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Brandenburg Suchtprobleme führen in Brandenburg zu vielen Krankmeldungen
Brandenburg Suchtprobleme führen in Brandenburg zu vielen Krankmeldungen
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16:48 21.05.2019
Laut DAK-Gesundheitsreport haben 82.000 Arbeitnehmer in Brandenburg einen riskanten Alkoholkonsum.
Laut DAK-Gesundheitsreport haben 82.000 Arbeitnehmer in Brandenburg einen riskanten Alkoholkonsum. Quelle: Arno Burgi/dpa-Zentralbild/dpa
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Potsdam

Nikotinabhängigkeit wird immer mehr auch im Beruf zu einem Problem. Das geht aus dem DAK-Gesundheitsreport „Sucht 4.0“ hervor: „Jeder siebte Beschäftigte in Brandenburg ist tabakabhängig“, sagt die Leiterin der DAK-Landesvertretung Brandenburg, Anke Grubitz. „Viele Raucher rauchen auch während der Arbeitszeit, wodurch viel Zeit verloren geht.“ Abhängige können sich auch schwer konzentrieren und kommen oft zu spät zur Arbeit.

Geraucht wird bei jeder Gelegenheit

Die DAK-Untersuchung fand heraus, dass gut 70 Prozent der abhängigen Raucher auch während der Arbeitszeit, also außerhalb von Pausen, rauchen. Sogar die Gelegenheitsraucher greifen während der Arbeitszeit zur Zigarette. Fast 16 Prozent tun das. Der DAK-Gesundheitsreport verzeichnet zwar insgesamt eine Abnahme des Rauchens gerade bei jungen Menschen, dessen Gefährlichkeit werde aber in der Öffentlichkeit unterschätzt.

„Tabakabhängigkeit hat auch Auswirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem“, so die Chefärztin der Abteilung für Abhängigkeitserkrankungen an der Fontane-Klinik in Mittenwalde (Dahme-Spreewald). Herzinfarkte seien oft die Folge von Tabakkonsum. „Tabak spielt eine erhebliche Rolle für Unternehmen“, so die Ärztin. Laut DAK-Studie sind 159 000 Arbeitnehmer in Brandenburg zigarettensüchtig.

Werbeverbot für Tabak gefordert

Die DAK fordert deshalb ein umfassendes Werbeverbot für Tabak und auch für E-Zigaretten. E-Zigaretten werden in Brandenburg ausschließlich von ehemaligen oder aktuellen Rauchern genutzt. Sie seien aber keineswegs harmlos, sagt Susanne Hildebrandt von IGES Institut in Berlin, das die Daten auswertete. „Nikotin hat ein sehr hohes Abhängigkeitspotenzial.“

Die Probleme von Alkoholikern im Job ordnet die Chefärztin für Abhängigkeitserkrankungen, Wate, erst an zweiter Stelle ein. Allerdings sind die Auswirkungen auch hier erheblich. Im Schnitt führt Alkoholismus bei Beschäftigten zu gut acht Fehltagen im Jahr, wobei Männer mit Alkoholproblemen wesentlich häufiger fehlen als Frauen. Auf der Krankschreibung ist häufig von „Depression“ oder „Rückenbeschwerden“ die Rede. Die wirkliche Ursache wird häufig verborgen.

Die Zahl der Fehltage wächst mit zunehmendem Alter sowohl bei Männern als auch Frauen, sinkt dann aber plötzlich ab einem Alter von 60. Das sei aber keine gute Nachricht, erklärt die Auswerterin Hildebrandt vom IGES-Institut. „Menschen mit Problemen steigen früher aus dem Erwerbsleben aus. Das hat schwere Folgen.“ Die reguläre Erwerbsrente werde von Alkoholikern kaum erreicht.

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Nach dem DAK-Gesundheitsreport haben 82 000 Arbeitnehmer in Brandenburg ein riskantes Alkoholverhalten, das sind 8,3 Prozent. Bei Männern beginnt dies den Angaben zufolge bei täglich mehr als zwei 0,3 Liter-Gläsern Bier, bei Frauen bei einem 0,3 Liter-Glas Bier pro Tag. Beim Thema Alkoholprävention fehlten auch in Brandenburg flächendeckende und wirksame Angebote. Die Krankenkasse biete deshalb nun ein neues Online-Selbsthilfeprogramm bei Alkoholproblemen an.

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Erstmals beschäftigte sich der DAK-Gesundheitsreport auch mit dem Suchtpotenzial von Computerspielen und sozialen Medien. Rund 48.000 Erwerbstätige in Brandenburg zeigen eine schon riskante Nutzung von Spielen. Computerspielsucht ist eine anerkannte Krankheit. Von ihr sind in Brandenburg allerdings nur 0,7 Prozent und damit rund 7000 Beschäftigte betroffen. Die 4,8 Prozent der Beschäftigten, die bislang nur ein riskantes Verhalten zeigen werden aber nervös, wenn sie nicht spielen können, sie denken zu oft ans Spielen und sie können nicht mehr aufhören, wenn sie erst einmal angefangen haben. Die meisten spielen auch während ihrer Arbeitszeit.

Wer eine Sucht hat, fehlt doppelt so oft

Die Ergebnisse der repräsentativen Studie zeigten, dass eine breite gesellschaftliche Debatte zur Suchtproblematik notwendig sei. Der Krankenstand der Betroffenen mit einer sogenannten Substanzstörung sei mit 8,3 Prozent fast doppelt so hoch wie bei anderen Beschäftigten, hieß es weiter. Sie fehlten jedoch nicht nur im Job, weil sie wegen ihrer Suchtproblematik krankgeschrieben werden, sondern hätten in allen Diagnosegruppen mehr Fehltage. Besonders deutlich sei der Unterschied bei psychischen Leiden mit dreimal so vielen Fehltagen. Auch bei Muskel-Skelett-Erkrankungen wie Rückenschmerzen und Atemwegserkrankungen liege die Zahl der Fehltage deutlich höher.

Ein Großteil der direkten Krankmeldungen bei Suchtproblemen, 73 Prozent, sei in Brandenburg auf Alkohol zurückzuführen. Für die Studie wurden den Angaben zufolge unter anderem Daten zur Arbeitsunfähigkeit von knapp 113.000 erwerbstätigen Versicherten der DAK-Gesundheit in Brandenburg durch das IGES Institut in Berlin ausgewertet.

Von Rüdiger Braun/epd