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Brandenburg Eine Korrektur der offiziellen Berichte
Brandenburg Eine Korrektur der offiziellen Berichte
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20:31 06.05.2013
Ulrike Poppe. Quelle: MAZ/ Gartenschläger
POTSDAM

t. Ist da noch mit interessanten Zeitzeugen-Aussagen zu rechnen, die unsere Sicht auf den Arbeiter-Aufstand am 17. Juni schärfen können?

Ulrike Poppe: Sie haben recht, dass diejenigen, die sich bisher gemeldet haben, damals Jugendliche oder junge Erwachsene waren. Sie waren nicht die Redner auf den Kundgebungen und Demonstrationen, doch ihre Erinnerungen besitzen eine eigene Qualität.

Inwiefern?

Poppe: Sie waren damals unzufrieden mit den Lebensverhältnissen in der DDR. Junge Arbeiter waren von der angekündigten Normerhöhung ebenso betroffen wie ältere. Junge Bauern litten mit ihren Eltern unter der restriktiven Abgabenpolitik der SED gegenüber den „Großbauern“ und Oberschüler unter der Verfolgung der Jungen Gemeinde im Frühjahr 1953. Gerade im April wurden viele von den Schulen verwiesen. Unsere Interviewpartner stehen vielleicht für die Masse der damaligen Demonstranten und Streikenden: Sie waren unzufrieden, ohne selbst konkrete alternative politische Ziele zu formulieren. Einige unserer Interviewpartner waren gute Beobachter der Ereignisse vor Ort und bieten eine Korrektur zu den Berichten der Volkspolizei, der SED-Funktionäre und des MfS, die wir in den Archiven finden.

Welche Resonanz hatte Ihr Zeitzeugen-Aufruf im Januar bisher? Darin ist die Rede von Foto-Material, das vielleicht über sechs Jahrzehnte auf Dachböden gelegen haben könnte.

Poppe: Unser Aufruf hat nur vereinzelt zu einer Resonanz geführt. Zum Beispiel erhielten wir aus Brandenburg an der Havel mehrere Anrufe und sind dadurch an einige wenige Fotografien gekommen. Fotografieren war verboten und dort, wo die Sicherheitsorgane der DDR dies sahen, sind die Fotografen festgenommen, vereinzelt zu Haftstrafen verurteilt worden, und die Fotografien finden sich in den Stasiakten.

Bisher wird die Rolle der SED und der Staatssicherheit meist anhand von Akten rekonstruiert. Sind nicht auch Augenzeugenberichte von früheren Angehörigen der Sicherheitsorgane interessant, die damals gegen die Protestierenden vorgegangen sind?

Poppe: Sicher. Insbesondere unter den Polizisten und bei der Kasernierten Volkspolizei gab es einige, die ihre Rolle, zumindest später, kritisch gesehen haben. Nicht alle waren damals überzeugte Mitglieder der SED. Es wäre spannend zu erfahren, wie sie sich damals fühlten, wenn ihnen befohlen wurde, gewaltsam gegen die Demonstranten vorzugehen.

Acht Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Verstrickungen der deutschen Bevölkerung in die Verbrechen des „Dritten Reiches“ noch kaum aufgearbeitet. Inwieweit überschattete dieser Komplex den Aufstand des 17. Juni?

Poppe: In den Akten der SED und ihrer Sicherheitsorgane finden sich kaum Hinweise darauf, dass Versatzstücke der nationalsozialistischen Ideologie oder gar NS-Propagandabilder die Demonstrationen beherrschten. Nur in wenigen Fällen wird berichtet, dass einzelne Wortführer in der NSDAP gewesen seien. In Rathenow und in Brandenburg an der Havel sind es vor allem sozialdemokratische und klassische gewerkschaftliche Strömungen unter den Arbeitern, auf die in den Unterlagen der Sicherheitskräfte verwiesen wird.

Für DDR-Ministerpräsident Otto Grotewohl war der Aufstand ein vom Westen gelenkter „faschistischer Putschversuch“. Gab es aktiven Beistand und Steuerungsversuche, die aus Westberlin nach Brandenburg hineinwirkten?

Poppe: Jens Schöne, Mitarbeiter des Berliner Stasi-Beauftragten. hat gerade einen neuen Band zum Volksaufstand veröffentlicht. Er beschreibt darin zahlreiche Demonstrationen und Streiks auf dem Lande vor dem 17. Juni. Gerade, wenn man in die Provinz schaut, wird deutlich, dass es sehr unterschiedliche Anlässe waren, die zu den Protesten führten: In Brandenburg an der Havel forderten am 12. Juni mehrere hundert Arbeiter und Bürger die sofortige Freilassung des Spediteurs Kurt Taege, in anderen Orten demonstrierten die Bauern für die Freilassung verhafteter Landwirte. Der Rias berichtete am 16. Juni 1953 über die Demonstration in Ost-Berlin und sendete einen kurzen Aufruf in den Morgenstunden des 17. Juni. Anschließend berichtete er live von den Vorkommnissen. Das spielte sicher eine Rolle, von einer Lenkung aber kann nicht die Rede sein. Auffällig ist eher, dass vor allem die Arbeiter der Bauunion Ost-Berlin, Potsdam oder die Arbeiter der Reichsbahn auf ihren Baustellen die Proteste auslösten – wie etwa in Niemegk, im Raum Templin und in der Lausitz. Andere Arbeiter und Bauern haben sich dann mit ihren Demonstrationen angeschlossen.

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