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Brandenburg Kinder in Brandenburg kränker als in Berlin
Brandenburg Kinder in Brandenburg kränker als in Berlin
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00:22 24.03.2019
Jedes dritte Kind in Brandenburg leidet an einer chronischen körperlichen Krankheit. Quelle: picture alliance / BSIP
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Potsdam

Um die Gesundheit von Brandenburgs Kindern ist es schlecht bestellt: Fast jedes dritte Kind leidet an einer chronischen körperlichen Erkrankung. Das geht aus dem neuen Kinder- und Jugendreport der Krankenkasse DAK-Gesundheit hervor, der am Donnerstag in Potsdam vorgestellt wurde. Von einer psychischen Krankheit mit chronischem Verlauf ist demnach jedes zehnte Kind betroffen.

Unter den chronischen Erkrankungen bei Kindern sind Neurodermitis und Heuschnupfen am weitesten verbreitet. An dritter und vierter Stelle stehen entzündliche Darmerkrankungen und Asthma. „Das sind Erkrankungen, die den Alltag für Kinder und Eltern erheblich beeinträchtigen können“, erklärte Anke Grubitz, Landeschefin der DAK Brandenburg.

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Bei der Untersuchung ergaben sich leichte Geschlechterunterschiede: Demnach erkranken Jungen etwas häufiger als Mädchen. Unabhängig vom Geschlecht werden 92 Prozent der Kinder in Brandenburg mindestens einmal im Jahr beim Arzt oder im Krankenhaus behandelt.

Schon Jugendliche leiden unter Rückenschmerzen

Im Kindesalter kommen Atemwegserkrankungen am häufigsten vor. Fast zwei Drittel aller Jungen und Mädchen erkranken der Studie zufolge mindestens einmal pro Jahr an einem grippalen Infekt oder einer Bronchitis.

Auch Rückenschmerzen sind demnach schon im frühen Lebensalter verbreitet: Ab dem zwölften Lebensjahr hat demnach mehr als jeder Vierte mit Rückenleiden zu kämpfen. „Das ist alarmierend“, sagte Grubitz, „denn frühe Muskel-Skelett-Probleme können im Erwachsenenalter schwere Rückenleiden nach sich ziehen.“

An krankhaftem Übergewicht litten über alle Altersgruppen hinweg fünf Prozent der Kinder und Jugendlichen. Im Alter zwischen zehn und 14 Jahren seien es etwas mehr. Als einen Grund dafür nannten die Autoren der DAK-Studie zu wenig Bewegung.

Brandenburgs Kinder häufiger krank als Berliner

92 Prozent von Brandenburgs Kindern werden mindestens einmal jährlich beim Arzt oder im Krankenhaus behandelt. Quelle: dpa

Im direkten Vergleich zu Berlin steht Brandenburg in der Studie schlecht da. In Brandenburg seien 31 Prozent mehr Kinder wegen Muskel-Skelett-Erkrankungen, 22 Prozent mehr wegen Hautkrankheiten und neun Prozent mehr wegen Erkrankungen der Atemwege behandelt worden. Auch krankhaftes Übergewicht sowie akute Bronchitis kämen in der Mark häufiger vor.

Die Nase vorn haben Brandenburgs Kinder allerdings in puncto Zahngesundheit: Bei Berliner Kindern musste laut Studie deutlich häufiger gebohrt werden (24 Prozent mehr).

Unterschiede zwischen Berlin und Brandenburg traten auch im Bereich der psychischen Gesundheit auf. Dem Report zufolge erkranken Kinder und Jugendliche in der Hauptstadt häufiger an Angststörungen und Depressionen, wohingegen Sprach- und Sprechstörungen in der Mark verbreiteter sind.

Mehr Krankheitsfälle als im Bundesdurchschnitt

Im bundesweiten Vergleich geht es Brandenburgs Kindern schlechter als ihren Altersgenossen. Zwar haben sie mit denselben Krankheiten zu kämpfen, sind aber häufiger betroffen. Unter der Hauterkrankung Neurodermitis zum Beispiel leiden in der Mark 56 Prozent mehr als im Bundesdurchschnitt.

Die Anzahl der Kinder und Jugendlichen mit krankhaftem Übergewicht liegt laut DAK-Report 41 Prozent über dem deutschen Durchschnitt. Lediglich Augenerkrankungen seien in Brandenburg seltener behandelt worden als in der restlichen Bundesrepublik.

Studie mit Daten von 30.000 Kindern

Für die repräsentative Studie hat die Universität Bielefeld im Auftrag der DAK die Versichertendaten von rund 30.000 Kindern in Brandenburg ausgewertet. „Wir verfügen jetzt über einen Datenschatz, auf dem wir unsere künftigen Programme aufbauen können“, erklärte Anke Grubitz.

Die Krankenkasse will die Ergebnisse der Untersuchung zum Anlass für mehr Gesundheitsprävention an Schulen nehmen. „Es ist unsere Aufgabe als gesetzliche Krankenkasse mitzuhelfen, dass Kinder gesund groß werden“, so Grubitz. Unter anderem soll die Präventionskampagne „fit4future“ auf weiterführende Schulen und ab 2020 auch auf Kitas ausgeweitet werden.

Von Hannah Rüdiger

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