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Brandenburg Der „Gurkenmähdrescher“ braucht keine Erntehelfer mehr
Brandenburg Der „Gurkenmähdrescher“ braucht keine Erntehelfer mehr
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19:50 05.08.2013
Ein Erntehelfer schüttet auf einem Gurkenflieger des Spreewaldbauern Riecken nahe Vetschau (Brandenburg) Einlegegurken in große Transportkisten. Quelle: Patrick Pleul
Potsdam

Nicht grün, sondern rot leuchtet die neue Erntemaschine auf dem Spreewälder Gurkenfeld in der Nähe von Golßen (Dahme-Spreewald). Wenn Christoph Frehn, Sohn des Gurkenbauers Heinz-Peter Frehn, auf dem Prototyp Platz nimmt, senken sich zwei kreissägeartige Messer herab und mähen ganze Gurkenpflanzen weg. Ein Förderband transportiert das Gestrüpp in den Bauch des Geräts. Dort werden Kraut und Gurken voneinander getrennt. Das Kraut fliegt hinten heraus, die Gurken landen auf dem nebenher fahrenden Anhänger eines Traktors. Einen halben Hektar schaffen Christoph Frehn und der Traktorfahrer in der Stunde. Zum Vergleich: Ein „Gurkenflieger“ mit einer Besatzung von 40 Erntehelfern kommt in einer Stunde gerade mal 80 Meter voran.

Kostendruck vor allem beim Einsatz seiner 500 Erntehelfer aus Polen und Rumänien auf den zwölf „Fliegern“ ließen den Inhaber des „Gurkenhofs Frehn“ in Schöneiche nach Alternativen suchen. Seit drei Jahren entwickelt Frehn zusammen mit der Golßener Edelstahlfirma Schröter das Gerät. Dafür wurde ein Tomatenernter umgebaut. Seit gut einem Jahr setzt Frehn die Maschine – noch sehr begrenzt – für die Ernte auf seinen insgesamt 80 Hektar Feldern ein.

Links ernten polnische Saisonarbeiter (l) auf einem Gurkenflieger die Spreewaldgurken ernten. Rechts arbeitet eine Gurkenvollerntemschine vom Gurkenhof Frehn auf einem Feld im Landkreis Dahme-Spreewald nahe Schöneiche (Brandenburg).

„Mittelfristig werden wir die Arbeitskräfte nicht mehr bezahlen können“, sagt der Landwirt. Derzeit bekommen die Helfer fünf Euro netto. Hinzu kämen Kosten für Unterkunft und Verpflegung. Während die Gurkenpreise im Wesentlichen stagnierten, hätten sich die Produktionskosten in den letzten 14 Jahren verdoppelt. Nicht zuletzt gibt es die Konkurrenz aus dem Ausland. Arbeiter in Indien erhalten einen Dollar pro Tag. Auch solche Gurken aus Fernost landen in den Konserven – als Rohware anonymer Herkunft.
„Ich habe nichts gegen einen Mindestlohn von 8,50 Euro“, betont Frehn. Aber dann müsse der Konsument auch wieder regionale Qualität schätzen lernen und entsprechend zahlen. Mit 40 Cent mehr pro Glas könne der Mindestlohn bestritten werden. Der andere Weg, um auf dem Markt zu bestehen: Automatisierung.

Allerdings werden bis zum flächendeckenden Einsatz solcher Maschinen laut Frehn noch Jahre vergehen. Die Zahl der reifen Gurken pro Pflanze müssten dafür von jetzt etwa zwei auf sieben gesteigert werden. Mit sanftem Pflücken schafft Frehn immerhin 75 Tonnen Gurken pro Hektar. Der „Gurkenmähdrescher“ kommt wegen des großen Ausfalls und der bei ihm nur einmal möglichen Ernte nur auf 30 Tonnen.

Brandenburgs Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger (SPD) war gestern dennoch von einer Präsentation begeistert. „Gerade als Maschinenbauingenieur freue ich mich, dass diese Innovation in Brandenburg entwickelt wird“, sagt er der MAZ. Das Ministerium selbst hat die 750.000 Euro teure Entwicklung mit 110.550 Euro unterstützt. Die verfügbaren Erntehelfer würden irgendwann zurückgehen, so Vogelsänger. „Es geht darum, die Dauerarbeitsplätze zu sichern.“ Derzeit ernten im Südspreewald jährlich 3500 Arbeitshelfer 40.000 Tonnen Gurken.

Von Rüdiger Braun

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