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Brandenburg

Corona-Impfung in Brandenburg: So kommt man an einen Termin

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16:28 08.03.2021
Die Potsdamer Metropolishalle war im November bereits Corona-Testzentrum, ab Anfang Januar soll dort geimpft werden.
Die Potsdamer Metropolishalle war im November bereits Corona-Testzentrum, ab Anfang Januar soll dort geimpft werden. Quelle: Foto: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Die erste Corona-Schutzimpfung in Brandenburg fand am 27. Dezember in einem Pflegeheim in Oberspreewald-Lausitz statt. Am 5. Januar gingen die ersten Impfzentren in Potsdam und Cottbus an den Start, weitere Standorte sind ebenfalls im Betrieb, einige andere sollen noch folgen. Aber wie vereinbart man einen Termin? Was sind die Voraussetzungen, um überhaupt geimpft zu werden? Und wie werden Menschen versorgt, die nicht mobil sind? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Wer wird zuerst geimpft?

Beim Anspruch auf eine Impfung gebe es eine strenge Reihenfolge, sagt KVBB-Chef Peter Noack. Zum Start sind alle Brandenburger ab 80 Jahren und Mitarbeiter in Pflegeeinrichtungen dran. Die Liste der Berechtigten wird Schritt für Schritt erweitert – immer nach Verfügbarkeit der Impfdosen. Die Reihenfolge der Impfungen ist in einer Rechtsverordnung des Bundesgesundheitsministeriums festgelegt, die auf der Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission beim Robert Koch-Institut aufbaut. Sie erfolgt in drei Stufen. Wer zu welcher Stufe gehört, können Sie hier nachlesen.

Wie kommt man an einen Termin?

Das hängt davon ab, zu welcher Personengruppe man gehört. Nach Angaben des Brandenburgischen Gesundheitsministeriums ist seit März das Prozedere folgendermaßen:

  • Personen über 80, deren Termine umgebucht werden mussten (ca. 9000 Personen): Sie müssen telefonisch einen Termin über die 116 117 vereinbaren. Nahezu 100 Prozent der Termine sind bereits vereinbart. Konnte jemand nicht erreicht werden, wird ein Termin generiert und postalisch versendet. Sie erhalten den Biontech/Pfizer-Impfstoff
  • Weitere Personen über 80: Personen erhalten jahrgangsweise, beginnend mit den über 85-jährigen, ein Impfangebot per Post und können über eine Sonderrufnummer einen Termin buchen. Die Erstimpfungen für diese Personen starten ab 8 März in den Impfzentren. Diese Gruppe erhält den Impfstoff von Biontech/Pfizer oder Moderna
  • Brandenburgerinnen und Brandenburger, die das 70. Lebensjahr vollendet haben, können über www.impfterminservice.de einen Termin vereinbaren. Impfstoff: Biontech/Pfizer, Moderna oder Astrazeneca.
  • Beschäftigte in Krankenhäusern und Reha-Kliniken: Krankenhausbeschäftige werden in Krankenhäusern geimpft. Sie erhalten den Astrazeneca-Impfstoff
  • Personen unter 65 mit Vorerkrankung oder Behinderung gemäß zweiter Stufe mit hoher Priorität laut Impfverordnung: Buchung über www.impfterminservice.de , Voraussetzung ist in ärztliches Zeugnis über die Erkrankung. Impfung mit Astrazeneca-Impfstoff.
  • Beschäftigte in besonderen Berufsgruppen (z.B. Pflege, ambulante Medizin): Benötigen eine Arbeitgeberbescheinigung als Nachweis. Die Terminvermittlung erfolgt über eine Sonderrufnummer und über www.impfterminservice.de. Impfung mit Astrazeneca-Impfstoff.
  • Erzieher und Lehrer von Grund-, Sonder- und Förderschulen: Buchung über www.impfterminservice.de Die notwendige Arbeitgeberbescheinigung wird vom Bildungsministerium bereitgestellt. Darüber hinaus soll es auch Impftage in aus-gewählten Krankenhäusern geben.

Wieso bekommt man zwei Impftermine?

Zur Wirkung des Corona-Impfstoffs sind zwei Impfungen nötig – beim zunächst verfügbaren Impfstoff von Biontech/Pfizer im Abstand von 21 Tagen. Bei der Terminvergabe erhalten Anrufer also gleich zwei Termine im entsprechenden Abstand. Bei weiteren zugelassenen Impfstoffen sind die Abstände anders – so liegt etwa der von der STIKO empfohlene Abstand zwischen der ersten und zweiten Astrazeneca-Dosis bei 12 Wochen.

Wie läuft die Terminvergabe am Telefon?

Man gibt zunächst sein Bundesland oder die Postleitzahl an, damit sichergestellt wird, dass man an das zuständige Call Center in Brandenburg geleitet wird. Wer Fragen zur Impfung oder zum Impfstoff hat beziehungsweise zum ärztlichen Bereitschaftsdienst will, kann dort auch anrufen und wird entsprechend verbunden. Für die Terminvergabe werden die persönlichen Daten (Adresse, Telefon etc.) aufgenommen. Man erhält dann einen Vorschlag. Außerdem wird geklärt, ob man überhaupt impfberechtigt ist.

Wie läuft die Terminvergabe im Internet?

Auf der Website www.impfterminservice.de lassen sich mittlerweile auch Termine für Impfberechtigte online vereinbaren. Wir haben dazu eine Anleitung für Sie auf unseren Seiten.

Gibt es eine schriftliche Benachrichtigung?

Man erhält per Post eine schriftliche Terminbestätigung. Wenn man den Termin nicht einhalten kann, soll man das Callcenter unbedingt informieren. Mit der Terminbestätigung kommen ein Aufklärungsbogen und eine Einwilligungserklärung ins Haus.

Wie lange dauert die Impfung?

Idealerweise sollen die mobilen Impfteams eingespielt, also zum Beispiel aus einer Hausarztpraxis sein. 5 bis 10 Minuten wird pro Impfung veranschlagt. Ziel ist es, dass in den Zentren jedes Team pro Stunde zehn Menschen impft.

Was muss man im Impfzentrum beachten?

Man benötigt Impfpass, medizinischen Mund-Nasen-Schutz sowie Aufklärungsbogen und Impfeinwilligung, beide unterschrieben. Die Versichertenkarte ist hilfreich, aber keine Pflicht. Die Impfung ist kostenlos. Die Impflinge müssen glaubhaft machen können, dass sie zu dem berechtigten Personenkreis gehören. Flunkern geht nicht: Beim Impftermin muss der Anspruch dokumentiert werden, etwa durch einen Personalausweis oder, bei bestimmten Berufsgruppen, durch eine Bescheinigung des Arbeitgebers. „Wir werden uns strikt an die Vorgaben der Impfkommission halten“, betont KVBB-Chef Noack.

Zuerst starten die Impfzentren in Cottbus und Potsdam. Dürfen sich auch „Auswärtige“ dort impfen lassen?

Ja, das ist möglich, man muss nicht zum nächstgelegenen Impfzentrum gehen. Man kann also auch als Neuruppiner einen Termin in Potsdam vereinbaren.

Was ist mit Menschen, die nicht mobil sind?

Menschen in Pflegeheimen werden über die mobilen Impfteams des Deutschen Roten Kreuzes erreicht. Der weitaus größere Teil der pflegebedürftigen Menschen in Brandenburg wird aber ambulant versorgt, lebt also nicht in Pflegeheimen. Sie sollen, sofern sie jemand fahren kann, im Impfzentrum versorgt werden.

Wie man die Menschen, die überhaupt nicht mehr mobil sind, erreichen will, ist noch unklar. Laut KVBB ist geplant, dass Hausärzte Impfbesuche abstatten, ähnlich wie bei der Grippeschutzimpfung. Aber das hängt vor allem von der Verfügbarkeit eines einfacher zu handhabenden Impfstoffes ab. Der bisher einzige zugelassene Impfstoff eignet sich für die Verimpfung über Hausärzte nicht ohne Weiteres, da er ultratiefgekühlt gelagert werden muss. Die KVBB rät, sich beim Hausarzt oder über das Callcenter über Impfmöglichkeiten zu informieren. Vieles sei am Anfang noch im Fluss, hieß es.

Wird es Impf-Shuttles geben?

Darüber sei man mit den Kommunen im Gespräch, hieß es. Denkbar sei zum Beispiel, dass Fahrgemeinschaften/Busfahrten für ältere Menschen organisiert werden. Es soll dafür noch eine spezielle Hotline für Kommunen eingerichtet werden, über die diese dann Zeitfenster in Impfzentren reservieren können, um spezielle Gruppen zu versorgen.

Werden auch Patienten in den Krankenhäusern geimpft?

Nein, dort werden die Beschäftigten geimpft, um den Klinikbetrieb aufrecht zu erhalten. Dabei können die Patienten nicht mit versorgt werden, erklärt Michael Jakob, Chef der Krankenhausgesellschaft. Das liegt nicht nur an der Knappheit der Vakzine. Für die Schutzwirkung der Coronaimpfung ist nach 21 Tagen eine zweite Impfung nötig. Dann wären viele Patienten schon entlassen, die Impfwirkung würde verpuffen. „Das würde nicht funktionieren“, sagt Jakob. Allerdings soll es in ausgewählten Krankenhäusern Impftage für Lehrer geben. Dies startet Anfang März.

Wer impft?

Grundsätzlich: Ärzte. In den Pflegeheimen sind mobile Impfteams unterwegs, die vom Roten Kreuz koordiniert werden. In Impfzentren sollen sich Praxisärzte zur Verfügung stellen. Wenn der Nachschub gesichert ist, ist auch eine Impfmöglichkeit beim Hausarzt geplant. Aber das kann dauern.

Wird die Regelversorgung leiden?

Das will die Kassenärztliche Vereinigung verhindern, denn die allermeisten Covid-19-Patienten werden ambulant versorgt. Dennoch: Die mehr als 1000 niedergelassenen Ärzte in Brandenburg, die sich freiwillig gemeldet haben, werden ihre Praxen schließen müssen, wenn sie in den Impfzentren im Einsatz sind. Nicht jeder Arzt wird es schaffen, eine Vertretung zu organisieren.

Ist man nach der Impfung wirklich immun?

Eine erste Impfung bringt dem PEI-Präsidenten Klaus Cichutek zufolge eine Grundimmunisierung. Nach drei bis vier Wochen erfolgt bei Biontech eine zweite Impfung, bei Astrazeneca nach 3 Monaten. Voraussichtlich zwei bis drei Wochen danach sei voller Schutz aufgebaut. Den bisherigen Analysen und Tests zufolge schützt das Biontech-Serum wohl mit 95-prozentiger Wirkung vor einer Covid-19-Erkrankung, das Vakzin von Moderna hat eine Wirksamkeit bis zu 94 Prozent, der Stoff von Astrazeneca von bis zu 70 Prozent.

Wie lange das anhält, weiß man noch nicht, schlicht weil nicht genügend Zeit seit den Impfungen der Probanden vergangen ist. Was sich aber sagen lässt, ist, dass auch noch einige Zeit nach der Impfung bei den Probanden die Menge an Antikörpern im Blut hoch ist. Auch, ob man trotz Impfung weiterhin andere anstecken können, bleibt eine der großen Ungewissheiten. Mittlerweile zeigte eine Studie jedoch, dass der Biontech-Impfstoff zu 89,4 Prozent auch Übertragungen verhindern könne.

Welche Nebenwirkungen sind bekannt?

In dem Aufklärungsbogen, der an die Impflinge verteilt wird, heißt es, dass es ein bis zwei Tage nach der Impfung zu impftypischen Nebenwirkungen kommen kann. Dazu zählen unter anderem Schmerzen an der Einstichstelle, Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen (52 Prozent), Muskelschmerzen, Frösteln und Gelenkschmerzen. Seltener wird von Fieber und Durchfall berichtet oder von Erbrechen und Schwellung der Lymphknoten.

Haften Ärzte für mögliche Impfschäden?

Wie bei jeder Einführung eines neuen Impfstoffs greift die sogenannte Staatshaftung: Ärzte sollen damit vor möglichen Regressforderungen geschützt werden. Ohne eine solche Versicherung würden sich wohl auch nicht genügend Ärzte finden, die die Impfungen vornehmen.

Impf-Interessierte können sich auch auf der Website brandenburg-impft.de über den Impfstoff, die Terminvergabe und den Ablauf der Impfungen informieren.

Von Torsten Gellner