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Brandenburg Der märkische Rückzugsort der Kanzlerin
Brandenburg Der märkische Rückzugsort der Kanzlerin
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21:04 10.09.2013
Templin in der Uckermark. Quelle: dpa
Templin

Die Uckermark „ist im eigentlichen Sinn auch heute noch Heimat für mich“, hat Merkel einmal gesagt. Die Region im Norden Brandenburgs ist dünn besiedelt, mit kleinen versprengten Dörfern und Städtchen. Eines davon ist Templin, knapp 17000 Einwohner, alte Stadtmauer, sanierte Fachwerkhäuser, die „Perle der Uckermark“ – hier wuchs Merkel auf, hier ging sie zur Schule.

Das ehemalige Elternhaus am Stadtrand ist gelb und grün gestrichen: „Haus Fichtengrund“ im „Waldhof“. Es ist eine Siedlung, in der heute Menschen mit geistiger Behinderung betreut werden. Merkels Vater, der Pfarrer Horst Kasner, schulte damals evangelische Geistliche auf dem Gelände.

„Im Haus erinnert nicht mehr viel an die heutige Kanzlerin – höchstens noch der Geist“, sagt Pfarrer Uwe Eisentraut, der den „Waldhof“ heute leitet. Die ehemalige Wohnung im ersten Stock wurde aufgeteilt, besteht jetzt aus mehreren Wohneinheiten. Manchmal komme Merkel her und zeige einem Staatsgast oder anderen Besuchern das Elternhaus. Dann tauche plötzlich eine schwarze Limousine auf, sei aber auch schnell wieder verschwunden.

Auf dem Weg in die Stadt liegt die „Naturschule“, ein alter Backsteinbau, heute eine Montessori-Schule. 1973 hat Angela Kasner hier ihr Abitur gemacht. Mitschüler nannten das Mathe-und Russisch-As nur „Kasi“. Mit dem Namen Kasner weiß in Templin fast jeder etwas anzufangen. Schließlich lebt auch Merkels Mutter, Herlind Kasner, in der Stadt. Die Englischlehrerin ist 85 und unterrichtet immer noch. An der Volkshochschule kann man bei der Kanzlerin-Mutter für diesen Herbst „Let's go on learning English“ buchen.

Auf dem Marktplatz in Templin sind die Meinungen geteilt. Manche finden es gut, dass Angela Merkel die Uckermark bekannter gemacht hat. Andere winken ab: „Lassen Sie mich bloß mit der in Ruhe“, schimpft eine ältere Frau. Eine andere zuckt mit den Schultern: „Mir ist das eigentlich egal. Irgendwo muss Frau Merkel ja herkommen.“

„Typisch für den Menschenschlag hier – und ich glaube auch für Frau Merkel – sind eine gesunde Zurückhaltung und eine abwartende Haltung“, sagt Templins Bürgermeister Detlef Tabbert (Linke). Vielleicht hat Merkel das gemeint, als sie im Mai bei einer Veranstaltung der Frauenzeitschrift „Brigitte“ über ihre „uckermärkische Verstocktheit“ sprach. Viel Privates über die Kanzlerin ist wohl auch deshalb nicht herauszukriegen in ihrer alten Heimatstadt. Das haben schon einige Reporter erleben müssen, die sich auf Spurensuche machten. Schmunzelnd erinnert sich Pfarrer Eisentraut daran, wie Merkels Mutter einmal von einem Journalisten nach ihrer Tochter gefragt wurde und dann ausführlich erzählte. Erst nach Minuten wurde klar, dass die Mutter der Kanzlerin gar nicht über Angela, sondern über deren kleine Schwester Irene redete und über deren Karriere als Ergotherapeutin.

Für den Reporter nicht zu gebrauchen – aber Einblicke ins Private gibt es bei Angela Merkel nur, wenn sie es selbst will. Und dann auch nur wohldosiert – daran hält sich offensichtlich auch die Mutter.
Wenn die Kanzlerin in Templin ist, geht sie „ganz normal“ im Supermarkt einkaufen, erzählen viele. Sie halte dann auch mal einen kleinen Plausch – nichts Politisches, nur Smalltalk.

Ihr privater Rückzugsort, das Wochenendhaus, steht in einem winzigen Dorf östlich von Templin: 20 Häuser, ein See, eine kleine Dorfstraße und zwei Wahlplakate – von der CDU. Im Dorf würde das Häuschen nicht weiter auffallen – wäre da nicht der massive, blickdichte Zaun mit Tor-Kamera, dem der alte Lattenzaun vor einiger Zeit weichen musste.

Es ist an diesem Spätsommertag so ruhig, dass das Summen der Käfer zu hören ist. Andere Leute sind kaum zu sehen, und sagen will über die prominente Mitbewohnerin eigentlich auch keiner mehr etwas. Eine 74-jährige Nachbarin lässt sich dann aber doch noch einige Sätze entlocken: „Wenn Frau Merkel vorbeikommt, fragt sie immer, wie es geht. Sie wird hier geachtet und nicht belästigt, wenn sie zum Beispiel zum Badestrand geht.“ Ob es Merkel, wenn sie irgendwann das Amt der Bundeskanzlerin abgibt, wieder dauerhaft zurückzieht in ihre alte Heimat? Detlef Tabbert, der Templiner Bürgermeister, weiß nichts von solchen Plänen.
Er, der Linke, sagt aber: „Es würde mich freuen, wenn sie wieder nach Templin zurückkommt.“

Von Jörg Ratzsch

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