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Brandenburg "Dieses Düstere, das jeder hat"
Brandenburg "Dieses Düstere, das jeder hat"
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18:58 12.02.2014
Jürgen Vogel in "Stereo". Quelle: © Wild Bunch Germany

MAZ: Herr Vogel, wie war’s auf der Premierenfeier?
Jürgen Vogel: Ich habe aufgepasst, dass ich einfach nicht zu viel trinke, weil ich ja wusste, dass ich am nächsten Tag noch arbeiten muss. Die Zeiten, als ich in Köln beim Karneval nach nur einer Stunde Schlaf mit Perücke und im Kostüm zum Interview erschienen bin, die sind vorbei.
Moritz Bleibtreu und Sie standen schon für Oskar Roehlers „Quellen des Lebens“ vor der Kamera. Damals waren Sie der Vater von Bleibtreu und keine gleichberechtigten Hauptfiguren.
Vogel: Ja, und da haben wir immer gesagt, wir müssten noch mal zusammen drehen. Nur wollte ich dann gerne anders aussehen (lacht). Wenn wir uns sehen, haben wir immer eine gute Zeit. Moritz ist ein toller Typ. Er ist ja auch Hamburger, das verbindet schon mal. Fischköppe sind ja auch sehr speziell. Schauspieler, denen es egal ist, ob ihnen der Rotz aus der Nase läuft, hat man nicht so oft. Diese Art uneitel zu sein und an die Grenzen zu gehen, die haben nicht so viele und Moritz ist auf jeden Fall so einer. Finde ich geil.

Sie spielen in dem Film Erik, einen Mann mit Motorradwerkstatt, der sich gerade mit seiner neuen Freundin und ihrer kleinen Tochter auf dem Land einrichtet. Doch plötzlich taucht der merkwürdige Henry alias Moritz Bleibtreu auf. Was reizte Sie daran?
Vogel: Alles. Allein die Möglichkeit, eine Person zu spielen, die sich in so einer Situation befindet. Der Mann will alles haben, was schön ist, eine Frau, eine Familie und verdrängt dabei seine Vergangenheit. Anfangs weiß man ja gar nicht genau, was ist denn da gelaufen? Dann ist da die Sache mit Henry, den ich nicht mehr loswerde. Der Henry ist ja sehr sarkastisch, zynisch und man hat Schiss vor dem und denkt sich, irgendwas ist komisch an dem. Das zieht sich immer mehr durch die Geschichte. Auch die Panik, die Angst und die Verzweiflung meiner Figur. Wir mussten uns sehr konzentrieren, damit es nicht Käse wird. Das ist eben keine normale Geschichte. Wir nehmen die Zuschauer mit auf einen Trip.

Wie in „Der freie Wille“ wird in „Stereo“ auch ein Mann von seiner Vergangenheit eingeholt.
Vogel: An der Psyche des Menschen interessiert mich filmisch schon immer dieser dunkle Raum oder dieses Düstere, das jeder hat. Das ist doch spezifisch fürs Kino – so wie in „Taxi Driver“. Immer wieder tauchen dort Menschen auf, die an Abgründen stehen, oder es funktioniert etwas nicht, wie es soll. Immer wenn das Extreme eine Rolle spielt, etwas eskaliert und auseinanderrutscht, dann ist das Kino. Wir wollen ja auf so eine Reise gehen, vielleicht auch, um nicht dasselbe irgendwann selbst erleben zu müssen. Oder, um ein Gefühl dafür zu kriegen, wie es sich anfühlt, ein Grenzgänger zu sein.

Welcher andere steckt noch in Jürgen Vogel?
Vogel: Ganz viele. Ich kann ja nur ich sein. Ich bin ein Selbstdarsteller mit 100 Gesichtern. Und ich darf das Psychopathische und Schizophrene ausleben und werde auch noch dafür bezahlt. Das ist total geil. Und ich verstehe sie alle. Das ist ja mein großes Problem. Ich habe Probleme mit Moral und damit, jemanden zu verurteilen.

„Stereo“ punktet mit zweideutigen, verstörenden Bildern...
Vogel: Ja, Ngo The Chau, ist ja auch kein normaler Kameramann. Er ist ein Bildgestaltungskünstler. Mischt sich voll ein. Er ist jemand, der sich für die Menschen interessiert, die sich in einem Raum bewegen. Chau macht eben nicht wie ein normaler Kameramann nur schöne Bilder.

Ist das nicht nervig, wenn einem neben dem Regisseur auch noch der Kameramann reinredet?
Vogel: Nein, das ist wie in einer guten Beziehung. Wenn die Alte sich nicht mehr trauen würde, etwas zu kritisieren, dann wäre das alles ganz schnell langweilig. Eine Beziehung wird erst dadurch gut, dass zwei Leute sich gegenseitig ehrlich die Meinung sagen. Und zwar ebenbürtig. Genau so ist das auch beim Film. Das ist zwar anstrengend, aber wir haben ja oft höchstens acht Wochen Zeit zum Drehen und wollen dabei das Beste erreichen. Und das geht nur, wenn auch jeder sagt, was los ist.

Würden Sie gern als Regisseur arbeiten?
Vogel: Nein, ich finde, jeder führt auch ein bisschen Regie, indem er sich selbst inszeniert. Autor sein, eine tolle Geschichte schreiben, das würde ich so gern können. Aber es fehlt das Talent. Ideen habe ich genug. Ein Drehbuch zu schreiben, das ist wahre Kunst.

Schreiben ist aber ein ziemlich einsamer Job...
Vogel: Ja, das mag schon sein, aber die Schauspielerei ist auch einsam. Man ist weg von zu Hause, wohnt in einem Hotelzimmer und hat ja nicht den ganzen Tag den gesamten Drehstab um sich herum. Während du ablieferst und arbeitest sind Leute bei Dir, aber der Prozess, wo das entsteht, was du da tust, der findet vorher statt. Beim Lesen oder wenn du in der Badewanne liegst und dir Gedanken um die Szene machst, bist du immer allein. Was du machen wirst, wenn die Klappe geschlagen wird, hast du vorher auch mit keinem besprochen. Ich auf jeden Fall nicht. Das ist ein Geheimnis.

Gibt es eine Rolle, die Sie unbedingt mal spielen wollen?
Vogel: Nein, aus Spaß sage ich manchmal, ich würde gerne einen Säugling spielen, weil ich nicht mehr weiß, was ich da sagen soll.

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