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Brandenburg Darum hat Simon Vaut der Demokratie geschadet
Brandenburg Darum hat Simon Vaut der Demokratie geschadet
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00:23 29.03.2019
Simon Vaut war ein Hoffnungsträger der märkischen SPD. Quelle: EU
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Potsdam

Wie peinlich – und wie verheerend für Brandenburgs Sozialdemokraten. Simon Vaut, Spitzenkandidat für die Europawahl, hat sich offenbar eine falsche Identität zusammengeschwindelt, um seine Chancen bei der Nominierung zu erhöhen. Die vermeintliche Freundin, die Wohnung in Brandenburg/Havel – alles nur vorgetäuscht, um bessere Chancen auf das lukrative Mandat zu haben. War das nötig?

Vaut war eigentlich wie gemacht für den Job

Vaut erscheint, wenn man seine Vita betrachtet, eigentlich prädestiniert für eine europapolitische Karriere. Redenschreiber im Auswärtigen Amt, Leiter des EU-Verbindungsbüros der SPD-Bundestagsfraktion in Brüssel, Lebensstationen in Frankreich, Belgien, den USA und Irland. Nur eines hatte der gebürtige Hamburger nicht: märkischen Stallgeruch. Den verschaffte er sich mit seiner Geschichte, die im Nachhinein besonders skrupellos wirkt, weil er eine Frau fälschlicherweise als seine in Brandenburg lebende Partnerin ausgegeben hat. Hätte Vaut sich ohne diese Fassade auf dem Nominierungsparteitag gegen seine Konkurrentin, die aus Cottbus stammende frühere Juso-Landeschefin Maja Wallstein, durchsetzen können? Wohl eher nicht.

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Warum fiel der Schwindel niemandem auf?

Die SPD in Brandenburg muss sich jetzt viele Fragen stellen. Eine davon: Wie konnte das passieren? Dass niemandem der Schwindel auffiel, dass keiner Verdacht schöpfte, ist zumindest verwunderlich. Parteichef Dietmar Woidke hatte zwar Vauts Konkurrentin favorisiert, aber letztlich seinen Frieden mit dem Spitzenkandidaten gemacht. Im Ortsverein Brandenburg/Havel störte sich offenbar niemand daran, dass das prominente Vorstandsmitglied kaum präsent war. Und dass seine angebliche Lebenspartnerin, anders als behauptet, gar nicht aus Brandenburg kommt, hat auch niemand gemerkt.

Eine Katastrophe für die SPD im Wahljahr

Für die SPD ist der Absturz ihres Hoffnungsträgers im laufenden Superwahljahr eine Katastrophe. Die Europawahl kann die Partei schon mal abhaken – auch wenn Vaut versprochen hat, sein Mandat nicht anzunehmen, sollte er gewählt werden – was angesichts der Listenkonstellation sowieso unwahrscheinlich war. Wie will man jetzt glaubwürdig um Wählerstimmen werben? Im Kommunal- und Landtagswahlkampf wird die Personalie eine Hypothek bleiben. Die SPD hat ohnehin Kredit beim Wähler verloren, da wirken solche Nachrichten wie ein Misstrauens-Katalysator.

Das Klischee vom selbstsüchtigen Politiker gefestigt

Doch es gibt noch eine andere Konsequenz. Die Geschichte taugt leider dazu, die verbreiteten Klischees über die ausgeprägte Selbstbedienungsmentalität von Politikern zu festigen. So ungerecht diese Vorurteile in den meisten Fällen sind: Ein einziger Fall reicht, um die grassierende Politik(er)verdrossenheit weiter anzuheizen. Simon Vaut hat nicht nur der SPD geschadet.

Von Henry Lohmar