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Brandenburg Plötzlich Spitzenkandidatin
Brandenburg Plötzlich Spitzenkandidatin
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06:57 28.03.2019
Maja Wallstein, SPD Kandidatin für die Europawahl. Quelle: dpa/Bernd Settnik
Potsdam

Es ist eine Berg- und Talfahrt der besonderen Art, die Maja Wallstein (33) gerade erlebt: 2018 noch überraschend als Europa-Spitzenkandidatin der märkischen SPD durchgefallen, ist sie jetzt doch Frontfrau der Partei für die Wahl im Mai. Der Grund: Spitzenkandidat Simon Vaut ist geschasst worden, nachdem Lügen zu seinem Privatleben und seiner Wohnadresse bekannt wurden.

Zweiter Anlauf also für die Lieblingskandidatin von SPD-Chef und Ministerpräsident Dietmar Woidke. Dass die Basis Ende 2018 den später als Märchenerzähler enttarnten Vaut vorzog und nominierte, hatten viele in der Partei als Mini-Revolte gegen Woidke gewertet. Die ehemalige Juso-Vorsitzende, die seit 2016 auch im Landesvorstand der SPD sitzt, muss einen undankbaren Kampf führen: Sie ist rein formell zweite Wahl, einem Lügenbaron unterlegen. Den Schaden hat der angerichtet, sie darf die Scherben zusammen kehren. Wie schwer die Affäre im Superwahljahr 2019 die Partei belastet, wird das Wahlergebnis am 26. Mai zeigen.

Der sichere Listenplatz ist weg

Im Licht der aktuellen Enthüllungen hat die Geschichte für Wallstein eine besonders bittere Note. Wäre die junge Mutter gleich Ende 2018 für den Posten nominiert worden, wäre sie ziemlich sicher ins Europaparlament eingezogen - denn die Nahles-SPD will sich erneuern und gewährt jungen Frauen, zumal solchen aus dem Osten, Vorfahrt. Platz 5 oder 15 der Liste wäre es geworden, bestätigte Parteichef Woidke.

Als Nachrückerin für Vaut hingegen bewirbt sich Wallstein auf dem 22. Listenplatz. Da nur knapp 100 Deutsche ins EU-Parlament kommen, die SPD demnach rund 22 Prozentpunkte bräuchte, in Umfragen aber nur bei 18 Prozent steht, ist das Abgeordnetenmandat in einige Ferne gerückt.

Für Brandenburgs SPD heißt das: Erstmals seit der Wiedervereinigung könnten die Sozialdemokraten keinen EU-Abgeordneten mehr in Brüssel beziehungsweise Straßburg haben.

Rückstand aufholen – das kennt die Schiedsrichterin

Wallstein hat versprochen, sich mächtig ins Zeug zu legen, will mit ihrer Europa-Erfahrung punkten – sie war Studentin in Polen und hat ein Freiwilliges Soziales Jahr in Frankreich absolviert. „Ich sehe mich nicht als Simon Vauts Opfer“, sagt sie. „Wenn es mir wenigstens gelingt, die Idee, die ich von Europa habe, zu kommunizieren, wäre das etwas wert“, sagt die gebürtige Cottbuserin.

Dass man einen Rückstand aufholen kann, weiß die 33-Jährige aus dem Fußball. Sie nennt sich selbst einen „leidenschaftlichen Fan von Energie Cottbus“ und pfeift als Fußballschiedsrichterin Spiele in der Herren-Landesliga und der Frauen-Regionalliga. Als Spielerin bei der SG Willmersdorf 1921 war sie „nicht besonders schnell, aber kämpferisch und mit Übersicht“ unterwegs, sagt sie.

Entschiedene Groko-Gegnerin

Hart in die Konfrontation ging die studierte Politik- und Verwaltungswissenschaftlerin und Mutter einer kleinen Tochter in der Groko-Debatte nach der Bundestagswahl 2017. Sie war strikt gegen die Fortsetzung von Rot-Schwarz auf Bundesebene – anders als der Großteil der märkischen Parteispitze. In einem Meinungsbeitrag für die MAZ schrieb sie: „Die SPD braucht dringend einen Erneuerungsprozess.“ Nun kann Wallstein ihren Beitrag dazu leisten.

Die Politik wird nur an einem Wochenende kurz pausieren müssen: Am 6. April ist Energie-Auswärtsspiel in Jena. Wallstein sagt: „Ich habe Karten. Ich fahre auf jeden Fall.“

Von Ulrich Wangemann

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