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Brandenburg „Die Stille spüren“: Zisterzienser flüchten in den Wald
Brandenburg „Die Stille spüren“: Zisterzienser flüchten in den Wald
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12:30 02.12.2019
Hier will er Ruhe finden: Zisterziensermönch Pater Simeon Wester vor dem Gebäude des verlassenen Forsthauses Treppeln. Quelle: Foto: Patrick Pleul/dpa
Neuzelle

Tief geht es in den Wald bei Treppeln (Oder-Spree). Der unbefestigte Weg endet an verwitterten Ziegelmauern. Auf der einstigen Zufahrt ist ein Erdwall aufgeschüttet. Dahinter stehen, fast zugewachsen, verfallene und verlassene Gebäude. Der eigentlich eher trostlose Anblick entlockt Pater Simeon Wester ein strahlendes Lächeln. „Die Lage ist für ein Kloster einfach traumhaft, ein echter Rückzugsort. Die Stille hier kann man spüren“, sagt er.

Pater Simeon ist einer von sechs Mönchen, die es im August 2017 vom Stift Heiligenkreuz in Niederösterreich nach Neuzelle zog, um die dortige frühere Klosteranlage neu zu besiedeln. Ein Jahr später war dort ein Tochterkloster, Priorat genannt, gegründet worden. Doch inzwischen ist es den Mönchen im „Barockwunder Brandenburgs“, wie die über Jahre restaurierte Klosteranlage genannt wird, zu unruhig geworden: Zu viele Touristen besuchen das von der öffentlich-rechtlichen Stiftung Stift Neuzelle verwaltete und vermarkte Anwesen.

In den einstigen Klostermauern befindet sich heute ein Gymnasium der Rahn-Schulen. Die Mönche kamen vorerst im katholischen Pfarramt unter, müssen für die sieben Gebete pro Tag quer über den Stiftshof zur Klosterkirche laufen. In ihrer schwarz-weißen Kleidung fallen sie sofort auf und werden fast immer zum beliebten Fotoobjekt. Prior Pater Simeon spricht zudem von „fehlenden Entfaltungsmöglichkeiten“ auf dem Klostergelände. „Unsere Wiederansiedlung hat ein großes öffentliches Interesse bewirkt. Wir haben viele Anfragen von Menschen, die sich für eine gewisse Zeit aus ihrem normalen Leben zurückziehen möchten. Dafür fehlt uns aber schlichtweg der Platz“, macht er deutlich.

75 Hektar Wald drumherum

Bei der Suche nach einem neuen Standort entdeckten die Mönche das verlassene Forsthaus Treppeln mit insgesamt 75 Hektar Wald drumherum. Das Anwesen gehört zu den Ländereien des 1817 aufgelösten Klosters Neuzelle und damit jetzt zum Bestand der Stiftung Stift Neuzelle. Der Stiftungsrat unter dem Vorsitz der früheren Brandenburger Kulturministerin Martina Münch (SPD) habe inzwischen beschlossen, das Gelände an die Mönche zu verkaufen, bestätigt das Ministerium.

Mit den Vertragsverhandlungen sei die Stiftung beauftragt worden. „Ein Verkehrsgutachten liegt vor. Parallel muss der Flächennutzungsplan der Gemeinde Neuzelle, zu der Treppeln gehört, geändert werden“, informiert Stiftungs-Geschäftsführer Norbert Kannowsky.

Seit 15 Jahren verlassen

Diese planungsrechtlichen Vorbereitungen seien kompliziert, da sich das Gelände im sogenannten Außenbereich von Siedlungen befinde und seit 15 Jahren verlassen war. Zu DDR-Zeiten hatte das Ministerium für Staatssicherheit dort ein Erholungsobjekt für seine Mitarbeiter eingerichtet. Nach der Wende gab es im Haupthaus noch einige Jahre Gastronomie. In benachbarte Baracken zogen zeitweilig Flüchtlinge ein.

Inzwischen sind die auf 14 Hektar verteilt liegenden Gebäude komplett verfallen und zugemüllt. Sie sollen für den Klosterneubau laut Pater Simeon abgerissen werden. „Klöster werden nach einem bestimmten architektonischen Konzept gebaut, eng angepasst an die Lebensweise der Zisterzienser. Da können wir hier von den alten Bauten nichts nachnutzen“, erklärt er.

Noch laufen die Verhandlungen, so Kannowsky. Kommen diese zu einem erfolgreichen Abschluss, so müsse zunächst der Stiftungsrat den Verkauf genehmigen, ebenso wie das Finanzministerium und der entsprechende Ausschuss des Brandenburger Landtages. Aufgrund der Regierungsbildung in Potsdam, die sich länger hingezogen hatte, sei das Ganze etwas ins Stocken geraten. Dennoch sind sowohl die Stiftung als auch die Mönche optimistisch. Dass die Zisterzienser sich für die heruntergekommene Liegenschaft interessieren, sei für die Stiftung ein Glücksfall, sagt Geschäftsführer Kannowsky. „Wir hatten uns über Jahre vergeblich um eine Nachnutzung oder Renaturierung bemüht.“

Neuzelle wird nicht ganz geräumt

 Was den Zeitplan betrifft, so bleibt Prior Pater Simeon gelassen. „Klöster wurden schon seit Jahrhunderten langfristig gebaut. Wir brauchen eine Perspektive, aber wir haben Zeit und werden uns das Gelände nach und nach erschließen.“ Eine Anschubfinanzierung von gut einer Million Euro stellt das Bistum Görlitz, zu dem Neuzelle gehört, für die Beräumung des Geländes. „Wir sind überzeugt, dass viele Menschen bereit sind, für eine gute Sache etwas zu geben, zumal das Kloster ein Ort der Begegnung sein soll“, sagt Pater Kilian, zuständig für die Finanzen der Mönche.

Ganz verlassen wollen die Mönche das Kloster Neuzelle nicht, versichert Pater Simeon, der von der Landschaft und den hier lebenden Menschen als „einfach unaufgeregt“ schwärmt. „Die innere Verbindung wird bleiben, als Wallfahrtsort unserer spirituellen und pastoralen Arbeit. Zudem sind wir als Seelsorger und an der katholischen Grundschule Neuzelle engagiert.“

Von Jeanette Bederke

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