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Brandenburg Eine Liebeserklärung an die Kiefer
Brandenburg Eine Liebeserklärung an die Kiefer
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16:49 05.06.2019
Hat neuerdings ein schleches Image: die Kiefer. Quelle: Foto: Monika Skolimowska/dpa
Eberswalde

Der Ruf der Kiefer ist ramponiert. Immer wenn es bei großer Trockenheit zu verheerenden Waldbränden in Brandenburg kommt, taucht die Frage auf: Warum gibt es immer noch so viele Nadelbäume in den Wäldern? Warum geht es mit dem Waldumbau nicht viel schneller voran?

„Der Ruf der Kiefer ist unberechtigt zu schlecht“, sagt der Waldökologe Jens Schröder von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde. Sie sei immer dort angepflanzt worden, wo sonst kaum etwas gewachsen sei. Das spreche eigentlich für den Baum.

Baum des Jahres 2017

2007, als die Pinus sylvestris L. zum Baum des Jahres gekürt worden war, stand vor allem ihre Schönheit im Blick. Ihr Aussehen, die hohen Kronen und der einzigartige Geruch des frisch geschlagenen Holzes wurden gerühmt.

Problematisch ist jedoch die heutige Übermacht des Baumes in Brandenburger Wäldern. Etwa 71 Prozent der Waldbäume sind Kiefern. In Brandenburg konzentrieren sich heute 30 Prozent der Kiefernfläche und etwa 25 Prozent des Holzvorrates in Deutschland. Schuld an der Übermacht ist jedoch der Mensch.

„Immer, wenn der Wald verschwunden war durch Raubbau oder Kriege und Flächen schnell aufgeforstet werden mussten, wurde auf die Kiefer zurückgegriffen“, sagt Schröder. Nach dem Zweiten Weltkrieg seien beispielsweise komplette Waldbestände für Reparationszahlungen abgeholzt worden, die dann meist wieder mit Kiefern aufgeforstet wurden.

Der Baum kommt mit extremen Bedingungen klar

Und warum griffen Forstleute und Waldbesitzer bei der Aufforstung so häufig zur Kiefer? Die Gründe sind schnell genannt: Sie kommt mit extremen Bedingungen gut klar, mit viel Sonne, viel Licht, viel Kälte, vielen Niederschlägen, aber auch mit sehr kargen Böden. Diese Genügsamkeit bietet kaum ein anderer Baum.

In den vergangenen rund 25 Jahren wurden nach Angaben des Landesforstministeriums mehr als 85 000 Hektar zu Mischwäldern umgebaut. Pro Jahr sind das etwa rund 1500 Hektar. Etwa 3000 bis 6000 Setzlinge je Hektar kommen per Hand in den Boden. Ein bis drei Euro kostet jede Pflanze. Dazu kommen noch etwa 2000 Euro für Zäune je Hektar, um die jungen Bäumchen vor Wild zu schützen.

Friedrich II. ließ die Aufforstungen von der Polizei bewachen

Schon Friedrich II. (1712-1786) hatte sich für die Aufforstung märkischer Wälder stark gemacht. „Teilweise unter polizeilicher Aufsicht wuchsen die jungen Bäume heran, damit nicht Holz „gewildert“ wurde“, erläutert Schröder. Aus jener Zeit seien noch einige Exemplare zu finden. Auf einem Kiefernlehrpfad bei Eberswalde können sogar bis zu 300-jährige Bäume bewundert werden. 30 Prozent der Brandenburger Kiefern sind zwischen 30 und 40 Jahre alt. Unter ihrem Schutz wachsen die für den Waldumbau wichtigen Laubbäume heran. Doch das dauert Jahrzehnte.

Die Probleme mit der Kiefer begannen, als sie große Bestände bildeten. Im Vorjahr wurde das deutlich, als große Flächen abbrannten oder von Schädlingen befallen wurden. Der Naturwissenschaftler Pierre Ibisch, ebenfalls von der Eberswalder Hochschule, sieht nach den Waldbränden auch eine Chance. Auf einem 28 Hektar große Areal in Treuenbrietzen (Potsdam-Mittelmark) wird nun von der Wissenschaft beobachtet, wie sich das Gebiet entwickelt. „Der Wald der Zukunft ist hoffentlich ein Laubmischwald“, wünscht er sich.

Und was tut die Wissenschaft noch? Es gebe Versuche mit Saatgut aus Rumänien oder Bulgarien, wo schon heute klimatische Bedingungen herrschten, wie man sie in Zukunft für Brandenburg erwarte, sagt Waldökologe Schröder. Ein anderes Thema sei die Suche nach Möglichkeiten zur Abwehr von Schädlingen durch biologische Mittel.

Die Deutschen lieben Kiefernholz

Es gebe erfolgversprechende Parasiten, die an den Eiern des Kiefernschädlings Nonne oder in den Raupen lebten. Zudem werden Bakterien eingesetzt, die sich in den Raupen vermehren. „Wichtig ist außerdem, das wir durch modernste Methoden noch zeitiger erkennen, wo es zu einer Massenvermehrung kommen könnte“, sagt er. Die Kiefer habe auch in Zukunft eine Chance in Brandenburg - wenn auch vor allem in Mischung mit Laubbaumarten.

Theoretisch kann die Kiefer Hitze und Trockenheit mehrere Jahre lang aushalten. Bei ausreichender Wasserversorgung bildet sie dann ausreichend Harz, um Schädlinge abzuwehren. Gelingt das nicht, wird allerdings der katastrophale Kreislauf in Gang gesetzt: Am Ende bieten geschwächte Bäume Angriffsflächen für Schädlinge und Brände.

Die Deutschen lieben Kiefernholz nach wie vor: Möbel, Fenster, Dielen oder ganze Häuser aus dem Massivholz sind gefragt. „Der Vorzug: Das Holz ist preiswert“, heißt es beim Verband der deutschen Holzindustrie.

Zwölf Millionen Kubikmeter werden jährlich geschlagen

Die Kiefer gehöre zur drittgrößten Holzartengruppe in Deutschland, so der Bundesverband der deutschen Holz- und Sägeindustrie. Ihr Anteil unter den Nutzhölzern liege bei 20 Prozent. Zwölf Millionen Kubikmeter wurden nach den Angaben in den vergangenen fünf Jahren jährlich geschlagen. Kiefernholz wird meist in Deutschland verwendet, eine größere Menge jedoch auch exportiert.

Das Holz ist gut geeignet für den Bau von Holzachterbahnen, als Schwellen für Industriegleise oder Palisaden im Gartenbau. Auch Paletten, Kisten oder Spanplatten werden daraus gefertigt. Reste und Abfall aus den Sägewerken enden als Hackschnitzel, Briketts oder Pellets. Nicht zuletzt sagt man den Terpenen, die in den Harzen vorkommen, gesundheitsfördernde Wirkungen nach. Auch soll das „Waldbaden„ unter zig Meter hohen Kiefern – ein neuer Trend – besonders erholsam sein.

Von Gudrun Janicke, dpa

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