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Brandenburg Digitale Bewerbung: Firma buhlt um junge Leute
Brandenburg Digitale Bewerbung: Firma buhlt um junge Leute
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17:37 10.04.2018
Diana Golze (Linke), Arbeitsministerin Brandenburgs, betrachtet in der „Carl Pabst - Samen und Saaten GmbH“ einen Abfüllautomaten für Saatgut. Quelle: ZB
Trebbin/Großbeeren

In Zeiten von Fachkräftemangel und vieler neuer Kommunikationskanäle müssen Unternehmen kreativ sein – vor allem, wenn sie junge Leute gewinnen wollen. Wie die Firma Grädler Fördertechnik in Thyrow, ein Ortsteil von Trebbin (Teltow-Fläming). Die bietet seit Mittwoch eine neuartige digitale Bewerbung an und dürfte auf diesem Gebiet Vorreiter in Brandenburg sein. Über eine Smart-App können Schulabgänger und Ausbildungssuchende einen spielerischen „Job-Check“ vornehmen. Die Auswertung der Fragen erfolgt sofort. Wer als Mechatroniker oder Industrieelektriker geeignet ist, aber auch wer nicht, erfährt es umgehend.

Geschäftsführer Frank Grädler (58) ist sich sicher, dass die klassische Bewerbung mit Anschreiben und Arbeitsproben ausgedient hat. „In den nächsten Jahren wird sich sehr viel verändern“, glaubt Grädler, dessen Firma seit zehn Jahren alle Arten von Aufzügen, Rolltreppen und Hubbühnen herstellt, wartet und repariert. Unter den 38 Mitarbeitern sind fünf Auszubildende sowie drei Praktikanten aus Syrien.

Arbeits- und Sozialministerin Diana Golze (Linke) war begeistert. Sich über das Smartphone zu bewerben, das sei „ein Zeichen der Zeit“ und wohl noch nicht so weit verbreitet, sagte Golze. Die Ministerin war auf einer Arbeitsmarkt-Tour und besuchte gemeinsam mit dem Chef der Berlin-Brandenburger Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit, Bernd Becking, mehrere Firmen, um sich vor allem über die Ausbildungssituation vor Ort ein Bild zu machen. Es falle Unternehmen zunehmend schwerer, geeignete Auszubildende zu finden. Zugleich werde die Zahl offener Stellen wird immer größer, besonders bei Kleinstbetrieben, betonte Golze, die nach ihrer erneuten Operation am Mittwoch ihren ersten größeren öffentlichen Auftritt absolvierte. Die Ministerin war im Sommerurlaub in Italien bei einem Unwetter durch einen herabstürzenden Baum verletzt worden.

Arbeitsagentur-Chef Becking appellierte an die märkischen Unternehmen, mehr für Ausbildung zu tun. Nur so könnten Talente im Land gehalten werden. 1700 Lehrstellen seien im vorigen Jahr unbesetzt geblieben, sagte Becking. In Brandenburg ist die Lage trotz allem vergleichsweise günstig. Bundesweit gebe es nur vier Länder mit Zuwächsen bei Bewerbern für eine duale Ausbildung. Das sind neben Brandenburg die Stadt Berlin, das Saarland und Rheinland-Pfalz. In diesem Jahr habe es in Brandenburg 465 Bewerber mehr gegeben als im Jahr davor, darunter waren 348 junge Geflüchtete. „Wir brauchen diese jungen Menschen“, betonte Becking. Diese hätten inzwischen ihre Sprachkurse abgeschlossen und eine Berufsreife erlangt.

Diana Golze (Linke), Arbeitsministerin Brandenburgs, fährt mit Frank Grädler, Geschäftsführer Grädler Fördertechnik, auf einer Rolltreppe. Das Unternehmen bietet Service für Aufzüge und Fahrtreppen. Quelle: dpa

Unterschiedliche Erfahrungen mit jungen Auszubildenden hat die Firma Samen und Saaten in Großbeeren (Teltow-Fläming) gesammelt. Das größte Problem mit drei jungen Geflüchteten sei die Sprache gewesen, sagte Mit-Geschäftsführer Thomas Träger (60). Nicht einfach sei auch die soziale Eingliederung in den normalen Alltag gewesen. Die Migranten würden oft an der Bürokratie scheitern und beispielsweise nicht wissen, wie sie sich anmelden oder an eine Wohnung kommen sollen.

Fördertechnik-Geschäftsführer Grädler sieht noch ein anderes Problem: „Konzerne fischen sich die guten Leute und werben sie ab.“ Diese würden Löhne in Höhe von 22 Euro in der Stunden zahlen. „Wie wollen wir da als Handwerksbetrieb mithalten?“ Grädler zahlt seinen Azubis zwischen 11 und 21 Euro pro Stunde, wie er sagte.

Gedanken macht er sich auch über die Schulbildung in Brandenburg. Den meisten jungen Leute fehle die altersentsprechende persönliche Reife, meinte er. „Ein Mechatroniker, der mit der Ausbildung fertig ist, hat den Wissensstand eines Ingenieurs aus dem Jahr 1961.“ Sein Fazit: In der Schule werde Wissen vermittelt, das gar nicht gebraucht werde.

Nur 41 Prozent der Betriebe bilden aus

In Brandenburg haben zwar 54 Prozent der Betriebe eine Berechtigung, junge Leute auszubilden. Aber nur 41 Prozent davon bilden tatsächlich aus. Damit bilden nur 22 Prozent aller Betriebe in Brandenburg aus.

Insbesondere jüngere Geflüchtete sollen mit dem Programm „Assistierte Ausbildung Brandenburg“ langfristig in eine Ausbildung integriert werden. Aktuell sind 107 junge Menschen in der Förderung, davon sind 85 Prozent Geflüchtete.

Von Igor Göldner

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