Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg Datenschutzbeauftragte warnt vor Klassenchat per Whatsapp
Brandenburg Datenschutzbeauftragte warnt vor Klassenchat per Whatsapp
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:36 21.04.2018
Jugendliche verbringen viel Zeit am Smartphone. Auch an vielen Schulen werden mittlerweile Messenger wie Whatsapp eingesetzt. Quelle: dpa
Anzeige
Potsdam

Brandenburgs Datenschutzbeauftragte Dagmar Hartge hat vor dem Einsatz von Messengern wie Whatsapp an Schulen gewarnt. „Wir raten dringend davon ab. Es gibt keine klare Rechtsgrundlage für den Einsatz von Messengern an Schulen“, sagte Hartge am Mittwoch in Potsdam.

Schüler sollten nicht zu Whatsapp genötigt werden

Wer Whatsapp nutze, müsse sich im Klaren darüber sein, dass die Daten in den USA verarbeitet werden. Außerdem gelangten automatisch sämtliche Kontaktdaten auf dem Telefon an das Unternehmen, das zu Facebook gehört. Es dürfe nicht zu einem Gruppenzwang kommen, bei dem Schüler genötigt werden, Whatsapp gegen ihren Willen zu benutzen.

Anzeige
Brandenburgs Datenschutzbeauftragte warnt vor dem Messenger Whatsapp. Quelle: dpa

Bildungsministerium sieht keinen Handlungsbedarf

Hartge forderte das Bildungsministerium dazu auf, eine entsprechende Verordnung zu erlassen, damit Schulen endlich wüssten, welche elektronischen Dienste im Unterricht und in der Kommunikation mit Eltern eingesetzt werden können. Doch das Ministerium sehe dafür keinen Bedarf, kritisierte Hartge. „Wir versuchen schon seit Jahren vergeblich, das Ministerium dazu zu bewegen“, sagte sie. Möglicherweise komme durch den Facebook-Skandal aber nun Bewegung in die Sache.

Das Werben der Datenschutzbeauftragten für eine solche rechtliche Klarstellung sei im Ministerium bisher nicht wahrgenommen worden, heißt es aus dem Haus von Britta Ernst. Die Ministerin lädt am Freitag erstmals Experten zu einem Forum über die digitale Zukunft der Schulen nach Potsdam ein. Dabei dürfte auch der Einsatz von Messengern zur Sprache kommen. Im Mai werde es dann ein Treffen zwischen Ernst und Hartge geben, hieß es auf Anfrage. „Dann können alle offenen Punkte besprochen werden“, sagte Ministeriumssprecher Ralf Kotsch.

Schüler nutzen Whatsapp für Hausaufgaben und auf Klassenfahrten

Dass Schüler soziale Netzwerke wie Whatsapp zu Unterrichtszwecken nutzen, bestätigt Anton Wulke vom Landesschülerrat in Brandenburg. „In Klassengruppen vernetzen sich die Schüler, und vereinzelt sind auch Lehrer dabei.“ Dies sei in der Praxis hilfreich um den „Dienstweg“ zu verkürzen. So könne es etwa vorkommen, dass Schüler im Biologieunterricht ein Präparat abfotografieren und das Foto anschließend zur Diskussion in den Chat stellen. „In den Gruppen kann man auf schnellem Weg nachfragen: ,Wie war die Aufgabe nochmal?‘ und bekommt sofort Antwort.“

Auch auf Klassenreisen sei es üblich, dass Schüler, Lehrer und Eltern sich auf diesem Weg untereinander vernetzen. Trotzdem würde es auch der Landesschülerrat begrüßen, wenn es klare Regeln gibt, wie solche Dienste im Unterricht eingesetzt werden. „Datenschutz ist uns wichtig. Trotzdem setzen wir uns dafür ein, dass digitale Medien stärker im Unterricht genutzt werden“, so Wulke.

Whatsapp demnächst erst ab 16

Beim Einsatz von Whatsapp könnte sich demnächst ohnehin etwas ändern. Schulen müssen bei jüngeren Schülern die Erlaubnis der Eltern einholen, denn das Unternehmen ändert am 25. Mai die Nutzungsbedingungen und setzt das Mindestalter auf 16 Jahre herauf. Bisher liegt es bei 13 Jahren. Hintergrund ist die neue EU-Datenschutz-Grundverordnung. Sie legt fest, dass Daten von Nutzern nur verarbeitet werden, wenn sie mindestens 16 Jahre alt sind. Und da Whatsapp grundsätzlich Kontaktdaten sammelt, fällt auch diese App unter die neue Verordnung. Ohne Einwilligung der Eltern dürften Kinder das Programm dann theoretisch gar nicht nutzen.

Facebook will die Altersgrenze nur auf 16 erhöhen, wenn sich Jugendliche politisch oder religiös äußern, teilte das Unternehmen am Mittwoch in einem Blog mit. Ohne Einwilligung der Eltern soll bei 13 bis 15Jährigen auch keine personalisierte Werbung eingeblendet werden.

21 Datenschutzverstöße in zwei Jahren

Die Datenschutzbeauftragte stellte am Mittwoch ihren Tätigkeitsbericht im Landtag vor. Demnach wurden 2016/17 54 Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen Behörden und Unternehmen eröffnet; in 21 Fällen gab es einen Verstoß gegen den Datenschutz. Es wurden Bußgelder in Höhe von rund 29.000 Euro verhängt, hieß es. Im Zeitraum 2014/15 lag die Zahl ähnlich hoch.

Von Torsten Gellner

Anzeige