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Brandenburg Das schmutzige Geschäft mit Welpen
Brandenburg Das schmutzige Geschäft mit Welpen
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18:26 07.06.2018
Plüschtiere im Käfig: Denise Schmidt von der Stiftung für Tierschutz in Hamburg protestiert vor der Ebay-Kleinanzeigen-Zentrale in Kleinmachnow gegen illegalen Welpenhandel. Quelle: Autor
Kleinmachnow

Den Mann von der Welpen-Mafia mit schwarzem Hut und schwarzer Sonnenbrille haben die Tierschützer gleich mitgebracht. Er hält kuschelige Plüschhunde mit „Danke-Ebay“-Anhängern in den Händen – mehr Symbolik geht wohl kaum vor der Kleinanzeigen-Zentrale des US-Unternehmens in Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark).

„Wir lassen Welpen-Händler sprechen“, erklärt Kampagnenchefin Denise Schmidt von der Tierschützer-Stiftung „Vier Pfoten“, die später die Stofftiere an Ebay-Mitarbeiter verteilen wird. „Es ist so einfach und problemlos, auf der Plattform Welpen zu verkaufen“, sagt sie.

Ob allerdings die kleine Protestaktion am Donnerstag vor der Firmenzentrale daran etwas ändern wird, ist fraglich. Denn die Kernforderung nach einer Identifizierungspflicht für Verkäufer in der Tierkategorie gibt es schon länger. Doch Ebay, der Marktführer in diesem Bereich, bewegt sich bislang nicht. Denise Schmidt ist sich aber sicher, dass das Unternehmen eine Vorreiterrolle spielen könnte. Das Unternehmen müsse endlich aktiv werden. Das würde den Markt transparenter und sicherer machen.

Das Geschäft mit Hundewelpen boomt – auch in der Region Berlin-Brandenburg. Vor allem aus osteuropäischen Ländern kommen sogenannte Wühltisch-Welpen. Verkauft wird überall – auf der Straße, per Inserat und seit einiger Zeit verstärkt im Internet. In Tierheimen in Brandenburg beschlagnahmte oder aufgefundene werden immer wieder Tiere abgegeben. Das stellt die Heime vor große Herausforderungen. Genaue Zahlen über das Ausmaß des Hundewelpen-Handels gibt es keine. Die Dunkelziffer ist hoch. In Berlin wurden im vorigen Jahr 120 Fälle bekannt, wo Hundewelpen im Internet und an den Tierschutzbestimmungen vorbei verkauft wurden. Das ist ein Milliarden-Geschäft. Händler kaufen in Osteuropa, vor allem in Polen, Jungtiere aus wilder Massenzucht für wenig Geld ein. Sie werden zum Mehrfachen des Kaufpreises meist als Rassehunden über Kleinanzeigen angeboten. Die Welpen werden oft qualvoll in Käfige eingepfercht. Viele sind krank und entgegen den Angeboten nicht geimpft.

Ebay Kleinanzeigen lehnt für sein Geschäft eine verpflichtende Identitätsprüfung der Verkäufer ab. „Wir glauben nicht an die Wirksamkeit eines solchen Schritts“, sagt Firmensprecher Pierre du Bois. Es handele sich um organisierte Kriminalität. „Die schrecken nicht davor zurück, Dokumente zu fälschen oder falsche Identitäten zu verwenden. Da würden sogar Strohleute eingesetzt, die für ein wenig Geld ihre Identität preisgeben. „Das wäre ein zahnloser Tiger“, so der Sprecher.

Ganz tatenlos ist das Unternehmen aber auch nicht. Es gibt an Verbraucher Informationen, warnt ausdrücklich vor unseriösen Welpenhandel und geht Meldungen von Nutzern nach. Die Zahl von angebotenen Tieren auf der Plattform sei um 25 Prozent binnen eines halben Jahres zurückgegangen, betont Pierre du Bois, der nach eigenen Aussagen eng mit den Tierschutzaktivisten von „Vier Pfoten“ zusammenarbeitet. „Wir sind im Austausch – auch mit Ländern.“ Letztlich sei Ebay aber keine anonyme Internetbörse. „Bei uns wird vor Ort gehandelt. Käufer und Verkäufer kommen zusammen.“

„Das überzeugt uns nicht“, sagt Tierschützerin Schmidt. Die Plattform könne viel mehr tun und verpasse Chancen. „Das Ganze ist doch ein Freifahrtschein für jeden, der kriminelle Energie hat und Hunde-Welpen im großen Stil verkaufen will.“ Eine Petition gegen illegalen Hundehandel wurde bereits von 175 000 Menschen unterschrieben.

Berlins Tierschutzbeauftragte Diana Plange hatte kürzlich vorgeschlagen, die Online-Plattform Ebay sollte freiwillig auf Angebote lebender Tiere von Privatleuten verzichten. „Stattdessen sollten sie den Tierheimen die Möglichkeit bieten, deren Tiere auf der Plattform vorzustellen. Das bringt genauso viele Klicks und damit Werbeeinnahmen“, so Plange.

Auch in Brandenburg wollen die Behörden den illegalen Tierhandel möglichst eindämmen. Ein Plan des neuen Tierschutzbeauftragten sei aber noch in Arbeit, hieß es dazu gestern aus dem Ministerium.

Die Händler mit ihren illegalen Transporte sind oft schwer greifbar. Der Berliner Bundestagsabgeordnete Kai Wegner (CDU) hatte im März gefordert, einen eigenen Straftatbestand des illegalen Welpenhandels einzuführen, damit Händler härter bestraft würden. In Berlin wird derzeit über ein gemeinsames Meldesystem von Veterinär- und Ordnungsämter sowie Polizei diskutiert. Die Kontrollen sollen danach erhöht und der illegale Welpenhandel nachhaltig bekämpft werden. Berlin gilt als Hotspot der sogenannten Hundewelpen-Mafia. Angeblich würde jede Woche in Berlin etwa 250 Tiere illegal verkauft – meist über Kleinanzeigen im Internet, wie Tierschutz-Aktivisten betonten.

Von Igor Göldner

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