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Brandenburg Deutschland fahndet, Brandenburg trauert
Brandenburg Deutschland fahndet, Brandenburg trauert
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21:37 22.12.2016
Im Gedenken an den getöteten Sebastian B. kamen Bürger auf dem Neustadt Markt in Brandenburg zusammen.
Im Gedenken an den getöteten Sebastian B. kamen Bürger auf dem Neustadt Markt in Brandenburg zusammen. Quelle: Bürstenbinder
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Brandenburg an der Havel

In Brandenburg herrschen Trauer und Bestürzung, nachdem am Mittwochabend bekannt geworden war, dass zwei der Toten des Anschlages auf dem Berliner Weihnachtsmarkt aus dem Bundesland kommen. Zu einer Mahnwache in Brandenburg an der Havel kamen am Abend rund 50 Bürger mit Kerzen auf den Neustädtischen Markt. Sie gedachten des getöteten Sebastian B. (32), der beim Getriebehersteller ZF gearbeitet hatte und aus dem Ort Ragösen in Potsdam-Mittelmark stammt. Angehörige der Geschäftsleitung waren ebenfalls zu der Andacht erschienen.

Noch wenig ist bekannt über die 53 Jahre alte Frau aus dem Landkreis Dahme-Spreewald, die unter den Todesopfern ist. Sie soll aus Eichwalde stammen – dort ist aber nicht einmal der Bürgermeister informiert, wie er der MAZ sagte.

Ministerpräsident Woidke kondoliert

Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hat erschüttert auf den Tod der beiden Brandenburger reagiert. „Es ist furchtbar, zwei Landeskinder bei einem Terroranschlag verloren zu haben. Meine große Anteilnahme gilt ihren Angehörigen. Mit meinen Gedanken bin ich bei ihnen“, sagte Woidke. Einem 37 Jahre alten Potsdamer, der bei dem Anschlag verletzt worden war, wünschte der Ministerpräsident eine rasche Genesung. Woidke weiter: „Mein Beileid gilt aber auch den Menschen in Deutschland und Polen und anderer Nationen, die bei dem heimtückischen Angriff ihnen nahestehende Personen verloren haben“. So ist unter den Getöteten der polnische Lastwagenfahrer, der sich vermutlich noch im Cockpit einen Kampf mit dem Entführer seines Fahrzeugs geliefert hatte, sowie eine Frau aus Israel.

Im Rahmen der europaweiten Fahndung nach dem 24-jährigen Tunesier Anis Amri hat Brandenburgs Polizei einen Krisenstab aufgestellt. 150 Beamte sind ausschließlich mit Schutz und Fahndung im Zusammenhang mit dem Anschlag befasst.

Haftbefehl gegen den Flüchtigen erlassen

Gegen den flüchtigen Terrorverdächtigen Anis Amri ist am Abend Haftbefehl erlassen worden. Das teilte die Bundesanwaltschaft mit. Eine Sprecherin wies darauf hin, dass verschiedene Orte in Nordrhein-Westfalen und Berlin, an denen sich Amri aufgehalten haben soll, durchsucht worden seien. Auch ein Reisebus in Heilbronn sei inspiziert worden. Festnahmen habe es keine gegeben. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hat bestätigt, dass im Anschlagslastwagen von Berlin Fingerabdrücke des gesuchten Tatverdächtigen gefunden wurden. Es gebe zudem „andere zusätzliche Hinweise“ darauf, dass der gesuchte Tunesier „mit hoher Wahrscheinlichkeit der Täter ist“.

Zwölf Schwerstverletzte noch in Berliner Kliniken

Der Innenminister hatte sich zuvor mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) im Bundeskriminalamt in Berlin über den Stand der Ermittlungen informiert. Merkel begrüßte die besonnene Reaktion der Bürger auf den Anschlag in Berlin. „Ich bin in den letzten Tagen sehr stolz gewesen, wie besonnen die große Zahl der Menschen auf diese Situation reagiert.“

In Berliner Kliniken werden weiterhin zwölf Schwerstverletzte behandelt. Einige von ihnen seien in kritischer Verfassung, teilte die Senatsverwaltung gestern mit. Die Zahl der Todesopfer sei bisher nicht weiter gestiegen; sie liegt bei 12. 14 mittel- bis leichtverletzte Opfer des Attentats werden zur Zeit noch in Kliniken behandelt, 30 wurden inzwischen entlassen.

Von Ulrich Wangemann

22.12.2016
22.12.2016