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Brandenburg Das sagen Politiker zum Tod von Manfred Stolpe
Brandenburg Das sagen Politiker zum Tod von Manfred Stolpe
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17:23 30.12.2019
Frank-Walter Steinmeier im Gespräch mit Manfred Stolpe – Aufnahme von 2016. Quelle: dpa
Potsdam

Nach dem Tod von Manfred Stolpe haben sich zahlreiche Politiker zu Wort gemeldet, nicht nur in Brandenburg. Wir dokumentieren die Reaktionen:

Frank Walter Steinmeier, Bundespräsident: „Bescheiden in eigener Sache, war Manfred Stolpe doch anspruchsvoll und fordernd, was den sozialen Ausgleich in unserem Land angeht. Er hat persönliche Härten bis zur Selbstverleugnung zurückgestellt und zugleich mit Mut und Tatkraft dem Gemeinwesen gedient. Menschlichkeit prägte sein Leben. Als Mann der Kirche in der DDR hat er vielen Menschen geholfen, die wegen kritischer Meinungen, wegen ihrer christlichen Überzeugung und kirchlichen Bindung oder einfach wegen ihres Wunsches auszureisen vom SED-Regime drangsaliert wurden.“

Wolfgang Schäuble (CDU), Bundestagspräsident:Manfred Stolpe hat sich in zwei Systemen hohe Verdienste erworben – vor der Wiedervereinigung im Bund der Evangelischen Kirchen der DDR als kirchlicher Chefdiplomat, nach 1990 als Ministerpräsident und Bundesminister. Sein Denken war das des versierten Juristen, sein Handeln das des preußischen Staatsdieners, sein Glaube ein christlicher, seine politische Haltung eine sozialdemokratische. So prägte Manfred Stolpe als beliebter wie streitbarer Landesvater die Identität seines Bundeslandes Brandenburg.“

Angela Merkel (CDU), Bundeskanzlerin:Manfred Stolpe war über viele Jahre Landesvater, Gesicht und Stimme Brandenburgs. Leidenschaftlich und geradlinig im Einsatz für seine Mitbürger prägte er die Politik unseres wiedervereinigten Deutschlands auf Landes- und Bundesebene entscheidend mit. Als Ministerpräsident des neugegründeten Bundeslandes Brandenburg trug er maßgeblich zum erfolgreichen Aufbau demokratischer Strukturen und Prozesse bei.“

Gerhard Schröder (SPD), Altbundeskanzler:Manfred Stolpe war ein großer Sozialdemokrat, aber vor allem war er ein großartiger Mensch. Als Ministerpräsident in Brandenburg und später als Bundesminister arbeitete er darauf hin, dass das Zusammenwachsen von Ost und West nicht als die Übernahme eines neuen Systems, sondern als eine Einigung der Menschen zu begreifen sei.“

Dietmar Woidke (SPD), Ministerpräsident: „Dies ist ein Tag tiefer Trauer. Wir nehmen Abschied von einem großen Mann, der unser junges Land geprägt hat wie niemand sonst. Manfred Stolpe war der Vater des modernen Brandenburgs. Er trug die Liebe zu Brandenburg in seinem Herzen, lange schon bevor unser Land 1990 gegründet wurde. Er gab dem Land Stimme und Gesicht. Im besten Sinne des Wortes war Manfred Stolpe Landesvater und Mutmacher in einem. Im schwierigen Umbruch gab er den Menschen in Brandenburg Orientierung und Zuversicht. Dabei war er immer auch Brückenbauer. Nur wenige haben sich um das Zusammenwachsen der Deutschen so verdient gemacht wie Manfred Stolpe. Brandenburg hat ihm unendlich viel zu verdanken.“

Matthias Platzeck, Brandenburgs Ministerpräsident von 2002 bis 2013: „Der Gründungsvater unseres Landes ist nicht mehr unter uns – der Tod von Manfred Stolpe erschüttert mich sehr. Wie kein anderer hat er Brandenburg und den Weg des Landes geprägt. Er hat in den schwierigen 90er Jahren, der Zeit des tiefgehenden Umbruchs und des Neuanfangs, vielen Menschen Halt und Orientierung gegeben. Gemeinsam mit Regine Hildebrandt war er eine nicht versiegende Quelle für Mut und Zuversicht, auch indem er dafür gesorgt hat, dass sich die Menschen mit ihrem Land identifiziert haben. Der Rote Adler wurde durch Manfred Stolpes Wirken zum Symbol für Heimat, Aufbruch und wieder wachsendem Selbstbewusstsein.“

Er war Ministerpräsident in Brandenburg und Bundesverkehrsminister. Seine absolute Zuverlässigkeit hat ihn ausgezeichnet. Nun ist Manfred Stolpe gestorben.

Ulrike Liedtke (SPD), Landtagspräsidentin: „Manfred Stolpe hatte alle menschlichen Qualitäten und Eigenschaften, die ein echter Landesvater braucht. Er beherrschte die Kunst der Diplomatie und war zugleich ein Freund klarer Entscheidungen. Ich bewundere sehr, wie er unser neu gegründetes Land auch in schwierigen Zeiten zusammengehalten hat. Manfred Stolpe hat Brandenburg im Wesentlichen zu dem gemacht, was es heute ist.“

Michael Stübgen (CDU), Innenminister:Manfred Stolpe war ein Landesvater im besten Sinne. Mit politischer Klugheit und menschlicher Wärme hat er Brandenburg in den schwierigen Anfangsjahren nach der Wiedervereinigung Halt und Richtung gegeben. In unseren vielen gemeinsamen Gesprächen habe ich Manfred Stolpe stets als besonnenen und zielgerichteten Politiker erlebt, dem unser Bundesland eine Herzensangelegenheit war. Manfred Stolpe hat sich um Brandenburg verdient gemacht und wir werden seinen Namen in Ehren halten. Unser Gedanken und Gebete gehören in diesen Stunden seiner Frau und seiner Familie.“

Ursula Nonnemacher (Grüne), Gesundheitsministerin:Manfred Stolpe stand mit seiner ganzen Persönlichkeit für den schwierigen Prozess der Neuorientierung nach der Neugründung des Landes Brandenburg. Viele Menschen hatten ihre Arbeit verloren, mussten in ihrer Heimat einen Neustart wagen. Manfred Stolpe hat ihnen Mut gemacht, ihnen Halt gegeben. Als Ministerpräsident hat Manfred Stolpe viele wegweisende, aber oft auch schwierige Entscheidungen zum Wohle des Landes getroffen und Brandenburg mit Herz und Verstand gelenkt und gestaltet. Trotz langer und schwerer Krankheit blieb er bis zu seinem Tod ein wichtiger Vordenker in unserer Gesellschaft, der zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Worte fand. Das Land Brandenburg hat Manfred Stolpe sehr viel zu verdanken und ist ihm für sein Wirken zutiefst dankbar.“

„Ein Vorbild für viele Generationen“

Mike Schubert (SPD), Oberbürgermeister von Potsdam:Manfred Stolpe war mit seiner Gabe, sich Herausforderungen des Lebens zu stellen und seinem Pflichtbewusstsein ein Vorbild für viele Generationen. Er war Brandenburger, Potsdamer und Sozialdemokrat im Herzen. Manfred Stolpe hat in den schwierigen Zeiten der 90er-Jahre den Menschen Zuversicht gegeben. Es ist sein Verdienst, dass sich die Brandenburgerinnen und Brandenburger heute mit ihrem Land identifizieren. „Ich habe an ihm geschätzt, dass er sich mit seinen Ansichten in Debatten einbrachte, sich positionierte aber immer darauf gedrungen hat, dass auch bei schwierigen Fragen Kompromisse gefunden werden. Seine Eigenschaft, dass Verbindende in der Gesellschaft zu suchen und Konflikte zu moderieren, wird fehlen.“

Erik Stohn, SPD-Fraktionschef:Manfred Stolpe hat den Menschen in Brandenburg als Ministerpräsident ab 1990 Mut gemacht und den Rücken gestärkt. Er hat das Wir-Gefühl gefördert und das Land maßgeblich geprägt. Manfred Stolpe hat das neue Land Brandenburg mitbegründet und gestaltet. Ohne ihn wären wir nicht, wo wir heute sind; er wird uns allen fehlen. Unsere Gedanken sind in diesen schweren Stunden bei seiner Ehefrau und seinen Angehörigen.“

Jan Redmann, CDU-Fraktionschef:„Mit großer Trauer haben wir vom Tod Manfred Stolpes erfahren. Er hat dem wiedergegründeten Land nach 40 Jahren DDR-Zentralismus seine Identität zurückgegeben. Brandenburg hat ihm viel zu verdanken, wir werden sein Andenken bewahren. Unsere Anteilnahme gilt seiner Frau und Familie, denen wir für diese schwere Zeit viel Kraft wünschen.“

Christian Stäblein, evangelischer Landesbischof:Manfred Stolpe war ein Mann der Kirche. Er hat dafür gesorgt, dass die evangelische Kirche auch in der DDR ihren eigenständigen Platz bewahren konnte. In schweren Zeiten war er bereit war, Verantwortung zu tragen. Wie viele Menschen hat es mich sehr beeindruckt, wie ehrlich Manfred Stolpe und seine Frau Ingrid mit ihrer Krebserkrankung umgegangen sind, mit allen Einschränkungen und Ängsten, die dazu gehören, aber auch mit Lebensmut und Stärke und lebendigem Glauben. Für mich ist er auch darin ein großes Vorbild. Wir sind traurig, dass Manfred Stolpe nicht mehr bei uns ist. Aber wir wissen ihn in Gottes Hand.“

Heiner Koch, katholischer Erzbischof von Berlin:„Er hat in seiner langen Regierungszeit zwischen 1990 und 2002 stets versucht, den Menschen in den schwierigen Jahren des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umbruchs Orientierung und Hoffnung zu geben. Bewundernswert ist auch, dass die Eheleute Stolpe ihre Krebserkrankungen und das Ringen mit der Krankheit öffentlich gemacht haben. Dadurch haben Sie vielen ebenfalls Betroffenen Mut gemacht und gezeigt, dass trotz Erkrankung und den hiermit verbundenen Einschränkungen noch ein aktives und selbstbestimmtes Leben möglich ist.“

Annalena Baerbock, Parteivorsitzende von Bündnis 90/Grüne:Brandenburg wäre ohne Manfred Stolpe ein anderes Bundesland. Als erster Ministerpräsident Brandenburgs nach der Wiedervereinigung hat er die Menschen zusammengeführt. Wir verdanken ihm nicht zuletzt das Bündnis 'Tolerantes Brandenburg' – damals wie heute mehr als notwendig.“

Linda Teuteberg, Landesvorsitzende der FDP und Generalsekretärin der Bundespartei:Manfred Stolpe verkörperte in außergewöhnlichem Maße den Anspruch, das Amt des brandenburgischen Ministerpräsidenten als Landesvater auszufüllen. In einer herausfordernden Zeit des Neubeginns und der Unsicherheiten nach der Neugründung unseres Bundeslandes hat er mit seiner Art vielen Brandenburgerinnen und Brandenburgern ein Gefühl von Sicherheit und Zuversicht vermitteln können. In seiner Vita spiegeln sich viele Facetten der Deutschen Teilung wie der Deutschen Einheit auf besondere Weise - mit Brüchen und Zweifeln ebenso wie mit großen Verdiensten und Anerkennung. Seine Persönlichkeit und Stimme werden fehlen.“

„Eine der großen Persönlichkeiten unseres Landes“

Christian Hoßbach, DGB-Chef Berlin-Brandenburg: „Unser Beileid zum Tod von Manfred Stolpe. Wir haben um ihn zu trauern. Er war ein überzeugter Kämpfer für Demokratie, Frieden und soziale Gerechtigkeit, er war ein Mutmacher und Brückenbauer. Häufig genug stand er an der Seite der Gewerkschaften. Und natürlich war er Stimme eines selbstbewussten Ostdeutschland. Er möge in Frieden ruhen."

Martin Dulig, Vorsitzender der SPD in Sachsen: „Die Meldung von seinem Tod macht mich betroffen und sehr traurig. Manfred Stolpe hat den Menschen in Ostdeutschland eine Stimme gegeben und sich stets für die Belange anderer eingesetzt. Eindeutig in der Sprache, sachlich im Ton und immer mit einem klaren Ziel vor den Augen, so habe ich Manfred Stolpe kennengelernt. Ich hoffe sehr, dass eine jüngere Generation, die keine eigene Anschauung mehr von der DDR hat, diese Wahrheit nicht vergisst: Es gab nicht nur Täter und Opfer, es gab in der ganz überwältigenden Mehrheit vielfache Versuche, im falschen System ein anständiges Leben zu führen.“

Ostdeutschlands freundliches Gesicht“

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD): „Er war eine der großen Persönlichkeiten unseres Landes in Zeiten der Teilung und auch später, als der Kirchenmann zum Politiker wurde. Der überzeugte und engagierte Christ und Demokrat hat aus seiner religiösen Überzeugung heraus in der DDR vieles an Humanitärem für die Menschen bewerkstelligt.“

Armin Laschet (CDU), NRW-Ministerpräsident:Manfred Stolpe hat sich in besonderer Weise um die Deutsche Einheit und das Zusammenwachsen von Ost und West verdient gemacht.“ Laschet erinnerte daran, dass Stolpe im November 1990 mit dem damaligen NRW-Ministerpräsidenten Johannes Rau (SPD) eine Partnerschaft der beiden Bundesländer initiiert hatte. „Wir in Nordrhein-Westfalen sind stolz auf unsere besondere Verbindung zu den Menschen in Brandenburg und werden Manfred Stolpe als einen der Väter dieser Freundschaft immer dankbar in Erinnerung behalten.“

Reiner Haseloff (CDU), Ministerpräsident Sachsen-Anhalt:Manfred Stolpe war seit der Wiedervereinigung eine bedeutende Stimme und das freundliche Gesicht nicht nur des Landes Brandenburg, sondern ganz Ostdeutschlands. Er kämpfte mit großer Leidenschaft für sein Heimatland wie für den gesamten Osten und damit für die Vollendung der deutschen Einheit.“

Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der EKD: „Wir haben in Manfred Stolpe einen Menschen kennengelernt, der mit schwierigen Entscheidungen gewissenhaft umgegangen ist. In seiner Verantwortung als Funktionsträger einer christlichen Kirche in der DDR ist er immer wieder auch in zwiespältige Situationen geführt worden, die ihn auch als Christ herausgefordert haben. Seine Verdienste um die deutsche Einheit und sein Eintreten für die Aussöhnung zwischen Ost- und Westdeutschland bleiben unvergessen.“

Christian Amsinck, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB): „Die Unternehmen in Berlin und Brandenburg trauern um Manfred Stolpe. Er hat sich stets mit voller Energie für den Wiederaufbau des Landes und die Einführung der Sozialen Marktwirtschaft eingesetzt. Ohne ihn würde Brandenburg nicht stehen, wo es heute steht.“

Dr. Oliver Hermann und Jens Graf, Städte- und Gemeindebund Brandenburg:„Nach der friedlichen Revolution hat Manfred Stolpe dem neuen Land Brandenburg auf vielfältige Weise Identität und Gesicht gegeben. Den Menschen in Städten, Gemeinden und Dörfern hat er in schwieriger Zeit Vertrauen vermittelt.“

Siegurd Heinze, Landrat des Kreises Oberspreewald-Lausitz:„Gerade in den Nachwendejahren, die von einer hohen Arbeitslosigkeit und der unsicheren Zukunft ganzer Branchen geprägt war, hat Manfred Stolpe den Brandenburgerinnen und Brandenburgern Hoffnung und Mut gegeben. Als erster Ministerpräsident hat er dabei auch unsere Region wesentlich geprägt. Unvergessen bleibt mir hierbei auch sein unermüdlicher Einsatz für den Lausitzring, dessen Einweihung sich in 2020 zum 20. Mal jähren wird.“

 

Von MAZonline

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