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Brandenburg Crystal Meth: Land stärkt Drogenberatung
Brandenburg Crystal Meth: Land stärkt Drogenberatung
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20:17 06.04.2017
Synthetisch hergestellt, bildet das Amphetamin eine kristallene Kruste. Die wird in einem Pfeifchen geraucht. Quelle: foto: dpa
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Potsdam

Brandenburgs Gesundheitsministerium verstärkt die Suchtberatung im Süden des Landes. Details dazu sollen bei einem Fachgespräch mit Experten aus den Landkreisen Spree-Neiße, Oberspreewald-Lausitz, Elbe-Elster und aus Cottbus am morgen erörtert werden, wie das Ministerium auf eine Anfrage der CDU-Fraktion im Landtag mitteilte. Im Doppelhaushalt 2017 und 2018 waren die Gelder zur Projektförderung der Beratungsstellen für psychisch Kranke und Drogenabhängige um jeweils 100 000 Euro auf jährlich 783 000 Euro aufgestockt worden.

In Südbrandenburg gibt es einen verstärkten Beratungsbedarf wegen des hohen Drogenkonsums, unter anderem der illegalen synthetischen Substanz Crystal Meth. Die dort überdurchschnittlich häufig konsumierte gefährliche Modedroge kommt Polizeiangaben zufolge hauptsächlich aus Tschechien. Etwa 90 Prozent aller in Brandenburg erfassten Fälle mit dieser Substanz treten danach in Südbrandenburg auf.

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Die am weitesten verbreiteten Drogen sind allerdings Tabak und Alkohol. Nach dem letzten Drogenbericht der Bundesregierung von 2015 sterben in Brandenburg jährlich rund 3000 Menschen infolge von Rauchen und etwa 2000 Menschen wegen übermäßigen Alkoholkonsums.

Beratungsbedarf zu Crystal Meth in Südbrandenburg besonders hoch

Auf dem internen Treffen am Freitag soll laut Gesundheitsministerium auch eine aktualisierte Studie aus dem Jahr 2015 über den Beratungsbedarf in den Kommunen vorgelegt werden. Nach der Expertise lag der Anteil der Fälle mit Crystal Meth in drei der sechs Südbrandenburger Beratungsstellen 2015 zwischen 12 und 25 Prozent.

Das ist deutlich mehr als im Landesdurchschnitt von 4,4 Prozent, wobei in dieser Zahl auch Beratungsfälle über synthetisch hergestellte Amphetamine wie Speed enthalten sind. Mit Hinweis auf die schwerwiegenden gesundheitlichen Schäden durch Crystal Meth empfahlen die Suchtexperten auch neue und zusätzliche Behandlungsangebote für drogenabhängige Jugendliche.

Laut Gesundheitsministerium haben zahlreiche Studien und Erfahrungen im Bereich der schulischen Suchtprävention gezeigt, dass umfassende Aufklärung den ersten Drogenkonsum verhindern oder zumindest hinausschieben. 2016 wurde erstmals seit Jahren ein Rückgang der Rauschgiftdelikte an Brandenburgs Schulen verzeichnet. 2016 wurden laut Polizeilicher Kriminalitätsstatistik 196 Fälle ermittelt, 18 Delikte weniger als ein Jahr zuvor. Ursache dafür dürften vor allem verbessertes Unterrichtsmaterial für die Schulen und eine intensive Drogenprävention durch die Polizei gewesen sein, hieß es.

CDU-Gesundheitsexperte fordert Zehn-Punkte-Handlungsplan

Mitte des Vorjahres gab es in Brandenburg an 843 Schulen Kooperationen mit der Polizei, darunter 331 schriftliche Vereinbarungen. Mit den Schulpartnerschaften wurde laut Bildungsministerium eine flächendeckende Versorgung von mehr als 90 Prozent gewährleistet.

Die aufgestockte Summe von 783 000 Euro für Beratungsstellen, um die es beim Fachgespräch heute gesehen soll, hält CDU-Gesundheitsexperte Raik Nowka für nicht ausreichend. „Das sind für die drei Lausitzkreise und Cottbus jeweils eine halbe Beraterstelle, so der Landtagsabgeordnete. Damit ließe sich nicht viel erreichen. Brandenburg brauche, so Nowka, einen Zehn-Punkte-Handlungsplan ähnlich dem in Sachsen. Derzeit sehe er bei der Landesregierung eine „Verweigerungshaltung“, Crystal Meth als großes, neues Thema zu betrachten. Das Gesundheitsministerium halte Alkohol und Nikotin immer noch für die weitaus verheerenderen Drogen, so Nowka. Crystal Meth sei auch deswegen schwer zu therapieren, weil die Rückfallquote extrem hoch sei. Therapiepatienten müssten aus ihrem Umfeld herausgenommen werden und an einem anderen Ort behandelt werden – meist über Monate, nicht selten Jahre. Das koste viel Geld.

Der statistische Rückgang der Drogenkriminalitätszahlen, wie ihn die Polizei vermeldet, ist im Übrigen deutlich getrübt. Denn trotz dieses Trends hat sich im vergangenen Jahr die Zahl der Drogentoten im Land von 10 im Jahr 2015 auf 21 mehr als verdoppelt. Crystal Meth ist zwar im Jahr 2016 nicht direkt für einen Drogentoten verantwortlich. „Unsere Kriminalisten sind sich aber sicher, dass wir in den Jahren 2019 oder 2020 die ersten Crystal-Meth-Toten sehen werden“, sagt der Sprecher des Potsdamer Polizeipräsidium, Torsten Herbst. Zu deutlich seien Konsumenten heute schon gezeichnet.

Zwei Tote hatten nach Auskunft des Innenministeriums andere Amphetamin konsumiert, in zwei weiteren Todesfällen war die Droge zumindest im Mix feststellbar.

Von Manfred Rey und Ulrich Wangemann

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