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Brandenburg Zehn Stunden in der Kita: Ist das noch gesund?
Brandenburg Zehn Stunden in der Kita: Ist das noch gesund?
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17:46 24.01.2019
In Brandenburg werden immer mehr Kinder länger in der Kita betreut. Quelle: dpa/Bernd Thissen
Potsdam

In der Debatte um die Finanzierung längerer Kita-Betreuungszeiten hat sich Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) gegen eine pauschale Erhöhung der Landesmittel ausgesprochen. „Bei den großen Anstrengungen, vor denen wir im Kita-Bereich stehen, können wir uns keine Mitnahmeeffekte leisten. Wir können nicht einfach mehr Geld ins System pumpen“, sagte Ernst am Donnerstag im Bildungsausschuss des Brandenburger Landtages.

Da es im Land große regionale Unterschiede geben, wie lange die Eltern ihre Kinder betreuen lassen, arbeite ihr Ministerium derzeit an einer „zielgerichteten Lösung“. Noch in diesem Jahr soll ein Förderprogramm für die Kommunen aufgelegt werden. Details nannte Ernst noch nicht.

Geld aus dem „Gute-Kita-Gesetz“

Ernst will dazu Geld aus dem sogenannten Gute-Kita-Gesetz von Bundesbildungsministerin Franziska Giffey (SPD) verwenden. Brandenburg stehen aus diesem Fünf-Milliarden-Euro-Programm rund 165 Millionen Euro zu. Ein Teil des Geldes soll in Brandenburg dafür verwendet werden, um ärmere Familien, die etwa Sozialhilfe oder Wohngeld erhalten, von den Kita-Gebühren völlig zu befreien. Wie viele Familien das betrifft, wird derzeit vom Sozialministerium überprüft.

Der Rest des Geldes soll in die Finanzierung der längeren Kita-Zeiten fließen – allerdings nach Bedarf. Und der ist regional sehr unterschiedlich ausgeprägt, wie eine Untersuchung des Ministeriums im vergangenen November ergeben hatte.

Umfang der Betreuung deutlich gestiegen

Rund 70 Prozent aller Krippen- und Kindergartenkinder werden demnach länger als sechs Stunden betreut. 2001 waren es noch 60 Prozent. In der Uckermark nehmen berufstätige Eltern eher selten längere Kita-Zeiten in Anspruch: 56,2 Prozent in der Krippe, 54 Prozent in der Kita. Dagegen weist Potsdam-Mittelmark den höchsten Anteil auf mit 69,2 Prozent im Krippen- und 79,2 Prozent im Kita-Bereich.

Laut Ministerium spiegelt sich in den längeren Betreuungszeiten wider, dass zunehmend beide Elternteile berufstätig sind und in Brandenburg oft lange Arbeitswege zurückzulegen sind.

Linke: „Vom Kindeswohl aus denken“

Die Vorsitzende des Bildungsausschusses, Gerrit Große (Linke), forderte angesichts der Entwicklung eine breite gesellschaftliche Debatte, auch mit Gewerkschaften und Arbeitgebern: „Ist es in unserem Interesse, dass wir Betreuungszeiten von zehn Stunden und mehr finanzieren? Sollten wir nicht auch vom Kindeswohl aus denken?“, fragte sie. Für die Entwicklung von Kindern sei es sicher nicht förderlich, wenn Kinder morgens in die Kita gebracht und nach zehn Stunden abgeholt und ins Bett gelegt würden.

Die Kita-Finanzierung in Brandenburg kennt nur zwei Szenarien: eine Betreuung bis zu sechs Stunden und eine Betreuung über diese sechs Stunden hinaus. Kita-Träger und Elterninitiativen pochen auf die Einführung einer sogenannten dritten Betreuungsstufe, damit auch in den Randzeiten genügend Personal in den Kitas vorhanden ist. CDU und Grüne hatten dies mehrfach gefordert, waren aber mit ihren Initiativen im Landtag gescheitert.

Von Torsten Gellner

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