Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg Potsdamer Kreml wird zum Spekulationsobjekt
Brandenburg Potsdamer Kreml wird zum Spekulationsobjekt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:51 17.10.2019
Brauhausberg mit Kreml in Potsdam Foto:Bernd Gartenschläger Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Das ehemalige Landtagsgebäude auf dem Potsdamer Brauhausberg wird zum Spekulationsobjekt: Es steht für 35 Millionen Euro zum Verkauf. Das geht aus einem Exposé hervor, das der MAZ vorliegt. Könnten die jetzigen Besitzer ihre Preisvorstellungen durchsetzen, würden sie viermal so viel Geld einnehmen, wie sie vor vier Jahren an das Land Brandenburg gezahlt haben.

Im Jahr 2015 hatte das Land die Immobilie an eine private Investorengruppe verkauft. Die Unternehmen Sanus AG und Eureka überwiesen damals 8,6 Millionen Euro, um ein Wohnquartier auf dem prominentesten Hügel der Landeshauptstadt zu errichten. Praktisch nichts davon ist bislang verwirklicht.

Luxuswohnung im Turm

Das Maklerhaus Elysée mit Niederlassung in Berlin hat jetzt die Immobilie als Angebot an ausgewählte Kunden geschickt. Die Sanus-Geschäftsführung war am Mittwoch nicht zu einer Stellungnahme zu erreichen.

Angeboten sind 23.148 Quadratmeter Grundstück mit einer „verkaufbaren Nettogeschossfläche“ von 16.480 Quadratmetern. Eine Baugenehmigung liege vor, der Baubeginn könne schon im März 2020 erfolgen. Garniert ist das Angebot mit einem Ausblick aus einer künftigen „Luxus-Eigentumswohnung im Turm“ – mit Panoramaterrasse. 63 Wohnungen seien in dem denkmalgeschützten Altbau der historischen Königlich-Preußischen Kriegsschule realisierbar, heißt es in dem Exposé, 68 könnten neu auf dem Gelände errichtet werden. Dazu kommt ein Boarding-House mit 94 Plätzen.

Verkauf 2015 war umstritten

Der Verkauf an Sanus und Eureka 2015 war umstritten, weil ein anderer der sieben Interessenten rund zwei Millionen Euro mehr für die Top-Immobilie geboten hatte – und dieses Geld dem Land damals in den Augen von Kritikern entging. Beim Kauf ließ sich Eureka vom Linken-Politiker und Rechtsanwalt Gregor Gysi – damals Fraktionschef im Bundestag – beraten. Gegenüber dem „Stern“ bestätigte Gysi, Vertreter von Eureka und Sanus zu einem Bietergespräch mit Vertretern des Brandenburger Finanzministeriums begleitet zu haben.

Mit seinem Parteifreund, dem Brandenburger Finanzminister Christian Görke, habe er aber nie über das Thema gesprochen. Auch Görke bestritt, Einfluss auf das Verkaufsverfahren genommen zu haben. Der Zuschlag sei an ein in Denkmalsachen erfahrenes Unternehmen gegangen. Man habe deutlich über Verkehrswert verkauft, außerdem hätte das Konsortium zugesagt, eng mit der Stadt zusammenzuarbeiten. Bekannt wurde auch, dass das Konsortium sich verpflichtete, eine zweite Straße zu dem Gelände zu bauen.

CDU witterte Vetternwirtschaft

Die CDU witterte dagegen Vetternwirtschaft, der damalige Chef des Haushaltsausschusses, Sven Petke, bezeichnete es als lebensfremd, dass die Linkenpolitiker sich nicht zu dem Deal ausgetauscht hätten und sprach von einer „Märchenstunde“.

Die Käufer haben bislang jedenfalls gute Geschäfte mit der öffentlichen Hand gemacht: In die Schlagzeilen geriet das ehemalige Landtags-Gebäude, als die Stadt Potsdam die leerstehende Immobilieauf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise 2015 als Notunterkunft anmietete. Die Immobilienentwickler ließen sich nicht lange bitten und schlossen einen Drei-Jahres-Vertrag mit der Stadt ab. Monatliche Miete: 130.000 Euro, macht gut 1,5 Millionen Euro im Jahr. Nach drei Jahren müssten die neuen Besitzer also einen erheblichen Teil der Kaufsumme aus den Mieteinnahmen erwirtschaftet haben.

Land beteuert: Gegen Spekulation abgesichert

Mittlerweile sind die Asylbewerber ausgezogen. Der für 2016 angekündigte Baustart für dasProjekt Luxuswohnen am Brauhausberg ist längst verstrichen. Zuletzt hatten Sanus und Eureka verkündet, sie wollten 70 Millionen Euro in das Areal stecken. Auf der Internetseite von Sanus ist das Projekt Havelblick noch angepriesen („in bester Lage“). Auch ein Fertigstellungsdatum ist genannt: 2021.

Ob der Verkauf in der angepeilten Größenordnung zustande kommen kann, ist fraglich. Das Finanzministerium teilte auf Nachfrage mit, das Land habe sich „bei dem Verkauf der Liegenschaft im Jahr 2015 mit mehreren vertraglichen Regelungen gegen eine Spekulation mit der Liegenschaft abgesichert“, so Sprecher Thomas Vieweg. Veräußere das Land Liegenschaften, würden üblicherweise „Investitionsverpflichtungen und ein Wiederkaufrecht des Landes bei Nichterfüllung der Verpflichtungen“ festgelegt. Dazu gehöre auch „eine Mehrerlösklausel für den Fall, dass der Kaufgegenstand über dem vereinbarten Kaufpreis weiterveräußert wird“. Mit anderen Worten: Das Land würde einen erheblichen Teil des Preisaufschlags erhalten.

Von Ulrich Wangemann

Patienten sind besorgt: Nicht nur Spezialmittel, sondern auch gängige Medikamente wie Schmerzmittel, Psychopharmaka und Blutdrucksenker werden derzeit in den Brandenburger Apotheken knapp – weil es Probleme bei der Produktion in Asien gibt.

17.10.2019

Wegen des Kostendrucks im hiesigen Gesundheitswesen lassen viele Pharmafirmen Wirkstoffe kaum noch in Europa produzieren – die Abhängigkeit von Asien steigt. Das ist nicht ungefährlich, wie sich nun zeigt.

16.10.2019

Für den geplanten Kohleausstieg gibt es noch keinen Gesetzesentwurf. Gelder für die Regionen sollen aber schon ab Januar 2020 fließen. Das bemängelten Experten am Mittwoch im Bundestag.

16.10.2019