überbrückungshilfe III Plus und Neustarthilfe Plus bis 31. Dezember in Anspruch nehmen, kündigte Steinbach an. Derzeit liefen Gespräche mit dem Bund für zielgerichtete Verbesserungen für die Betroffenen.

„Zeugt von mangelnder Weitsicht der Politik“

Der Schaustellerverband dringt auf solche Hilfen. „Wenn keine Hilfen kommen sollten, brauchen wir uns im nächsten Jahr nicht mehr über Weihnachtsmärkte unterhalten, die gibt es dann nämlich nicht mehr“, sagte Meyer. „Wir brauchen mindestens die gleichen Hilfen wie im letzten Jahr, wenn nicht sogar mehr.“ Denn durch die kurzfristige Absage seien die Verluste in diesem Jahr größer. Schließlich seien schon Platzgelder, Personalkosten und Ware bezahlt worden.

Auch Vertreter der Wirtschaft zeigten sich verärgert. „Die kurzfristige und damit unverhältnismäßige Absage der Weihnachtsmärkte zeugt von mangelnder Weitsicht der Politik“, kritisierte Carsten Christ, Sprecher der Landesarbeitsarbeitsgemeinschaft der IHK des Landes. Die dramatisch steigenden Infektionszahlen sowie die Prognosen der Fachleute seien seit Anfang November bekannt. Christ warnte davor, die Lasten wieder bei der Wirtschaft abzuladen.

Von RND/dpa