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Brandenburg Nonnemacher (Grüne) lehnt Spahns Widerspruchslösung ab
Brandenburg Nonnemacher (Grüne) lehnt Spahns Widerspruchslösung ab
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17:03 13.01.2020
Die Reform soll dafür sorgen, dass die in Deutschland nach wie vor geringe Zahl von Organspendern deutlich steigt. Quelle: dpa
Potsdam

Vor der Entscheidung des Bundestags über ein neues Organspendegesetz hat sich Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) gegen die sogenannte Widerspruchslösung ausgesprochen. „Ich bin gegen die Widerspruchslösung – das Selbstbestimmungsrecht der Menschen muss gewahrt bleiben. Nur wer sich selbst aktiv zu einer Organspende bereiterklärt, soll als Organspender in Frage kommen“, sagte sie der MAZ.

Damit positioniert sie sich gegen das Konzept von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und des SPD-Fachpolitikers Karl Lauterbach. Sie streben ein System an, bei dem alle Bürger automatisch als Spender gelten sollen – sofern sie einer Organentnahme nicht ausdrücklich widersprechen. Es wäre die radikale Umkehrung des bisherigen Prinzips, das auf eine aktive Mitwirkung von Spendern beruht. Nur wer einen Organspendeausweis ausfüllt oder seinen Willen anderweitig dokumentiert, kommt bisher als Spender infrage. Spahn und Lauterbach wollen mit ihrer Reform dafür sorgen, dass die in Deutschland nach wie vor geringe Zahl von Organspendern deutlich steigt.

System soll vereinfacht werden

Auch Nonnemacher räumt ein, dass es zu wenige Spender gibt. „84 Prozent der Menschen in Deutschland stehen einer Organspende eher positiv gegenüber, aber nur 36 Prozent besitzen einen Organspendeausweis“, sagte sie. „Es muss uns gelingen, diese Differenz zwischen der grundsätzlich eher positiven Einstellung und dem dokumentierten Willen zur Organspende zu verringern.“

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Es sei nötig, dass sich mehr Menschen mit der Frage der Organspende auseinandersetzen und, sofern sie sich dafür entscheiden, dies möglichst einfach dokumentieren können. Der Widerruf einer solchen Entscheidung müsse aber ebenso einfach und jederzeit möglich sein, betonte die Ministerin.

Deutlich weniger Spenden in Brandenburg

Bei der Abstimmung im Bundestag an diesem Donnerstag liegt ein Gegenentwurf zur Widerspruchslösung vor. Die dahinterstehende Gruppe um Grünen-Chefin Annalena Baerbock und der Linken-Vorsitzenden Katja Kipping will dafür sorgen, dass die Bürger alle zehn Jahre beim Abholen eines neuen Ausweises befragt werden, damit sie ihre Entscheidung über ihre Spendenbereitschaft dokumentieren können.

In Brandenburg ist die Zahl der Organspenden wieder rückläufig. 2019 spendeten nach vorläufigen Daten der Deutschen Stiftung Organtransplantation nur 20 Menschen nach ihrem Tod eines oder mehrere Organe. Im Jahr zuvor waren es demnach noch 37 gewesen. Der aktuelle Wert liegt knapp über dem Tiefstand der vergangenen Jahre: 2017 waren schon einmal ähnlich wenige Organspender erfasst worden, 18 an der Zahl.

9000 Menschen auf der Warteliste

Bundesweit spricht die Stiftung von einem „nahezu unveränderten“ Niveau: 932 Spender wurden demnach 2019 gezählt (2018: 955). Jeder von ihnen hat im Durchschnitt mehr als drei schwerkranken Patienten eine neue Lebenschance geschenkt. Die Zahl der gespendeten Organe sank von 3113 auf 2995. Das waren 1524 Nieren, 726 Lebern, 329 Lungen, 324 Herzen, 87 Bauchspeicheldrüsen sowie 5 Dünndärme. 9000 Menschen warten derzeit in Deutschland auf ein Spenderorgan.

Die Stiftung befürwortet die Widerspruchslösung, die Spahn und Lauterbach ins Spiel gebracht haben. Wenn die Menschen aktiv widersprechen müssten, würde dies automatisch die Auseinandersetzung mit dem Thema befördern, so die Argumentation. „Darüber hinaus würde die Berücksichtigung der Möglichkeit einer Organspende am Lebensende in den Kliniken zur Selbstverständlichkeit“, sagte der medizinische Vorstand der Stiftung, Axel Rahmel.

„Jetzt haben wir die Chance, mit einer verbindlicheren Gesetzgebung, die uns aktiv in die Verantwortung setzt, positive Veränderungen zu bewirken“, sagte er. Unabhängig von jeglicher Regelung liege jedoch die Entscheidung für oder gegen eine Organspende bei jedem Einzelnen.

Von Torsten Gellner

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