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Brandenburg „Das Fasten boomt“
Brandenburg „Das Fasten boomt“
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00:27 19.03.2018
Der Heilfastenexperte Prof. Dr. Andreas Michalsen ist Chefarzt der Abteilung Naturheilkunde am Immanuel Krankenhaus Berlin .  Quelle: Anja Lehmann/Immanuel Krankenhaus Berlin
Potsdam

Der Fastenexperte Andreas Michalsen ist Chefarzt der Abteilung Naturheilkunde am Immanuel Krankenhaus Berlin und Inhaber der Stiftungsprofessur für Naturheilkunde der Charité-Universitätsmedizin Berlin. Im Interview erklärt er, warum das Fasten gesund ist.

Wobei hilft das Heilfasten Patienten?

Für Patienten mit Erkrankungen wie Rheuma, Bluthochdruck und Diabetes ist das Fasten sehr hilfreich, möglicherweise hilft es auch bei Multiples Sklerose. Der Verzicht auf Nahrung bewirkt eine Art Reinigung der Zellen und auch vielfältige Stoffwechselvorgänge werden beim Fasten günstig beeinflusst. Die meisten Patienten spüren spätestens am dritten Tag eine Linderung ihrer Schmerzen. Viele können diesen Zustand auch Monate nach der Heilfastenkur konservieren.

Wie fühlen sich Ihre Patienten nach dem Fasten?

Faktisch nimmt man an Gewicht ab und vier bis fünf Kilos weniger sind für die Gelenke eine schöne Entlastung. Fasten hat aber auch eine stimmungshebende, oft sogar euphorisierende Wirkung, weshalb es auch bei Patienten mit Burnout oder einer leichten Depression hilfreich sein kann. Am Ende ihrer Fastenkur sagen viele, dass sie sich freier und unbeschwerter fühlen.

„Fast alle haben eher mit dem Augenhunger zu kämpfen“

Wie lange ist es sinnvoll, eine Nahrungspause zu machen?

Bei gesunden Patienten ohne ärztliche Begleitung reichen schon fünf Tage aus. Das therapeutische Fasten, das von Ärzten begleitet werden sollte, dauert meist sieben bis zehn Tage andauern, an eigen Fastenkliniken wird auch zwei bis drei Wochen gefastet. Theoretisch kann der Körper sogar mehr als vier Wochen ohne Nahrung auskommen und man kann 42 Tage fasten wie Jesus. Aber man sollte keinen Sport daraus machen. Wichtig ist, dem eigenen Körper zu vertrauen.

Knurrt beim Fasten der Magen permanent?

Nein. Viele Patienten haben Angst, dass sie Hunger haben, wenn sie auf Nahrung verzichten, aber sie werden schnell merken: Es geht. Denn bereits am zweiten oder dritten Tag hat sich der Körper bereits stark umgestellt und baut Fettreserven ab. Oft tun sich dünnere Menschen schwerer beim Fasten. Fast alle haben eher mit dem Augenhunger zu kämpfen, als mit einem tatsächlichen Hungergefühl. Dieses Bewusstsein, wann man wirklich Hunger hat, ist bei den Menschen in unserer heutigen Wohlstandsgesellschaft verloren gegangen. Durch das Fasten lernt man, wieder dann zu essen, wenn man wirklich Hunger hat.

„Auch mit 90 kann man noch fasten“

Was kann man beim Fasten falsch machen und wer darf nicht fasten?

Eine Nulldiät sollte man nicht machen, sondern eine geringe Menge Kalorien zuführen, wie etwa bei der Fastenkur nach Buchinger, mit etwas Gemüse und Obstsaft, und einer Gemüsebrühe. Wer fastet darf maximal 500 Kilokalorien pro Tag zu sich nehmen, jedoch keinen Industriezucker und kein Fleisch, Wurst oder Käse. Patienten, die eine Magersucht oder Bulimie hatten und Probleme mit dem Essverhalten haben, dürfen nicht fasten. Schwangere, stillende Mütter sowie Menschen, die an Gichtanfällen, krankhafter Gewichtsabnahme oder Tuberkulose leiden, müssen ebenfalls darauf verzichten. Auch bei Krebserkrankungen ist es nur im Ausnahmefall unter ärztliche Kontrolle anzuraten.

In welchem Alter ist Fasten ratsam? Gibt es eine Altersgrenze?

Kinder und Jugendliche, die noch im Wachstum sind, sollten nicht fasten. Nach oben hin gibt es keine Grenze: Auch mit 90 kann man noch fasten. Der älteste mir bekannte Fastende war 98 Jahre alt.

So können Einsteiger fasten

Nicht jeder hat die Zeit oder das Geld sich in einer Klinik während des Fastens betreuen zu lassen. Zu welcher Fastenart raten Sie Einsteigern?

Ich empfehle das Fasten nach Buchinger. Es gibt einige Ratgeber dazu, die helfen sich in das Thema einzulesen. Wichtig ist aber, dass auch Gesunde beim Hausarzt abklären, ob etwas gegen das Fasten spricht.

„Time Restricted Feeding“: Was ist das für ein neuer Trend?

Beim sogenannten Intervallfasten wird für einen Zeitraum von 14 bis 16 Stunden auf Nahrung verzichtet. Dies macht man regelmäßig, also möglichst jeden Tag. Das Fasten mit diesen täglichen Essenspausen oder einzelnen Fastentage in Intervallen kann gut in den Alltag integriert werden und die Wirksamkeit ist zunehmend wissenschaftlich belegt.

Fasten im Wellnesshotel: Wie man seriöse Angebote erkennt

Trendforscher sprechen von einer „neuen Lust am Verzicht“. Stimmen Sie dem zu?

Ja, und ich freue mich, dass das Fasten so boomt. Auch jeder Gesunde kann präventiv fasten. Ich sehe andererseits aber die ganze Esshysterie kritisch, wenn mehr und mehr Leute zum Beispiel denken, dass sie an einer Nahrungsunverträglichkeit leiden, obwohl letztlich nicht ärztlich abgeklärt ist, dass dies wirklich der Fall ist.

Inzwischen bietet jedes Wellnesshotel eine Heilfastenkur an. Wie kann man erkennen, dass es sich um seriöse Angebote handelt?

Die Fastenkuren sollten von zertifizierten Fastengruppenleitern und Fastenärzten begleitet werden. Die Deutsche Ärztegesellschaft für Heilfasten und Ernährung gibt einen Überblick, wer qualifiziert ist.

Von Diana Bade

Die Potsdamerin Gisela Uhlig hat das therapeutische Heilfasten ausprobiert und dabei den Feind Hunger besiegt. Trotz Schmalhans-Kost sagt die 71-Jährige: „Mein Körper hat wunderbar reagiert.“ Geholfen hat ihr ein erfahrenes Ärzteteam rund um den bekannten Naturheilkunde-Experten Prof. Dr. Andreas Michalsen.

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