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Brandenburg Das müssen Sie zur Waldbrandgefahr in Brandenburg wissen
Brandenburg Das müssen Sie zur Waldbrandgefahr in Brandenburg wissen
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01:15 26.04.2019
Feuerwehrleute löschen einen Brand im Wald bei Neustadt/ Dosse (Ostprignitz-Ruppin). Quelle: Christian Pörschmann/dpa
Potsdam

Seit Gründonnerstag hat es in Brandenburg schon mehr als 40 Waldbrände gegeben. Und ein Wetterumschwung ist nicht in Sicht.

Wie viel Wald gibt es in Brandenburg? 

1,1 Millionen Hektar, das entspricht der Fläche von 1,54 Millionen Fußballfeldern – beziehungsweise 37 Prozent der Landesfläche. 70 Prozent der Waldfläche sind Kiefern.

Wieso ist die aktuelle Situation problematisch? Die nach dem sehr heißen und trockenen Jahr 2018 ohnehin ausgetrockneten Waldböden mussten zuletzt fast vier Wochen ohne nennenswerten Niederschlag verkraften. Dazu kam gestern noch starker Wind. Deswegen wurde für alle Landkreise und kreisfreien Städte in Brandenburg die höchste Waldbrandstufe 5 ausgerufen.

Wie oft kommt das vor?

Eher selten: Im vergangenen Jahr an drei Tagen im Juli. Und in der zweiten Aprilhälfte gab es das noch nie.

 

Wer entscheidet darüber?

Die Landesbehörden auf Basis von Daten des Deutschen Wetterdienstes. Die Faktoren, die eine Rolle spielen, sind Niederschlag, Temperatur, Windstärke sowie Luftfeuchte und die sogenannte Streufeuchte. Dabei wird berechnet, wie schnell oder langsam sich die Bodenauflage im Wald (also abgestorbene Nadeln oder Blätter aus dem Vorjahr) entzünden könnte. In der sperrigen Fachsprache der Metereologen heißt es: „Bei wasserdefizitären Bedingungen wird davon ausgegangen, dass mehr zündanfällige Vegetation vorhanden ist als bei ausreichender Wasserversorgung.“

Woran liegt es, wenn es im Wald brennt? 

Für Raimund Engel, den Waldbrandschutzbeauftragten des Landes, ist die Sache klar: „Brandursache Nummer Eins ist der Mensch.“ So komme es immer wieder vor, dass Menschen fahrlässig ihre Zigarettenkippen aus dem Autofenster schnippen. Das Umweltministerium sagt dazu: „Menschliches Handeln verursacht mehr als 90 Prozent aller Waldbrände mit bis zu 99 Prozent der Waldbrand-Schadflächen.“ Die einzige natürliche Ursache für Waldbrände, ein Blitzeinschlag, kommt demnach äußerst selten vor. Ein spezifisches Brandenburger Problem sind Blindgänger aus aus dem Zweiten Weltkrieg. Vor allem die noch im Waldboden liegende Phosphormunition ist leicht entzündlich – auch ohne Fremdeinwirkung.

Sind die Strafen abschreckend?

Wer glimmende Zigaretten aus dem Auto wirft, im Wald raucht, oder im Wald beziehungsweise in Waldnähe (weniger als 50 Meter entfernt) ein Feuer entzündet, dem drohen Geldbußen bis zu 20.000 Euro. Die Wahrscheinlichkeit, auf frischer Tat ertappt zu werden, ist allerdings gering.

Wie ist die Feuerwehr gewappnet? 

Im Prinzip nicht schlecht. In ganz Deutschland gibt es gut eine Million Feuerwehrleute, wenn man Hauptamtliche und Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren addiert. In Brandenburg gab es 2017 (neuere Zahlen liegen noch nicht vor) knapp 700 Mitarbeiter der Berufsfeuerwehr an fünf Standorten (Potsdam, Cottbus, Frankfurt/Oder, Brandenburg/Havel und Eberswalde) und 38.200 aktive Mitglieder in den Freiwilligen Feuerwehren. Ausbaufähig erscheint der jeweilige Frauenanteil: sechs Prozent bei der Berufsfeuerwehr, 14 Prozent bei den Freiwilligen.

Was tut die Politik? 

Das Ehrenamt bei der Freiwilligen Feuerwehr wird in Brandenburg mit einer neuen „Retterprämie“ aufgewertet und ein kleines bisschen attraktiver gemacht: Alle, die im aktiven Dienst sind, bekommen erstmalig 2019 eine pauschale Aufwandsentschädigung von 200 Euro. Alle zehn Jahre wird zusätzlich eine Treueprämie in Höhe von 500 Euro ausgezahlt.

Was fordern Feuerwehr-Experten? Erstens einen Umbau im Fuhrpark – mehr geländegängige Fahrzeuge. Zweitens müssten die privaten Waldbesitzer stärker in die Pflicht genommen werden, sagt Werner-Siegwart Schippel, Chef des Landesfeuerwehrverbands. Er erinnert an die vielen Waldbrände –mehr als 500 – in Brandenburg im vorigen Jahr: „Vielerorts waren die Schutzschneisen infolge von Sturmschäden unpassierbar.“ Eine regelmäßige Abfuhr von Totholz aus dem Wald sei mit die beste Brand-Prophylaxe.

Wie kommt der Waldumbau in Brandenburg voran? 

Seit 1990 wurden 85.400 Hektar Nadelwälder „umgebaut“. Das bedeutet, alte und mittelalte Kiefernbestände wurden abgeholzt und durch neue Laubbäume ersetzt. Eichen oder Buchen sind weniger feueranfällig als Nadelbäume, deren Harz wie ein Brandbeschleuniger wirkt.

Was sagen Klimaexperten? 

„Das konkrete Waldbrandrisiko an einem bestimmten Ort hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab, keineswegs nur vom Klimawandel," sagt Dr. Christoph Reyer vom Potsdam-Insitut für Klimafolgenforschung der MAZ. „Aber wenn es durch den Klimawandel trockener und wärmer wird, steigt insgesamt das Risiko.“

Es seien nicht nur extreme Klimaereignisse, vor allem mehr Hitze und mehr Trockenheit, dem Wald zu schaffen machten. Infolge von Klimawandel und Erderwärmung sei in den Wäldern Mitteleuropas zudem eine „Erhöhung der Produktivität“ zu erwarten, so Reyer. Das heißt, die Vegetationsperioden von Bäumen werden länger, sie wachsen höher, legen aber nicht im Umfang zu. Dadurch können sie anfälliger für Stürme werden. 

Die in Brandenburg immer noch recht weit verbreiteten Kiefern-Monokulturen hält Reyer nicht nur wegen der größeren Feuergefahr für problematisch. Auch könnten große Waldflächen absterben, falls der Klimawandel bestimmte Schädlinge begünstigt, und diese zum Beispiel künftig zweimal im Jahr brüten statt einmal. „Es wäre hilfreich, die Bestände zu durchmischen, um das Risiko abzupuffern.“

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