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Brandenburg Restaurants und Cafés in Brandenburg: So lief der Neustart am Wochenende
Brandenburg Restaurants und Cafés in Brandenburg: So lief der Neustart am Wochenende
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16:42 17.05.2020
Trotz strahlender Sonne sind die meisten Plätze am 15. Mai 2020 vor einer Gaststätte an der Brandenburger Straße leer. Nach der Corona-Pause läuft das Geschäft für viele Gastronomen unerwartet schleppend an. Quelle: Bernd Settnik/dpa
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Potsdam

Restaurants, Cafés und andere gastronomische Einrichtungen dürfen im Land Brandenburg seit Freitag wieder öffnen. Gastronomen und Gäste haben gleichermaßen auf diese Lockerung gewartet. In den ländlichen Regionen sei es eher ruhig gewesen, in den größeren Innenstädten sei mehr los, sagte der Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands Brandenburg, Olaf Schöpe, am Samstag. Ohne dass Gäste von außen kämen, werde die Branche aber nicht lebensfähig sein.

Schöpe hatte am Freitag zudem kritisiert, dass Kommunen und Landkreise die Lockerungsverordnungen des Landes so unterschiedlich durchsetzen. Es sollte die einheitliche Landesverordnung gelten, die sei schon umfassend genug, so Schöpe. Er bekomme zahlreiche wütende Anrufe von Kollegen, die sich über unterschiedliche Verordnungen ihrer Kreise und Städte beschwerten.

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Personal und Betreiber waren nach Angaben des Hotel- und Gaststättenverbandes vor den Wiedereröffnungen hochmotiviert. Sie mussten sich aber auf einige Regelungen einstellen. So muss etwa ein Mindestabstand von anderthalb Meter zwischen den Tischen eingehalten werden. Getrunken und gegessen werden darf nur an Tischen. Theken und Bars sind für Gäste weiter nicht erlaubt. Geöffnet werden darf von 6 Uhr bis 22 Uhr.

Wir waren am Wochenende unterwegs und haben uns angesehen, wie der Neustart für Brandenburgs Restaurants und Cafés gelaufen ist:

Schleppender Start in Potsdam

Sehr schleppend sei der erste Tag verlaufen, sagte Ursula Franke, Mitarbeiterin des Cafés „Babette“ am Brandenburger Tor in Potsdam. „Wenn es so bleibt, werden wir nicht kostendeckend arbeiten können.“

Der Betreiber des Café „Heider“ und des „Lindencafé“ in Potsdam, Rene Dost, konnte der Wiedereröffnung etwas Positives abgewinnen: „Wir hatten schon das Gefühl, dass die Leute glücklich sind, wieder ins Café oder Restaurant zu können“, sagte er. Dennoch sei der Zulauf der Gäste auch bei ihm „recht verhalten“ gewesen. Außerdem hätten die unklaren Hygienevorgaben und die sich ständig ändernden Handlungsempfehlungen bei ihm und seinen Mitarbeitern für Frust gesorgt.

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In Brandenburg an der Havel war der Freitagabend noch der besucherfreundlichste. Viele Gastronomen berichteten, dass ihre Häuser gut besucht waren. So das „Schweineschnäuzchen“ in der Wollenweberstraße. Servicemitarbeiter Lutz Falkenberg hatte gut zu tun, für die Gäste die Plätze vorzuhalten. „Wir müssen ja auch jeden Gast in eine Besucherliste eintragen und nach deren Besuch die Tische und Stühle desinfizieren“, berichtete er.

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Im Restaurant „Altes Kasino“-Hotel am See in Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin) war der Gäste-Besuch nach Aussage des Inhabers Max Golde verhalten. „Es ist wie ein Wintertag“, beschrieb er die Zahl der Reservierungen. An insgesamt fünf Tischen sei bedient worden. Er hoffe mit Blick auf das Wochenende mit einem Schwung an Gästen. Was die Hygiene-und Abstandsregeln angehe, seien die Gäste vorbildlich gewesen, lobte Golde. Sie hätten sich am Eingang die Hände desinfiziert und seien anschließend platziert worden.

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Aufatmen nach „krassen Einnahmeverlusten“

Auch auf dem Ziegenhof von Gela Angermann in Kremmen (Ostprignitz-Ruppin) durfte das Karolinenhof-Café wieder öffnen. Die Besucher genossen die ländliche Idylle – weit entfernt voneinander aufgrund der derzeit notwendigen Abstandsvorschriften. Um Ziegenmilchkaffee und den hauseigenen Ziegenkäsekuchen zu bestellen, legten die Besucher ihren Mund-Nasenschutz an. „Die Einnahmeverluste waren krass. Besonders Ostern wäre bei dem schönen Wetter hier viel los gewesen“, sagte Gela Angermann, die jetzt langsam wieder aufatmen kann.

>>> Karolinenhof-Café ist wieder geöffnet

Ein Aufatmen ist auch bei den Gastwirten in der Prignitz spürbar. In Perleberg hatte Bürgermeisterin Annett Jura die Gelegenheit für einen Restaurantbesuch genutzt. Mit ihrer Tochter ging sie in das Hotel „Deutscher Kaiser“ und in der Stadt Pritzwalk freute sich Ronny Krummsdorf, in der Schönhagener Mühle wieder Gäste empfangen zu können. „Es ist gut, dass es endlich wieder losgeht“, sagt er.

>>> So empfangen Prignitzer Restaurants die ersten Gäste nach der Schließzeit

Manche Gastronomen in Teltow-Fläming haben die Zwangspause für eine Renovierung genutzt. So zum Beispiel die Betreiber des Restaurants Bel Fiume in Luckenwalde. Tresen, Eingangsbereich und Säulen wurden neu gestrichen. Den Lieferdienst wird es nach Corona beim Bel Fiume nicht mehr geben. „Das schaffen wir im laufenden Betrieb einfach nicht“, sagt Chef Mensur Jashari.

>>> Neustart für Cafés und Restaurants in Teltow-Fläming

Freudige Wiedereröffnung mit Vorsichtsmaßnahmen

In Wittstock ist die Freude zur Wiedereröffnung des Gaststätten groß. Dort waren bereits am Freitag zahlreiche Gäste in Cafés und Restaurants anzutreffen. Viele von ihnen sind einfach nur glücklich, mal wieder einen Geburtstag mit einem leckeren Essen feiern zu können oder ihre Lieblings-Restaurants besuchen zu können. Manche Wittstocker Gastronomen erfassen die Kontaktdaten ihrer Gäste, um mögliche Infektionsketten nachvollziehen zu können.

>>> Große Freude über Wiedereröffnung der Gaststätten in Wittstock

In Neustadt in Ostprignitz-Ruppin hat sich MAZ-Reporterin Sandra Bels Olafs Werkstatt angesehen. Dort waren etwas weniger Gäste vor Ort als üblich und die Mitarbeiter kümmerten sich im Minutentakt um die Sauberkeit. Schon beim Eintreten mussten sich die Gäste die Hände desinfizieren und auch dort wird sicherheitshalber nach persönlichen Daten gefragt, um mögliche Infektionsketten später nachverfolgen zu können. Die Daten werden vier Wochen lang gespeichert.

>>> Test in Olafs Werkstatt: Wie läuft der Restaurantbesuch in Coronazeiten?

Von Normalität kann auch in Eichwalde (Dahme-Spreewald) noch keine Rede sein. Dennoch ist am Wochenende ein Stück Leben in die Eichwalder Bahnhofstraße zurückgekehrt. Bei den meisten Restaurantbetreibern war die Erleichterung darüber, dass sie nun wieder Gäste bewirten dürfen, spürbar. Auch wenn sich der Andrang am Samstag noch in Grenzen hielt. Viele Gäste setzten sich vorsichtshalber nach draußen, obwohl es noch ziemlich kühl war.

>>> Restaurants und Cafés: So lief der Neustart in Eichwalde

In Nauen im Havelland hat das Restaurant „Casa Toro Negro“ am Bahnhof in Dallgow-Döberitz seine Türen wieder geöffnet. Restaurantleiterin Kerstin Vogel sagte: „Ich bin so froh, dass wir wieder für die Gäste da sein dürfen, sie und die Arbeit haben mir gefehlt.“ Der Arbeitsalltag im Steakhaus musste angepasst werden: 50 statt bisher 100 Sitzplätze, Hygienerichtlinien für die Gäste liegen dort nun aus, eine Kontaktliste wird geführt und die Service-Mitarbeiter tragen Schutzmasken und Handschuhe.

>>> So verlief der Gaststätten-Neustart im Osthavelland 

Auch im „Hohennauener Hof“ in Hohennauen nutzten erste Gäste die Mittagszeit zu einem Besuch – gut für Inhaber Klaus Laszkowski. Der zieht eine nüchterne Bilanz für die Schließzeit: „Seit dem 18. März haben wir etwa 250 bis 300 Gäste verloren, die reserviert hatten. Darunter auch die Jugendweihefeiern.“

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Von MAZonline/dpa

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