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Brandenburg Ein Besuch auf den Spargelhöfen von Beelitz
Brandenburg Ein Besuch auf den Spargelhöfen von Beelitz
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00:28 25.05.2018
Köstlichkeit: Viele genießen die weißen Stangen in Begleitung von paniertem Schweineschnitzel und gekochten Kartoffeln. Quelle: dpa
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Beelitz

Seniorchef Bernhard Falkenthal schält im Hof Kartoffeln. Sohn und Juniorchef René Falkenthal entlädt den kleinen Transporter. Freundin Yvonne Schneider steht im Hofladen, trägt zwischendurch zwei Spargelsüppchen auf die sonnige Terrasse. Die Tür zur Halle mit der Spargelsortiermaschine ist offen. „Wir sind ein gläserner Spargelbetrieb“, sagt der Juniorchef, „man kann auf dem Feld zuschauen und auch beim Sortieren.“

Brandenburg bundesweit auf Platz drei

Heute herrscht eine idyllische Ruhe auf dem Spargelhof Märkerland. Das liegt auch daran, dass dem Hof im Beelitzer Ortsteil Schlunkendorf kein Restaurant angeschlossen ist. Spargelsuppe und hausgebackener Blechkuchen von der Schwiegermutter, wie Yvonne Schneider sagt, seien das kulinarische Rahmenprogramm des Hofes, der mit zehn Hektar zu den kleinsten der 14 in Beelitz ansässigen Spargelbauern zählt. Die bewirtschaften mit rund 2500 Erntehelfern eine Anbaufläche von 1700 Hektar. Deutschlandweit sind es 20.000 Hektar, Brandenburg liegt mit 4800 Hektar national auf Platz drei.

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Spargel mit Schnitzel beliebteste Kombination

Szenenwechsel: Bei Buschmann und Winkelmann in Klaistow, mit 600 Hektar einer der ganz Großen, werden schon mittags die Parkplätze knapp. Der Spargel- ist auch ein riesiger Erlebnishof mit Unterhaltungsprogramm für die ganze Familie. Scheunenküche, Hofladen, Spielplatz, Dekoscheune, Hofbäckerei, Kletterwald – alles da. Der saisonale Hauptakteur wird jedoch nicht aus dem Auge gelassen. Spargel ist an verschiedenen Marktständen zu bekommen, an Biertischen werden die weißen Stangen, vornehmlich in Begleitung von paniertem Schweineschnitzel, verputzt.

Morgens gestochen, mittags gekocht

Spargelsalat, Spargel mit Räucherlachs, mit Zander oder mit Kalbssteak – der Renner bei der Begleitung des Edelgemüses war und bleibe Schnitzel Wiener Art, kann auch eine Mitarbeiterin des Restaurants Spargelstübchen auf dem Spargelhof Simianer in Busendorf bestätigen. Im Hofladen zeigt sich die ganze Spargelpracht: Über ein Dutzend Sorten, darunter auch grüner Spargel, zu Preisen unter zehn Euro das Kilo. Kauft man den Spargel geschält, wird noch verraten, sei das ein gutes Geschäft – es gibt mehr Spargel fürs Geld. Und: Die Hofläden sind Frischegaranten. Morgens gestochen, mittags im Laden – das spricht für den Vorort-Kauf, Ausflugstour inklusive.

Alle Hände voll zu tun: Cindy Martin arbeitet bei Jakobs Bauernscheune in Beelitz. Quelle: Manuela Blisse

„In Beelitz werden in dieser Saison wahrscheinlich zwölf Millionen Kilo geerntet“, sagt Josef Jakobs, der mit seinem Bruder Jürgen die Jakobs-Höfe in Schäpe und Beelitz, 250 Hektar Spargelanbaufläche, betreibt. Jürgen Jakobs ist zudem Vorsitzender des Beelitzer Spargelvereins. Der gepflasterte Innenhof der Jakobs-Bauernscheune in Schäpe ist voll besetzt, die Restaurantküche schickt auch hier vor allem den Spargel-Schnitzel-Liebling an die Tische. Sie kann aber auch anders, präsentiert die weißen Stangen etwa im Kräutercrêpe oder mit Bratkartoffeln und Rührei.

Sechs bis acht Euro für ein Kilo Spargel

Auch wenn die Ernte zwei Wochen später begonnen hat, hätten die warmen Apriltemperaturen dies jedoch wettgemacht, lässt Jakobs den Saisonbeginn Revue passieren. Weil daher ausreichend Spargel vorhanden sei, habe sich, so der Spargelbauer, schon früh ein dauerhaft niedriger Preis eingependelt, im Schnitt sechs bis acht Euro für ein Kilo guter Ware.

Nach einem späten Erntestart hat sich ein dauerhaft niedriger Preis eingependelt. Quelle: Bernd Gartenschläger

Im Hofrestaurant des Spargelhofs Syring ist die Terrasse ebenfalls gut gefüllt. Das Königsgemüse wird als Cremesuppe, Salat und Sülze zubereitet, mit Schinken oder Matjes mit brauner Butter serviert. Auf dem Fensterbrett des Hofladens liegen Rezepte aus, von überbackenem Spargel und Blätterteigtaschen mit Spargel über Spargel-Erdbeersalat bis zu Grünspargel mit Beelitzer Kürbiskernöl.

Tipp: Grünen Spargel in der Pfanne braten

Während Volksfeststimmung auf dem Klaistower Spargelhof herrscht, geht es am hofeigenen Verkaufsstand zwischen Spargelfeld und Parkplatz gemächlicher zu. Ein Dutzend Spargelsorten, von dünn bis zu den dicken „Jumbos“, liegt ordentlich aufgereiht nebeneinander. Den Bruchspargel gibt es für 2,50 Euro, die Nachfrage ist hoch. „Der ist keine schlechtere Ware, einfach nur beim Ernten oder Waschen gebrochen“, sagt Verkäuferin Marianne Röser, die Spargel am liebsten klassisch mit brauner Butter und Semmelmehl isst. Grünspargel stellt sich auch kreativer auf. „Mit Schinken in der Pfanne braten“, ist ein Tipp von Yvonne Schneider vom Spargelhof Märkerland, wo, Gegenpart zur Bruchware, auch nur die Spitzen offeriert werden.

Beelitzer Spargel seit März geschützte Marke

Auf dem Weg zu den Höfen um die Spargelstadt Beelitz, in der ein Denkmal an den Glasermeister Herrmann erinnert, der 1861 den ersten feldmäßigen Spargel angebaut und verkauft hat, säumen rund 40 Schilder „Beelitzer Spargelstraße“ die B246 und L88. Etwa 30 Kilometer lang, konnte die Spargelstraße letztes Jahr endlich eröffnet werden.

In Sachen Spargel gibt es aber auch diese Saison Neues. „Seit Mitte März ist der Beelitzer Spargel eine geschützte geografische Angabe“, sagt Jakobs, der rät, beim Kochen die zarten Spitzen leicht aus dem Wasser gucken zu lassen, um sie gleichmäßiger zu garen. Anlässlich des Beelitzer Spargelfestes am ersten Juniwochenende wird das Spargelmuseum, das sich bislang in Schlunkendorf befand, neu im Beelitzer Zentrum eröffnet.

Info: Manuela Blisse ist Restauranttesterin und seit kurzem die neue MAZ-Genussexpertin. Sie testet für die Serie „Aufgetischt“ Restaurants, Cafés und Imbisse in Potsdam und dem Umland. Das ist der Restauranttest in Potsdam

Von Manuela Blisse