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Brandenburg Bauernpräsident: „Es wird viel kritischer werden als im letzten Jahr“
Brandenburg Bauernpräsident: „Es wird viel kritischer werden als im letzten Jahr“
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17:39 24.04.2019
Starker Wind wirbelt Sand von trockenen Feldern an einer Straße in auf. Quelle: dpa
Potsdam

Brandenburgs Landwirte machen sich große Sorgen wegen der anhaltenden Trockenheit. „Uns fehlt Wasser“, sagt Peter Krentz von der Geschäftsführung des Ökodorfes Brodowin (Barnim). Für die Frühjahrsaussaat von Sommerweizen, Hafen und Gerste sei die Lage äußerst kritisch. Die Wärme der Sonne treibt das Wachstum voran, aber ohne Wasser können sich die Pflanzen nicht entwickeln.

Das im vergangenen Jahr ausgesäte Wintergetreide weist schon Schäden wie absterbende Blätter auf. „Wir hatten schon lange keinen richtigen Niederschlag mehr“, so Krentz. Zwei Liter Regen pro Quadratmeter im April seien es bisher gewesen. Normal seien 40 Liter.

Kaum Niederschläge in Sicht

Die Lage dürfte sich auch in den kommenden Tagen nicht entspannen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Potsdam teilt mit, dass bis auf vereinzelte Niederschläge am Wochenende die Trockenheit andauern könnte. Allein für den Donnerstag werden sogar bis zu 28 Grad bei Sonnenschein erwartet.

Zwei bis sechs Millimeter Regen pro Quadratmeter erwarten die Meteorologen für die Nacht zum Samstag, ein sprichwörtlicher Tropfen auf den heißen Stein. Längerfristige Aussagen seien zwar schwierig, „aber die Chance auf lang anhaltenden ausgiebigen Regen“ sieht die DWD-Meteorologin bisher auch in der kommenden Woche nicht.

Schlimmer als vor einem Jahr

Die aktuelle Situation der Böden sei schlimmer als zum gleichen Zeitpunkt im vergangenen Jahr. Damals sei man in Brandenburg mit einer normalen Bodenfeuchte ins Jahr gestartet, sagt DWD-Sprecher Uwe Kirsche. „Wenn es nicht innerhalb der nächsten 14 Tage in Brandenburg regnet, rutschen wir, was die Bodenfeuchte anbelangt, noch unter die Werte des Dürrejahres 2018“, so Kirsche. „2019 stecken wir in einer neuen Situation, die uns Sorgen macht.“ Besonders der Osten Deutschlands sei betroffen.

Ein erneuter Dürresommer? Der Präsident des Landesbauernverbands, Henrik Wendorff, bereitet dieses Szenario Angst. „Es wird viel kritischer werden als im letzten Jahr“, befürchtet er. 2018 habe es zumindest einen feuchten Winter und Frühling gegeben und viele Bauern hätten auch noch Futtervorräte gehabt. „Das ist dieses Jahr nicht so“, sagt Wendorff. Die meisten Viehhalter seien aktuell mit ihren Vorräten am Ende.

Tierbestände müssen reduziert werden

„Wenn es nochmals zu einem Dürresommer kommt, wird es zu Lasten des Tierbestandes gehen“, sagt Wendorff. Dies könne bis zu einem Viertel der Bestände treffen. Halter von Kühen, Mutterkühen und Schafen gerieten so in eine dramatische Situation. Selbst Hilfen des Bundes würden daran wenig ändern. „Man könnte da nur mit Futter helfen, aber das gibt der Markt nicht her.“

Prinzipiell versetze der Klimawandel alle märkischen Landwirte in Sorge. Zwar reagieren sie schon jetzt durch den Anbau anderer Sorten, aber selbst eine so wenig Wasser verbrauchende Art wie Mais sei letztlich doch auf Feuchtigkeit angewiesen. „Die Prognosen sind sehr erschreckend“, sagt der Chef des Ökodorfes Brodowin Krentz. Im vergangenen Jahr habe der Ökolandbetrieb 30 Prozent seiner Hauptfutterpflanzen Klee und Luzernen verloren.

Die Waldbrandgefahr in Brandenburg bleibt auch in 2019 sehr hoch. Quelle: dpa

Künstliche Bewässerung ist illusorisch

Künstliche Bewässerung um solche Schäden zu vermeiden, ist keine Option für die Landwirte. „Bei Raps und Getreide ist das nicht üblich“, sagt Detlef Ebert von der Agrargenossenschaft Stölln im Havelland. Dafür wären große Investitionen nötig, Brunnen müssten gebaut, Genehmigungen eingeholt werden.

Das wäre keine wirtschaftliche Lösung für eine Witterung, wie sie 2018 herrschte oder derzeit herrscht, sagt der Landwirt. Ebert meldet aber auch grundsätzliche Bedenken an: „Wir sollten nicht unsere Grundwasserreserven plündern für die Produktion von Getreide, das am Weltmarkt ausreichend vorhanden ist.“

Auch Forstwirte bangen

Die Brandenburger Spargelbauern sind mit der Witterung derzeit ganz zufrieden. „Der Spargel wächst und kommt ganz gut zurecht“, sagt Ernst-August Winkelmann vom Spargelhof Klaistow (Potsdam-Mittelmark). „Allerdings könnten auch wir etwas Regen gebrauchen.“ Zu schaffen machte den Spargelbauern am Wochenende zum Beispiel der Wind.

Ohne Folien hätte dieser die trockenen Dämme verweht. Um diese Dämme wieder zu festigen bräuchte es dringend feuchtes Erdreich. Daneben gäbe es auf dem Spargelhof noch Früchte wie Himbeeren, Erdbeeren und Heidelbeeren. Auch für Spargelbauer Winkelmann gilt daher unterm Strich: „Wir brauchen Regen.“

Ein Dürresommer würde diesmal nicht nur die Landwirtschaft erneut hart treffen, sondern auch die Forstwirtschaft, schätzt der DWD. Erste Waldbrände haben in den vergangenen Tagen schon zahlreiche Regionen in Deutschland heimgesucht.

Feuerwehr fordert mehr Aufrüstung

Angesichts der Trockenheit und der hohen Waldbrandgefahr fordert der Deutsche Feuerwehrverband schon jetzt mehr Löschhubschrauber in Deutschland. Helikopter mit Außenlastbehältern seien für die Brandbekämpfung sinnvoll, sagte Verbandspräsident Hartmut Ziebs der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

„Das ist ein vielfach praktiziertes Verfahren, scheitert aber manchmal an der Zahl der verfügbaren Hubschrauber.“ Die größten Wasserbehälter fassen nach seinen Angaben 5000 Liter und können nur von Helikoptern der Bundeswehr vom Typ CH-53 geflogen werden. „Die sind aber nicht immer verfügbar. Hier müsste die Bundeswehr ein paar mehr Hubschrauber vorhalten“, sagte Ziebs.

Auch Bürger können etwas beitragen

Grundsätzlich hält Ziebs die deutschen Feuerwehren für gut ausgerüstet, um Waldbrände zu bekämpfen. Der Verbandspräsident appellierte aber an Bürger, kein offenes Feuer im und am Wald zu entfachen und in Waldnähe nicht zu rauchen. Autofahrer sollten zudem ihren Wagen nicht auf Wiesen abstellen. „Die heißen Katalysatoren können eine trockene Wiese in Brand setzen.“

Aus Sicht eines Waldexperten muss der „Wald der Zukunft“ vielfältig sein, um möglichen Waldbränden Paroli bieten zu können. Strukturreiche Laubwälder mit verschiedenen Baumarten brennen nicht so schnell und trocknen nicht so stark aus wie reine Nadelwälder, wie der Naturwissenschaftler Pierre Ibisch von der Eberswalder Hochschule für nachhaltige Entwicklung der Deutschen Presse-Agentur sagte. „Die großflächigen Monokulturen werden mittelfristig scheitern.“

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