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Brandenburg „Drauf geschissen“ – die Ausstellung geht weiter
Brandenburg „Drauf geschissen“ – die Ausstellung geht weiter
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14:36 10.01.2018
Ausstellung „Drauf geschissen“ auf der Burg in Storkow. Quelle: Patrick Pleul
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Storkow

Wenn Detlev Nutsch in seinen weißen Kittel schlüpft, die Mütze aufsetzt und zum Putzeimer mit Toilettenbürste und Klopapier greift, dann ist es wieder Zeit für den „öffentlichen Stuhlgang“ auf der Burg Storkow in Brandenburg, zwischen Berlin und Frankfurt (Oder). „Bitte keine Haufenbildung“, mahnt er vielsagend und erntet dafür Gelächter.

. Lokus, Leibstuhl und Latrine - die Ausstellung auf der Burg Storkow widmet sich seit einem Jahr einen Tabuthema und wird zum Besuchermagneten.

Seit einem Jahr führt der 62 Jahre alte Schuhhändler als „Toiletten-Fred“ Besucher durch die Dauerausstellung des Kulturzentrums. Sie trägt den provokanten Titel „Drauf geschissen“ und widmet sich der Geschichte der Toilette - von den antiken Anfängen über die Donnerbalken bis hin zu den modernen Klosetts inklusive Radio, Massagefunktion und Sitzheizung.

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Ursprünglich sollte die Schau nur ein Jahr auf der mittelalterlichen Burg gezeigt werden. Wegen des großen Zuspruchs sei sie nun bis Anfang Juni verlängert worden, sagt Storkows Tourismusmanager Andreas Gordalla. „Wir hatten bereits mehr als 20 000 Besucher, zum Abschluss werden es wohl doppelt so viele sein, auch dank Toiletten-Fred.“

Tatsächlich sind die zwei «öffentlichen Stuhlgänge» pro Monat oft schnell ausgebucht, Nutsch wird zusätzlich für Sonderführungen von Firmen oder zu Familienfeiern gebucht. Er geht Fragestellungen nach, warum Männer länger auf der Toilette sitzen als Frauen. Oder auch, welche Erfindungen es gibt, wenn keine Toilette zur Verfügung steht.

„Das Thema hat mich interessiert, schließlich ist es nicht nur unterhaltsam, sondern hat einen ernsten Hintergrund“, sagt Nutsch, der 1994 aus Berlin zuzog. Als Storkower Nachtwächter ist er bereits eine kleine Berühmtheit im Ort. „Jeder dritte Mensch weltweit hat noch immer keine sichere und saubere Toilette zur Verfügung. Etwa 1000 Kinder sterben täglich an Durchfallerkrankungen, hervorgerufen durch mangelnde Hygiene“, sagt „Toiletten-Fred“ und bezieht sich dabei auf Informationen der German Toilet Organization (GTO). Sie will durch Öffentlichkeit ein Tabu brechen und hat die Storkower Ausstellung mit unterstützt. „Hygiene hat auch etwas mit Menschenrechten zu tun“, ist Nutsch überzeugt.

Um Besucher aufzuklären und zu sensibilisieren, schlüpft er gern in die Rolle des berlinernden Klomannes, der auch umweltbewusst ist. So erfahren Besucher, dass ein Deutscher durchschnittlich 17 Kilogramm Klopapier pro Jahr verbraucht und weltweit täglich rund 270 000 Bäume für die Klopapier-Produktion gefällt werden.

In der Ausstellung gibt es eine Trocken-Trenn-Toilette, die im Campingbereich derzeit die Chemie-Variante ablöst und deren Vorteile ausführlich erläutert werden. Da Nutsch weiß, wie man Leute unterhält, baut der Hobbymusiker auch Lieder und Gedichte in seine Führungen ein. Zum Beispiel die Geschichte vom „Ritter Brunzenschütz“, der seine Gegner nicht durch Kampfkunst, sondern durch seine übelriechenden Darmwinde besiegt haben soll.

Von Jeanette Bederke

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