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Brandenburg Unwirksame Krebsmedikamente: Was ist aus dem Pharma-Skandal geworden?
Brandenburg Unwirksame Krebsmedikamente: Was ist aus dem Pharma-Skandal geworden?
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09:29 15.07.2019
Das Gebäude der Lunapharm Deutschland GmbH in Blankenfelde-Mahlow. Quelle: Foto: Patrick Pleul/dpa
Potsdam

Vor genau einem Jahr schlug die Nachricht hohe Wellen: In Brandenburg waren illegal eingeführte Arzneimittel für Krebspatienten verbreitet worden, die möglicherweise in ihrer Wirksamkeit eingeschränkt waren. Darin verwickelt war die Firma Lunapharm aus Mahlow (Teltow-Fläming). Als sich dann herausstellte, dass die zuständigen Gesundheitsbehörden des Landes davon zwar wussten, aber viel zu spät etwas dagegen unternommen hatten, war der „Pharma-Skandal“ perfekt, den damals das Magazin „Kontraste“ der ARD aufgedeckt hatte und der über Brandenburg hinaus aufhorchen ließ.

Die politischen Konsequenzen waren damals beträchtlich: Die zuständige Gesundheitsministerin Diana Golze (Linke) trat sechs Wochen später zurück, auch ihre Staatssekretärin musste gehen. Die rot-rote Koalition geriet in eine Belastungsprobe. Und parallel wurde der betroffenen Firma die Erlaubnis zum Großhandel und zur Herstellung von Arzneimitteln entzogen, wogegen sie klagt.

Doch was hat sich seither getan? Eine damals eingesetzte Expertengruppe („Task Force“) hatte eklatante Missstände und Lücken in der Arzneimittelaufsicht des Landes festgestellt. Zuständig dafür ist das Landesamt für Arbeitsschutz, Gesundheit und Verbraucherschutz. Die Oberaufsicht wiederum hat das Gesundheitsministerium.

12 neue Stellen für Kontrolle

Dort sitzt seit gut neun Monaten eine neue Spitze und mit Staatssekretär Andreas Büttner (Linke) derjenige, der zu einer Art Chef-Aufklärer gemacht wurde. Büttner vergrub sich in die Akten und krempelte mit einer eigenes eingerichteten internen „Steuerungsgruppe“ gleich mehrere Ebenen in der Verwaltung um.

Der Landtag hatte dem Ministerium zwölf zusätzliche Stellen bewilligt – für die Überwachung und Kontrolle. Diese Stellen – fünf im Ministerium, sieben im Landesamt – konnten nach anfänglichen Schwierigkeiten besetzt werden. Zusätzlich wurde ein Aufsichtsreferat im Ministerium aus sieben Mitarbeitern für Apotheken, Arzneimittel, Blutprodukte und Heilmittelwerbung geschaffen, das auch die Extra-Aufsicht über das heftig in der Kritik geratene Landesamt hat. Dort wurde das zuständige Dezernat um sieben auf 29 Stellen aufgestockt, davon sind jetzt zehn ausgebildete Apotheker. Bereits im Herbst vorigen Jahres hatte Ministerin Susanna Karawanskij (Linke) dem Präsidenten des Landesamts die Zuständigkeit für Gesundheit entzogen, ihn aber nicht entlassen.

Büttner sagt: „Wir sind jetzt personell gut ausgestattet.“ Das Netz der Kontrollen sei engmaschiger, die Aufsichten verstärkt. „Das gibt uns die Sicherheit, dass wir eine gute flächendeckende Überwachung von Arzneimitteln haben.“

Andreas Büttner, Staatssekretär im Gesundheitsministerium des Landes Brandenburg. Quelle: Björn Wagener

Könnte sich ein solcher Skandal wiederholen? Büttner denkt kurz nach. „Wir haben alles getan, was möglich ist. Aber eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nie.“ Eine Erkenntnis, die er aus dem Fall gewonnen haben: Der „schlanke Staat“ mit immer weniger Personal in der Verwaltung funktioniere nicht und sei „endgültig gescheitert“.

Wer möglicherweise von unwirksamen Medikamenten betroffen ist, lässt sich vom Land nicht zurückverfolgen. Die Chargennummern auf Arzneien lassen sich nur bis zur Apotheke verfolgen. Bei Laboruntersuchungen an 36 beschlagnahmten Proben von sechs unterschiedlichen Arzneimitteln habe es keine Hinweise auf eine verminderte Qualität gegeben.

Wie es jetzt mit der Firma weitergeht, ist offen. Die Potsdamer Staatsanwaltschaft hat noch immer nicht entschieden, ob sie Anklage erheben will. Sie hält sich über den Kreis der Verdächtigen bedeckt. Es ist aber offenbar die Geschäftsführung der Firma, gegen die ermittelt wird. Dabei geht es um den Verdacht der gewerbsmäßigen Hehlerei und des Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz.

Die Geschäftsführerin der Firma, Susanne Krautz-Zeitel, hatte die Vorwürfe, wissentlich in einen Handel mit gestohlenen Medikamenten verwickelt zu sein, vehement abgestritten. Über ihren PR-Berater hatte sie mitteilen lassen, dass sie sich Ende Juli zu den Vorwürfen gegen sich und das Unternehmen äußern wolle.

Von Igor Göldner und Torsten Gellner

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