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Brandenburg Diese Brandenburger arbeiten auch an Heiligabend
Brandenburg Diese Brandenburger arbeiten auch an Heiligabend
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14:06 23.12.2019
Oranienburg (Oberhavel) Feuerwehr der Stadt Oranienburg (Hauptamtliche Kräfte) Jörg Schönfeld hat während der Feiertage Dienst. Quelle: Robert Roeske
Potsdam

Einmal im Jahr ist auf die Wichtel und den Weihnachtsmann Verlass. Doch nach der Bescherung an Heiligabend dreht sich die Welt weiter. Für einen besinnlichen Feiertag sorgen unter anderem diese fünf Brandenburger.

Oranienburg (Oberhavel) Feuerwehr der Stadt Oranienburg (Hauptamtliche Kräfte) Jörg Schönfeld hat während der Feiertage Dienst. Quelle: Robert Roeske

Für Jörg Schönfeld aus Oranienburg (Oberhavel) geht Weihnachten schon früh los. Der 47-jährige Feuerwehrmann beginnt seinen 24-Stunden-Dienst um 6.45 Uhr. „Wir werden alles etwas ruhiger laufen lassen“, sagt Schönfeld. Einsätze würden ganz normal gefahren, der Hof aber an diesem Tag nicht gefegt werden.

In der Feuerwache in Oranienburg sorgt ein Weihnachtsbaum für die Besinnlichkeit. Geschenke gibt es an diesem Tag jedoch nur vom Bürgermeister: „Es ist eine Tradition, dass er kommt und sich bei uns für die Einsatzbereitschaft bedankt.“ Dann gibt es einen großen Weihnachtsstollen. Jörg Schönfeld kennt die Tradition gut. Er ist seit 1996 etwa alle drei Jahre an Heiligabend im Einsatz.

Wie seine Familie das findet? „Das Verständnis ist da, aber mir tut es weh. Gerade wenn man Kinder hat, ist der 24. der schönste Tag. Dann packen sie ihre Geschenke aus. Aber wir haben uns den Job ausgesucht“, erklärt er. In den vergangenen Jahren wurde deswegen einmal ein Café für die Familien in der Feuerwehr eingerichtet. In diesem Jahr gibt es das aber nicht.

Tatjana Jury moderiert an Heiligabend die rbb-Sendung Brandenburg Aktuell. Quelle: Jan Russezki

Tatjana Jury ist aus vielen Brandenburger Wohnzimmern nicht wegzudenken – auch Weihnachten nicht. Ein Problem hat die 56-jährige rbb-Moderatorin von „Brandenburg Aktuell“ damit nicht. „Früher wollte ich an Heiligabend bei meinen Kindern zu Hause sein, aber jetzt sind die Kinder aus dem Haus. Da ist mir das wurscht“, sagt sie.

Weihnachtlich wird es im rbb-Studio in Potsdam Babelsberg trotzdem – zumindest für die meisten. „Früher kamen die Intendanten persönlich, um Weihnachtstüten mit Süßigkeiten und Wein oder Sekt zu verteilen“, erzählt Tatjana Jury. Sie arbeitet seit 1992 für die Sendung. Im letzten Jahr gab es stattdessen ein Weihnachtsessen mit Gans, Klößen und Rotkohl – auch schön, möchte man denken. „Schön ist gut!“, lacht Jury. „Das begann aber schon um 17 Uhr. Es ist völlig undenkbar, um die Uhrzeit eine Gans zu essen“, sagt sie. Denn für die Moderatorin beginnt dann die hektische Phase, in der sie ihre Texte schreibt. Für sie gibt es an Heiligabend also kein Weihnachtsessen.

Auch festliche Deko gibt es im Studio nicht. „Es ist das normale Nachrichtengeschäft, aber wir lassen unseren Geschichten mehr Zeit und bilden auch die ab, denen es vielleicht an Weihnachten nicht so gut geht“, erzählt Jury. Ein wenig Besinnlichkeit kommt nach der Sendung manchmal doch noch auf: „Wir haben dann bei einem Kuchen und Kaffee noch mal einen kleinen Moment der Gemütlichkeit – wir sind eben eine Nachrichtenfamilie“, sagt Jury.

Alexander Gottlob aus Zossen ist Koch im Hotel Van-der-Valk in Blankenfelde-Mahlow. Er kocht an Heiligabend das Weihnachtsessen. Quelle: Jan Russezki

Für Alexander Gottlob aus Zossen (Teltow-Fläming) ist die Arbeit an Heiligabend Gewohnheit. Der 30-Jährige ist sein halbes Leben Koch – aktuell im Van-der-Valk-Hotel in Blankenfelde-Mahlow. Ente, Gans, Rotkohl, Grünkohl, Klöße, Kartoffeln, Bratapfel, Apfelstrudel und Wild – Gottlob kann alles. In diesem Jahr ist aber auch viel vorbereitet: „Wir wissen dass es voll wird, deswegen haben wir für Reisegruppen ein Weihnachtsbuffet zu unserer Karte. Das ist entspannter“, sagt er. Er legt die Klassiker aber gern auch neu auf: „Dann werden zum Hirsch auch mal Süßkartoffeln, Preiselbeeren oder Spitzkohl kombiniert.“

Zuhause sieht das meistens anders aus. „Ich habe schon Tonnen an Gänsen und Rotkohl gekocht, das wir an Heiligabend klassisch Kartoffelsalat und Würstchen essen“, erzählt Gottlob. Die Bescherung wird wegen seiner Arbeit oft einfach einen Tag oder einige Stunden vorverlegt. Ihm ist das egal, solange er mit seiner Frau und seiner 8-monatigen Tochter zur Ruhe kommt. Im kleineren Familienkreis legt er dann doch mal die Gans mit allem drum und dran auf den Tisch.

„Wenn aber Hinz und Kunz kommen und es voll und laut wird, dann ist er dankbar auch bekocht zu werden“, gibt er zu. Selbst dann kommt er aber nicht drum rum das Essen abzusegnen. „Mir fällt dann das genießen leichter als denjenigen, die kochen“, erklärt er. Dabei koche jeder anders und es schmecke auch gut, wenn Gottlob es selbst anders gemacht hätte.

Der evangelische Pfarrer Christoph Kurz hält an Heiligabend den Gottesdienst in der St.-Moritz-Kirche in Mittenwalde Quelle: Jan Russezki

Was wäre Weihnachten ohne Kirchenbesuch? Für einige immer noch gewohnt. Für Christoph Kurzvermutlich unvorstellbar. Denn als evangelischer Pfarrer in Mittenwalde und Ragow (Dahme-Spreewald) ist er für viele Teil der Weihnachtstradition. Über die Weihnachtstage fährt er von einer Veranstaltung zur nächsten.

An Heiligabend ist er aber in der St.-Moritz-Kirche. „Am Nachmittag wird das Krippenspiel der Kinder und Konfirmanden aufgeführt und am späten Abend wird die Christnacht gefeiert“, sagt der 63-Jährige. Es singt ein Chor, Orgelmusik spielt und die Kirche ist fast nur in Kerzenlicht getaucht. Zu jedem Gottesdienst gehört eine Predigt. Kurz wird wie immer von der Geburt Jesu sprechen. „Aber es bleibt ganz sicher nicht nur in diesem traditionellen Rahmen“, kündigt er an. Die diesjährigen Themen der Gegenwart will er noch nicht verraten.

„Meine Familie feiert die Weihnacht erst am dritten Feiertag. Da habe ich keine Dienste und der ist frei gebaggert“, sagt er. In die Kirche geht er dann aber nicht und eine Predigt bleibt auch aus. Stattdessen klingt Bachs Weihnachtsoratorium in den eigenen vier Wänden. „Das haben wir in Mittenwalde im vergangenen Jahr mit 90 Leuten aufgenommen. Das hat Gänsehautcharakter“, erzählt er. Dazu gibt es klassisch Kartoffelsalat und Würstchen.

Hebamme Katlen Mieland arbeitet im Städtischen Klinikum in Brandenburg an der Havel Quelle: Rüdiger Böhme

Auch wenn Katlen Mieland als Hebamme im Städtischen Klinikum in Brandenburg an der Havel Kinder an Heiligabend auf die Welt begleitet, ist ihr noch kein kleiner Jesus begegnet. „Ich bin überhaupt nicht gläubig und die Arbeit ist nicht wirklich anders als an anderen Tagen“, sagt die 54-Jährige. Seit 1984 arbeitet sie in dem Krankenhaus, in dem auch sie zur Welt gekommen ist.

Die werdenden Eltern fürchten ein Christkind sogar: „Keiner will gerne an Weihnachten oder an Weihnachten herum ein Kind bekommen, wegen der Geburtstagsfeier und der Geschenke später“, sagt Mieland. Weihnachtsstimmung kommt im Kreißsaal also nicht auf. „Es geht auch an Heiligabend nur um die werdenden Eltern“, erklärt sie.

Trotzdem, so ganz geht es dann doch nicht. Mieland erzählt, dass auf ihrer Station im Aufenthaltsraum ein geschmückter Weihnachtsbaum steht, für Mitarbeiter gibt es einen Adventskalender mit kleinen Geschenken und an Heiligabend gibt es auch mal Kollegen mit Weihnachtsmützen. Mieland freut sich trotzdem auf die Zeit mit ihrer Mutter und Tochter. Übel nimmt ihr den Heiligabenddienst natürlich niemand.

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Von Jan Russezki

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