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Brandenburg Eklatante regionale Unterschiede in Brandenburg
Brandenburg Eklatante regionale Unterschiede in Brandenburg
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07:35 17.06.2013
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Potsdam

In Ostprignitz-Ruppin wird man seine Mandeln so schnell los wie nirgendwo anders in Brandenburg. 79 von 10.000 Kindern und Jugendlichen aus dem Landkreis werden pro Jahr bei einer Operation die Mandeln entfernt. Das sind mehr als viermal so viele wie etwa in Cottbus. Dort kommen im Jahresdurchschnitt 18 von 10.000 jungen Leuten unters Messer, weil sie Probleme mit den Gaumenmandeln haben. Das geht aus einer Analyse der Bertelsmann-Stiftung hervor. Untersucht wurde dabei die Anzahl der Mandeloperationen in Kliniken in den Jahren 2007 bis 2010. Dieser Eingriff ist die häufigste vollstationäre Operation unter Vollnarkose im Kindes- und Jugendalter.

Gründe für diese frappierenden regionalen Differenzen liegen „in einer sehr unterschiedlichen Bewertung der Ärzte, wann eine Entfernung der Gaumenmandeln sinnvoll ist“, sagt Stefan Etgeton, Gesundheitsexperte der Bertelsmann-Stiftung. Er verweist darauf, dass es in Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern keine verbindlichen Handlungsempfehlungen oder Leitlinien für solche Operationen gibt. Die Entscheidung hänge so vor allem von der individuellen Bewertung der Ärzte und der betroffenen Eltern und Jugendlichen ab.

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„Fachliche Empfehlungen“ für eine mögliche Operation gebe es sehr wohl, sagt hingegen Gerald Gronke. Er ist Vorsitzender des Brandenburger Berufsverbandes der HNO-Ärzte und niedergelassener Arzt in Blankenfelde-Mahlow (Teltow-Fläming). Gronke zufolge werden die von der Bertelsmann-Stiftung bemängelten Richtlinien derzeit aktualisiert. So gebe es neue Operationstechniken, die zum Beispiel die Chancen für eine Teilentfernung der Mandeln verbesserten. Die großen regionalen Unterschiede sind auch für Gronke „überraschend“.

Nach Einschätzung der AOK Nordost lassen sich gerade die Unterschiede zwischen ländlichen Regionen und Städten dadurch erklären, dass es in Städten mehr Arztpraxen gibt, die die ambulante Versorgung anbieten. Voraussetzung für den ambulanten Eingriff ist aber, dass ein „Krankenhaus in greifbarer Nähe“ ist, „falls Komplikationen auftreten“, so AOK-Sprecherin Gabriele Rähse. In Potsdam zum Beispiel kommen 39 stationäre Operationen auf 10.000 Jugendliche. Das liegt unter dem Landesdurchschnitt von 44. Im bundesweiten Durchschnitt werden knapp 48 von 10.000 Jugendlichen an den Mandeln operiert. (Ute Sommer)

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