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Brandenburg Bogenjagd auf Wildschweine in Stahnsdorf ist vom Tisch
Brandenburg Bogenjagd auf Wildschweine in Stahnsdorf ist vom Tisch
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17:36 05.06.2019
Wildschweine in TKS dürfen nun doch nicht mit Pfeil und Bogen gejagt werden. Quelle: dpa
Potsdam

Die geplante Bogenjagd auf Wildschweine in Stahnsdorf findet nicht statt. Nach Auskunft des Agrar- und Umweltministeriums in Potsdam ist der Antrag auf Sondergenehmigung nicht genehmigungsfähig. Eigentlich hätte die Bogenjagd noch in diesem Monat losgehen sollen.

Voraussetzung dafür wäre eine wissenschaftliche Begleitung des bundesweit einzigartigen Pilotprojekts gewesen, denn eigentlich ist Bogenjagd in Deutschland verboten. Doch bis zum Ende der Ausschreibungsfrist gab keine wissenschaftliche Einrichtung ein zuschlagfähiges Angebot ab, so das Ministerium.

„Es gab Bewerber, aber leider nicht im Antragszeitraum. Ich denke, dass sich viele an der lauten Begleitmusik gestört haben“, sagte der Sprecher des Ministeriums, Jens-Uwe Schade, mit Blick auf den „Shitstorm von mehreren Seiten“.

„Im Ergebnis bleibt nun unklar, ob wir jemals erfahren werden, ob die Bogenjagd auf Wildschweine tierschutzgerecht ist oder nicht“, sagte der Stahnsdorfer Bürgermeisters Bernd Albers. Der Brandenburger Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD) habe ihm, dem Kleinmachnower Bürgermeister Michael Grubert und den Jagdausübungsberechtigten am Mittwoch ein Gespräch angeboten, um zu klären, wie es nach der fruchtlosen Ausschreibung weitergeht. Einen konkreten Termin gebe es aber noch nicht.

Modifizierte Munition und Schalldämpfer im Gespräch

Nun müssten auch weitere alternative Jagdmethoden in Betracht gezogen werden: „Hierzu ist beispielsweise an die Aufhebung des Verbots des Einsatzes von Nachtsichtgeräten, ähnlichen technischen Assistenzsystemen, modifizierter Munition und Schalldämpfern zu denken. Die volle Ausschöpfung des gesetzlichen Rahmens ist jedenfalls unabdingbar“, so Albers.

Jagdpächter Peter Hemmerden zeigte sich enttäuscht: „Ich habe viel Arbeit reingesteckt, mich mit vielen Leuten getroffen und ein kompetentes Konzept entwickelt.“ Er habe „mit einem anderen Ergebnis“.

Hintergrund des gescheiterten Antrags ist die Wildschweinplage in den Gemeinden Stahnsdorf und Kleinmachnow. Der Einsatz von Schusswaffen bei der Jagd ist in besiedelten Gebieten verboten – deshalb hatte das Landwirtschaftsministerium eine Genehmigung der Bogenjagd für Mitte Juni in Aussicht gestellt.

Tierschützer triumphieren

Der Tierschutzverband hatte daraufhin angekündigt, dass man „unverzüglich“ Strafanzeige gegen Minister Vogelsänger stellen werde, „sobald die Jagd mit Pfeil und Bogen erfolgt und durchgeführt wird“, da es keine Rechtsgrundlage für die Genehmigung gebe. Der Verband lehnt die Bogenjagd ab, „da die Tiere, die nicht gleich tödlich getroffen werden, unter größten Schmerzen und Leid sterben.“

Auch Barbara Sahlmann von den Grünen in Kleinmachnow freut sich deshalb über die Abkehr von der Bogenjagd-Idee: „Tierschutzgründe sprechen dagegen, denn die Wildschweine sind nicht sicher tot“, sagte sie der MAZ. „Wir Menschen haben den Tieren den Lebensraum durch starke Besiedlung genommen. Da hilft die Rückkehr ins Mittelalter überhaupt nicht.“

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Von MAZonline

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