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Brandenburg Einige Tausend Hektar Acker unter Wasser
Brandenburg Einige Tausend Hektar Acker unter Wasser
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14:27 29.07.2017
Extreme Situation: Bauernverbandspräsident Henrik Wendorff am Rande eines überfluteten Maisfeldes nahe Fehrbellin. Quelle: dpa
Fehrbellin

Von Norden her schieben sich Wolken heran. Die Sonne – dieser Tage bester Freund der Bauern – wird von Neuem verdunkelt. Aber die Sonne gewinnt. Jedenfalls für den Moment. Die gut 50 Landwirte aus dem Rhin-Havel-Luch, die am Freitag zur Rhinmilch GmbH nach Fehrbellin (Ostprignitz-Ruppin) gekommen sind, trauen dem Wetterfrieden nicht. Haben sie wirklich das Schlimmste hinter sich oder säuft der Rest ihrer Ernte auch noch ab? Auf den Tischen im Kulturraum liegen die Handys mit Wetterapp und Regenradar griffbereit. Die Bauern, Geschäftsführer und Vorstände von Agrargenossenschaften wollen Rat, aber vor allem Hilfe vom Land. Alle Blicke richten sich auf Carolin Schilde, Staatssekretärin im Potsdamer Agrarministerium, und den Präsidenten des Landesbauernverbandes, Henrik Wendorff.

Der Dauerregen seit Ende Juni hat das geografisch tief liegende Luch in eine riesige Badewanne verwandelt. Durchschnittlich 300 Liter Regen fielen auf den Quadratmeter, im Vorjahr waren es um diese Zeit weniger als die Hälfte. Das Getreide ist braun verfärbt, die Schläge sind von Wasserschneisen durchzogen, die Wiesen gleichen Seen. „Unser Mais steht knietief im Wasser und auch der Weizen hat sich – schwer vom Wasser – hingelegt. Da kommt man über Wochen nicht ran. Selbst wenn der Regen abzieht, bleibt der Boden matschig“, sagt Helmuth Riestock, Geschäftsführer der Rhinmilch. Das Unternehmen, dem der 66-Jährige vorsteht, ist Muttergesellschaft von vier eigenständigen Nachbarbetrieben. Rund 4000 Hektar Acker- und Grünland bewirtschaftet der Verbund, gut 5000 Rinder stehen in den Ställen, ein knappes Drittel davon sind Milchkühe. Riestock schätzt den Schaden allein für die Rhinmilch auf eine Million Euro. Laut Bauernverbandschef Wendorff ist in ganz Westbrandenburg mit Verlusten von mehreren Millionen Euro zu rechnen. „Solch eine extreme Situation habe ich noch nicht erlebt“, sagt Wendorff. Dabei ist der Öko-Landwirt aus dem hochwassergeplagten Oderbruch einiges gewöhnt.

Und selbst wenn der Dauerregen jetzt ein Ende haben sollte, ist die Misere für die Luch-Bauern nicht ausgestanden. Die Felder können nicht abgeerntet werden, und auch die Grünflächen sind vor Mitte Oktober nicht befahrbar. Versuche, Mähdrescher mit Allradantrieb und Kettenrädern einzusetzen, endeten nach ein paar Metern im Morast, berichten Bauern. „Die Hälfte unserer Rinder steht auf Stroh. Aber wir haben kein Stroh“, sagt Helmuth Riestock. Der erfahrene Landwirt und Rinderzüchter wirkt ratlos.

Auch Hannes Deter treibt die Sorge um, wie sein Betrieb die 600 Milchkühe, darunter 200 Muttertiere, über den Winter bringen soll. Der 32-Jährige gehört zum Vorstand der Agrargenossenschaft „Ländchen Bellin“ in Lentzke. „Wir werden Futter zukaufen müssen – eine weitere finanzielle Belastung“, sagt der Junglandwirt. „Wir können einiges ertragen, aber das hier ist für viele von uns eine echte Notlage.“ Dabei hatten die Lentzker sogar noch Glück im Unglück, weil nur die Hälfte ihrer 2200 Hektar direkt im Luch liegt. Aber auch Deter sieht sich außer Stande, in diesem Jahr die hohen Umweltauflagen zu erfüllen. Laut EU-Recht muss jeder Bauer fünf Prozent seiner Äcker als ökologische Vorrangflächen für den Klima- und Umweltschutz bereitstellen. Der Anbau von Zwischenfrüchten ist im sogenannten Greening stark reglementiert. Deter müsste bis 20. August Raps aussäen. „Das ist aber unmöglich, wir kommen nicht auf die Felder.“ Er fordert eine Ausnahmeregelung, um so bald wie möglich Gräsermischungen ausbringen zu können, damit er Tierfutter gewinnt. Ohne Genehmigung droht ihm Fördermittelentzug. „Ich bin für das Greening, aber jetzt verschärft es unsere Lage.“

Agrarstaatssekretärin Schilde greift zum Kugelschreiber. „Problem erkannt.“ Sie hält sich aber mit Versprechungen über finanzielle Hilfe zurück. „Auch wenn das hier schlimm ist: Wir haben keine nationale Katastrophe.“ Deshalb gebe es auch keine Geldtöpfe des Bundes, die wie beim Hochwasser 2013 unbürokratisch angezapft werden können. „Aber wir werden helfen.“

„Wie konnte es überhaupt dazu kommen, dass wir wieder absaufen? Die Landesregierung hat nichts dagegen getan“, macht sich ein Bauer in der Menge Luft. Schilde weist den Vorwurf zurück. Die Verantwortung für Entwässerungskanäle und Gräben läge beim Landkreis sowie den lokalen Wasser- und Bodenverbänden. Tatsächlich ist seit 2007, als das Luch zuletzt metertief im Wasser versank, auf der Ebene der Verantwortlichen nichts passiert. Wasser- und Bodenverbände in tiefer gelegenen Gebieten zeigen offenbar wenig Bereitschaft Wehre zu öffnen, um die Nachbarn weiter oben zu entlasten. „Die Verbände wollen keine zusätzlichen Kosten verursachen, die sie dann rechtfertigen müssen“, sagt Jens Winter, Verbandsvorsteher im jetzt schwer gebeutelten Rhin-Havel-Luch.

Seit Tagen laufen sechs Pumpen rund um die Uhr, um das Luch zu entwässern. Trocken ist es damit noch lange nicht. Aber den Bauern läuft die Zeit davon.

Von Volkmar Krause

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