Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg Das waren die skurrilsten Momente im Landtagswahlkampf
Brandenburg Das waren die skurrilsten Momente im Landtagswahlkampf
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:06 31.08.2019
Kunterbunt: Wahlplakate an einer Straßenkreuzung in Falkensee. Quelle: Marlies Schnaibel
Potsdam

Der Wahlkampf in Brandenburg ist auf den letzten Metern. Am Sonntag hat der Souverän das Wort und kann entscheiden, wer ihn am meisten überzeugt hat. Dann wird sich zeigen, welche Kampagne angekommen ist und welche Äußerungen die größten Effekte erzielten.

Hauptsache, nah bei den Wählern

Es war ein langer Wahlkampf, oftmals voller Merkwürdigkeiten und skurriler Momente. Es ging manchmal turbulent zu, aber manches war auch so aufregend wie eingeschlafene Füße. Schon sehr früh, seit Jahresanfang, waren die Spitzenpolitiker in Stellung gegangen. In den letzten vier Wochen wurde dann auf den Touren durch das Land viel gesungen, gepaddelt, gewandert, gegrillt und gestritten. Aber auch nicht wenig geholzt und gepöbelt. Motto: Hauptsache, man ist nah bei den Wählern und das sorgt für Aufmerksamkeit.

Der Ingo“-Song als Wahlkampfhit

Musikalisch ganz vorn lag im Wahlkampf die CDU. Ein Lied im Countrystil machte die Runde: „Wer macht auch die Bauern froh? Ingo! Ingo!“ Und: „Wer haut Verbrechern auf den Po? Ingo!“ Der „Ingo, Ingo“-Song wurde zum Ohrwurm, auch wenn ihn nicht alle lustig fanden. Es wurde zumindest darüber geredet. Dabei wurde der Song eher zufällig publik. Ein Parteifreund von Spitzenkandidat Ingo Senftleben hatte ihn komponiert, eher für die interne Motivation des Wahlkampfteams. Später kam noch Bruce Willis dazu, der für Senftleben Wahlkampf machte – zumindest seine Synchronstimme in Radio-Werbespots.

Peter Vida von den Freien Wählern und seine Glühbirne. Quelle: Jörg Carstensen/dpa

Das größte Wahlkampf-Utensil boten die Freien Wähler um Spitzenkandidat Peter Vida auf, das sie ständig mitführten und vor die Kameras hielten: eine überdimensionale aufgeblasene Glühbirne, als Symbol für „gesunden Menschenverstand“. Und weil der RBB die Bürgerbewegung nicht zur Wahlarena mit allen Spitzenkandidaten eingeladen wollte, dafür aber die außerparlamentarische FDP, wurde vor dem Sender in Potsdam lautstark eine eigene „Arena“ veranstaltet.

Gegen die guten Sitten wurde auch verstoßen – von der AfD. Spitzenkandidat Kalbitz diskutierte im Landtag mit rund 200 Schülern über den Klimaschutz und beleidigte Aktivistin Greta Thunberg, die er ein „zopfgesichtiges Mondgesicht-Mädchen“ nannte. Dafür erntete er heftigen Protest der Schüler und pöbelte zurück. „Tut mir leid, dass Sie so verblendet sind durch die Dauer-Rotlichtbestrahlung, die Sie an der Schule bekommen.“

Dreist die Wende einverleibt: AfD

Besonders haarsträubendwar auch die Kampagne der AfD für eine „neue Wende“ in Deutschland. Auf Plakaten versuchte die Partei, sich mit großer Dreistigkeit die friedliche Revolution von 1989 einzuverleiben – mit Plakaten wie „DDR 2.0“ oder „Vollende die Wende“. Auch vor SPD-Ikone Willy Brandt machte die AfD nicht halt und machte ihn posthum zu ihrem Kronzeugen. Die SPD war empört und reagierte mit einer Gegenkampagne und dem Hashtag „#wirsindwilly“.

Linken-Kampagne gegen die Hohenzollern. Quelle: Britta Pedersen/dpa

Vorbehalte gegen Preußen – das machte sich die Linke zu eigen und bastelte daraus ein Wahlkampfthema. Aus dem Hut wurde eine Volksinitiative gezaubert gegen neue Rückerstattungsansprüche der Hohenzollern. Plötzlich hatte die Linke ihren Hit. Überall auf den Wahlkampf-Tischen der Linken lagen fortan Listen, wo man unterschreiben konnte: „Keine Geschenke den Hohenzollern“.

Alles Wahlkampf – oder was?Auffällig intensiv ist in diesen Tagen der Ausstoß von Presseerklärungen aus Staatskanzlei, Ministerien und Parteien. Zu allem und zu jedem wird sich mitgeteilt – natürlich hat das alles mit Wahlkampf nichts zu tun. Auch nicht, als Grüne und CDU die ihr zustehende Einsicht in Akten der Regierung zu einer SPD-Spende wenige Tage vor den Wahltermin schob und dazu die Öffentlichkeit breit einlud und beteiligte. Ein früherer Termin war angeblich verpasst worden. Die erhobenen Vorwürfe blieben mehr als vage.

Der „Osten“ spielte diesmal eine größere Rolle als bei früheren Wahlkämpfen – und das 30 Jahre nach der Wende. Die Unzufriedenheit und der Verdruss im Land sind groß. Immer wieder begegneten den Wahlkämpfern Menschen, die sich abgehängt und benachteiligt fühlen. Die Linke plakatierte bonbonfarbene Plakate im „Retro-Look“ und präsentierte sich als „Stimme des Ostens“. Die SPD hatte eine Ost-Kommission gegründet, die die „strukturelle Benachteiligung“ der Ostdeutschen zum Thema machte.

Ihre einzige Rettung, das Direktmandat zu erringen, sehen manche Direktkandidaten offenbar darin, die eigene Partei zu unterschlagen oder zumindest nicht zu erwähnen. Gabriele Theiss wirbt im Wahlkreis Oberspreewald-Lausitz I für „100 Prozent Theiss“. Das Mini-SPD-Logo in der Ecke ist kaum zu erkennen.

Von Igor Göldner

Einen Monat sind die MAZ-Wahlreporter quer durch Brandenburg gefahren – um wichtigen Themen vor der Landtagswahl nachzuspüren und um zuzuhören. Eine Bilanz.

30.08.2019

Vor zweieinhalb Jahren starb eine ägyptischen Studentin in Cottbus bei einem Autounfall. Am Donnerstag beginnt der Prozess. Der Fall hatte in der Heimat des Opfers für Schlagzeilen gesorgt.

11.09.2019
Brandenburg Verwaltungsgericht Cottbus hat entschieden - Tagebau Jänschwalde steht schon ab Sonntag still

Der Tagebau Jänschwalde muss vorübergehend stillgelegt werden – und zwar schon ab Sonntag . Das entschied das Verwaltungsgericht Cottbus. Die IG Bergbau sieht hunderte Jobs in Gefahr, die Staatskanzlei wiegelt ab.

30.08.2019