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Brandenburg Corona: So helfen sich die Brandenburger gegenseitig
Brandenburg Corona: So helfen sich die Brandenburger gegenseitig
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18:31 20.03.2020
Tabea Seeger aus Brandenburg an der Havel kauft für eine Freundin Lebensmittel und beliefert sie. Quelle: André Großmann
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Potsdam

Not verbindet – und macht erfinderisch. In der Corona-Krise sind vielerorts in Brandenburg spontane Hilfsangebote und Netzwerke entstanden. Auch Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) zeigte sich beeindruckt. „Was mich besonders freut, ist die Welle der Hilfsbereitschaft. Es ist unglaublich, wie viele Menschen ihre Hilfe anbieten“, sagte er am Freitag. „Wir vermeiden soziale Kontakte, aber wir haken und in Brandenburg unter.“ Wie das aussieht? Zum Beispiel so:

Potsdam: Lieferdienst für Restaurants und Geschäfte

In Potsdam hat Marian Menzel einen Onlineshop für die Stadt aufgebaut: Potsdam liefert“ hilft Geschäften und Restaurants, so die wegen der Krise schließen müssen. Innerhalb des ersten Tages gingen bei ihm schon 21 Anfragen von Geschäften und Restaurants ein – von der Fleischerei über den Getränkelieferanten bis hin zu frisch Eingelegtem wollen sie ihre Waren an Potsdamer Haustüren liefern.

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Werder: Nachbarn helfen statt meckern

Die Stadt Werder hat das Werderaner Maerker-Portal in eine Nachbarschaftsplattform umfunktioniert. Wo sonst Schlaglöcher und kaputte Straßenlampen angezeigt werden, können jetzt Menschen, die Hilfe brauchen und Leute, die helfen wollen, zueinander finden.

In Michendorf organisiert die Verwaltung mit dem Lokalen Bündnis für Familie ein Hilfsangebot. Dafür ist eine Hotline eingerichtet worden: 0173/29 45 025. Unter der Nummer werden Hilfegesuche und -angebote koordiniert.

Brandenburg an der Havel: Einkaufshilfe via Facebook

Hilfe für Menschen in Not ist Tabea Seeger wichtig, besonders in Zeiten des Coronavirus. Sie hat die Facebook-Gruppe „Quarantänehilfe Brandenburg an der Havel gegründet und plant ein Netzwerk zur Unterstützung von Erkrankten, daheimgebliebenen Senioren und Menschen mit Vorerkrankungen. „Meine größte Hoffnung ist eine Welle der Solidarität. Die Menschen sollten in dieser Zeit zusammenrücken und Werte wie Familie, Zusammenhalt und Nächstenliebe wieder an Stellenwert gewinnen“, sagt Tabea Seeger.

Jüterbog: Einkaufshilfe von Flüchtlingen

Maher Theeb (31) aus Jüterbog (Teltow-Fläming) möchte etwas zurückgeben: Für die Hilfe, die der Syrer seit seiner Ankunft in Jüterbog bekam, möchte er sich jetzt revanchieren. Sechs weitere junge Flüchtlinge und der Verein für soziale Selbstverteidigung unterstützen seine Idee und wollen eine Einkaufshilfe für Ältere oder Kranke anzubieten. Angenommen werden die Anfragen über den Verein für soziale Selbstverteidigung. Die Vorsitzende Nadine Fischer und Vorstandsmitglied Michael Maurer sind unter der Festnetznummer 0 33 72/44 30 29 sowie mobil oder per WhatsApp unter 01 74/4 05 55 99 zu erreichen.

Luckenwalde/Dahme: Unterstützung für Ältere und Kranke

„Mit der Corona-Pandemie wird sich zeigen, in welcher Gesellschaft wir leben“, sagt Juliane Kirchhoff. Zusammen mit ihrem Lebensgefährten Bernd Weiß und den gemeinsamen Bekannten Rico Opitz und Oliver Donath hat die Dahmenserin die „Dahmer Nachbarschaftshilfe“ ins Leben gerufen. Die Helfer wollen in der jetzigen Phase jeden unterstützen, der in seiner Mobilität eingeschränkt ist oder zu einer Risikogruppe gehört und deshalb beim Einkauf von Lebensmitteln oder beim Gang zur Apotheke auf die Hilfe anderer angewiesen ist. Hilfesuchende und Helfer können sich unter 035451/948878 melden.

Auch Entertainer Annemarie Finkel aus Luckenwalde will in den kommenden Wochen nicht die Hände in den Schoß legen, auch wenn er derzeit nicht auf Tour gehen kann. Das Sonntagstanzcafé bleibt geschlossen und im Golden Gate wurde die gastronomische Versorgung eingestellt, so dass im Moment nichts anderes bleibt, als abzuwarten. Gemeinsam mit Freunden wurde am Montagabend entschieden, eine kostenfreie Nachbarschaftshilfe für den Kiez rund um die Dahmer Straße/Wiesenstraße in Luckenwalde ins Leben zu rufen. „Ältere oder gesundheitlich vorbelastete Menschen können sich telefonisch unter 01744161422 an uns wenden“, so Kubiak.

Neuruppin: Schauspielerin bietet Einkaufsservice an

Die Neuruppiner Schauspielerin Astrid Leberti wurde durch die Corona-Krise zu einer Pause gezwungen. Die 43-Jährige kann derzeit nirgendwo auftreten. Doch Leberti versucht die Zwangspause so gut es geht zu nutzen – für andere. Sie will gemeinsam mit anderen Neuruppinern einen Einkaufsservice für Menschen aus Risikogruppen aufbauen, die nicht mehr so einfach vor die Tür können. Der Service ist unter 0152/08370195 zwischen 10 und 18 Uhr zu erreichen.

Prignitz: Sorgentelefon für Einsatzkräfte

In der Prignitz hat die Notfallseelsorge ihr Angebot erweitert. Sie bietet eine Telefonseelsorge an. Das Angebot richtet sich auch an die Einsatzkräfte, die wegen der Krise unter großem Druck stehen. Das Seelsorgetelefon für die Prignitzer ist unter 0160/99 69 14 16 zu erreichen.

Birkenwerder: Apothekengang für Senioren

In Birkenwerder hilft die Freiwilligenagentur Senioren beim Einkaufen oder beim Abholen von Medikamenten in der Apotheke. Dazu braucht niemand fremde Personen in die Wohnung zu lassen, denn es geht darum, mit einem minimalen persönlichen Kontakt zu helfen. Die Agentur ist täglich von 9 bis 11 Uhr und 16 bis 18 Uhr unter 0171/ 3 38 51 51 oder per Email freiwilligenagentur@birkenwerder.de erreichbar.

Heidesee: Tiere bekommen ein Asyl

Eine tolle Nachricht auch aus Heidesee (Dahme-Spreewald). Hier stand das Jugenderholungszentrums Kiez am Frauensee vor einem gewaltigen Problem, denn das Ferienlager beherbergt auch viele Tiere: Ponys, Schweine, Schafe, Ziegen und Esel. Nach einem öffentlichen Hilferuf fanden sich binnen Kurzem viele Freiwillige, die die Tiere vorübergehend aufnehmen. Geschäftsführerin Nora Runneck ist überglücklich und erleichtert. „Damit hatten wir nicht gerechnet. Wir danken allen Helfern!“

Königs Wusterhausen: Dankes-Aktion für Alltagshelden

Mit einer besonderen Aktion wollen Königs Wusterhausener den Menschen danken, die in der Corona-Krise für sie da sind. Am Freitag gilt das den Krankenschwestern und Ärzten. Die Idee dazu hatte Uwe Kretschmar, der die größte Königs Wusterhausener Facebook-Gruppe betreut. Ein Bekannter brachte ihn darauf. Ursprünglich sollten kleine Herzen für die Corona-Alltagshelden an Häusern angebracht werden. Uwe Kretschmar wollte es etwas persönlicher machen. Und kam auf den Gedanken, Berufsgruppen direkt anzusprechen. „Jeden Tag ist eine andere dran“, sagt er.

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Von MAZonline

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